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Walter Scheel starb am Mittwoch im Alter von 97 Jahren. (Archivbild)

Keystone/AP/MICHAEL SOHN

(sda-ats)

Der frühere deutsche Bundespräsident Walter Scheel ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 97 Jahren, wie das Bundespräsidialamt mitteilte.

Scheel hatte seit Jahren in einem Pflegeheim in Bad Krozingen bei Freiburg gelebt. In den vergangenen Jahren hatte er sich, gesundheitlich angeschlagen und unter Demenz leidend, nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt. Ein Streit über seine Pflege machte zuletzt Schlagzeilen.

Scheel führte die FDP von 1968 bis 1974 als Parteichef. Von 1969 bis 1974 war er Aussenminister und Vizekanzler in der Koalition von Sozialdemokraten und Liberalen unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD). Danach, von 1974 bis 1979, war Scheel Bundespräsident und damit viertes Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland.

Äusserst populär wurde Scheel 1973, als er für die Initiative Aktion Sorgenkind (heute Aktion Mensch) das Lied "Hoch auf dem gelben Wagen" auf Schallplatte aufnahm. Bis Frühjahr 1974 wurde die Platte über 300'000 Mal verkauft.

Walter Scheel wurde am 8. Juli 1919 in Solingen geboren. 1946 trat er in die FDP ein. Der gelernte Bankkaufmann und Wirtschaftsberater war fast 25 Jahre lang Abgeordneter. Er amtierte als Bundesminister unter den christdemokratischen Kanzlern Adenauer und Erhard sowie später unter Brandt, er war unter Adenauer der erste Entwicklungshilfeminister der Republik.

Vater der sozialliberalen Ostpolitik

An der Seite Brandts setzte Scheel die umstrittenen Ostverträge durch und vollzog eine Neuausrichtung der Ostpolitik. Annäherung war sein Ziel. Damals war diese neue Ostpolitik umstritten, heute wird sie als Grundstein angesehen für die Deutsche Einheit 1990. "Willy Brandt konnte nur deshalb das Land verändern, weil er mit Walter Scheel einen kongenialen Partner hatte", sagt der heutige Aussenminister Frank-Walter Steinmeier.

In Erinnerung blieb Scheels ausgeprägtes Redetalent. Der Liberale mit dem markanten, von Silberlöckchen umrahmten Kopf gab dem Amt des Bundespräsidenten rhetorischen Glanz und betonte gleichzeitig die Nähe zum Volk.

"Bleibende Verdienste"

"Mit ihm verlieren wir einen hochgeschätzten Bundespräsidenten und einen Politiker, der die Geschicke unseres Landes viele Jahre in besonderer Weise mitgestaltet hat", erklärte Amtsinhaber Joachim Gauck am Mittwoch.

Scheel habe in seinen öffentlichen Ämtern Grosses geleistet, würdigte Gauck in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Barbara Scheel die Verdienste seines Vorgängers. "Die Einigung Europas voranzutreiben, lag ihm besonders am Herzen." Mit seiner Ost- und Europapolitik habe er sich "bleibende Verdienste für die Verständigung und Versöhnung auf unserem Kontinent erworben".

"Unser Land und wir haben ihm viel zu verdanken", erklärte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ohne Scheel hätte es eine "neue Ostpolitik und mehr gesellschaftliche Liberalität nie gegeben".

sda-ats

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