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Elende Zustände auf Chios. Wer keine Chance auf Asyl hat, greift zu drastischen Mitteln.

KEYSTONE/AP/PETROS GIANNAKOURIS

(sda-ats)

Die Aktionen verzweifelter Flüchtlinge in Griechenland werden immer dramatischer. Von der Insel Chios aus versuchten Migranten, mit eigener Muskelkraft 15 Kilometer zurück in die Türkei zu schwimmen.

Drei Menschen kämpften sich von Chios aus Richtung offenes Meer. Sie trugen orange leuchtende Schwimmwesten, hinter ihnen in der Ferne war die türkische Küste zu sehen.

Plötzlich kamen Seenotretter in Schlauchbooten und zogen die Menschen an Bord. Auf einem Youtube-Video ist die Aktion zu sehen - es handelt sich um Migranten, die Anfang der Woche von Chios aus 15 Kilometer weit zurück in die Türkei schwimmen wollten.

Sechs Migranten versuchten bisher diese waghalsige Aktion, fünf Marokkaner und ein Algerier. Wie ein Offizier der griechischen Küstenwache am Mittwoch bestätigte, hatten die Betreffenden keine Chance auf Asyl. Deshalb hätten sie versucht, schwimmend die türkische Küste zu erreichen, um von dort aus einen anderen Weg nach Mitteleuropa zu finden - etwa über Bulgarien oder in Frachtern über das Mittelmeer.

"Das Vorhaben ist absurd und höchst gefährlich, die Strecke ist rund 15 Kilometer lang und es gibt starke Strömungen. Das schaffen nur wirklich gute Schwimmer, die sich auf solch eine Strecke vorbereitet haben", sagte der Beamte der Wasserpolizei.

Hungerstreik in Flüchtlingslager

Die Lage der Flüchtlinge und Migranten in Griechenland bleibt trotz intensiver Bemühungen der griechischen Regierung weiterhin unübersichtlich und angespannt. In einem improvisierten Lager in Athen traten Hunderte Migranten in den Hungerstreik, um gegen die schlechten Lebensbedingungen zu protestieren.

So wurden zwar weitere vier Auffanglager im Norden des Landes eröffnet, gleichzeitig aber besetzen Flüchtlinge im nordgriechischen Idomeni weiterhin die Bahnschienen, um die Öffnung der Grenze zu erzwingen. Rund 10'000 Menschen harren an der mazedonischen Grenze aus und hoffen, weiterreisen zu können.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat nun gemeinsam mit den griechischen Behörden begonnen, Flüchtlingskinder zu impfen. "Nicht etwa, weil irgendeine Krankheit ausgebrochen ist, sondern vorbeugend, und zwar gegen jene zehn Krankheiten, gegen die eigentlich jedes Kind in Europa geimpft sein sollte", erklärte Katy Athersuch, eine Sprecherin der Hilfsorganisation.

Die Impfungen sollen unter anderem vor Polio, Mumps, Hepatitis B und Tetanus schützen. Sechs Teams von Ärzte ohne Grenze sowie Vertreter der griechischen Behörden werden nach und nach in Flüchtlingslagern im ganzen Land Impfungen vornehmen. Arbeitsintensiv sei vor allem die Aufklärung der Menschen über die Impfungen, sagte Athersuch.

sda-ats

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