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Zehntausende Menschen verwandelten den Victoria Park in Hongkong in ein Meer aus Kerzen.

KEYSTONE/AP/KIN CHEUNG

(sda-ats)

Mit einer grossen Mahnwache haben Menschen in Hongkong der vor 27 Jahren in Peking blutig niedergeschlagenen Tiananmen-Proteste gedacht. In China ist jedes öffentliche Gedenken an den 4. Juni 1989 verboten.

In der autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong versammelten sich Demonstranten am Samstagabend (Ortszeit) zu einer grossen Andacht. Zehntausende Besucher verwandelten den Victoria Park im Herzen der Stadt in ein Meer aus Kerzen.

Auch in Taiwan wurde an das brutale Vorgehen gegen die Pekinger Demokratiebewegung bedacht. Tsai Ing-wen, die neue Präsidentin der Inselrepublik, rief Peking am Samstag zu demokratischen Reformen auf. Dem Land würde es internationalen Respekt einbringen, wenn es seinen Bürgern mehr "politische Rechte" einräume, schrieb Tsai Ing-wen auf ihrer Facebook-Seite.

Aktivisten festgenommen

In Peking wurden im Zusammenhang mit dem Gedenken an die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz mehrere Aktivisten festgenommen und weitere unter Beobachtung gestellt. Wie die chinesische Nichtregierungsorganisation Weiquanwang am Samstag berichtete, wurden sechs Menschenrechtsaktivisten, darunter auch der Dichter Liang Taiping, seit Donnerstag von der Polizei festgehalten.

Sie hatten demnach eine private Zeremonie im Gedenken an den 4. Juni 1989 abgehalten. Den festgenommenen Aktivisten werde Unruhestiftung vorgeworfen, erklärte die Organisation. Ein weiterer Aktivist sei in den vergangenen Tagen in der chinesischen Hauptstadt "verschwunden", hiess es.

Der Pekinger Platz selbst wurde am Samstag schärfer bewacht als sonst, auch die Passkontrolle war strenger, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Mitglieder der Hinterbliebenenorganisation Mütter von Tiananmen berichteten, sie würden seit vergangener Woche überwacht - auch am Samstag, als sie auf einem Friedhof die Gräber ihrer Kinder besuchten.

Auch die Anführerin und Gründerin der Gruppe, Ding Zilin, wurde in ihrem Haus verstärkt überwacht, wie Medien in Hongkong berichteten. Versuche, sie telefonisch zu erreichen, wurden mit einer Ansage beantwortet: "Der kontaktierte Teilnehmer hat kein Recht darauf, Anrufe zu empfangen."

Keine Aufarbeitung der Vorfälle

Bei dem Blutbad auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) war die chinesische Armee in der Nacht zum 4. Juni 1989 mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die dort wochenlang für mehr Demokratie demonstriert hatten. Dabei wurden hunderte, möglicherweise sogar tausende Menschen getötet. Die Führung in Peking lässt bis heute keine echte Aufarbeitung der Vorfälle zu und schweigt offiziell zu dem Thema.

Familien der Opfer des Massakers warfen Peking zum Jahrestag vor, "fortlaufend Verbrechen zu begehen". Eine Regierung, "die ihre eigenen Mitbürger nicht schätzt" und das "historische Leiden verdeckt", habe keine Zukunft, schrieben die "Mütter von Tian'anmen" in einem von der Menschenrechtsgruppe Human Rights in China (HRiC) veröffentlichte Brief.

sda-ats

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