"Der Fokus lag nicht auf der Bekämpfung des Klimawandels": Das ist das Fazit von fünf Klimaaktivistinnen, die am Freitag vor den Medien in Davos eine Bilanz des WEF gezogen haben. Worte allein genügten nicht

Greta Thunberg sagte, sie habe von den "paar Dämonen am Forum" nichts anderes erwartet. Sie lasse dich dadurch aber nicht von ihrem Kampf abbringen. Auch die Anschuldigungen vom US-Präsidenten Donald Trump liessen sie kalt. "Wenn wir immer darauf hören würden, was die Mächtigen sagen, gäbe es unsere Bewegung schon längst nicht mehr."

Das Weltwirtschaftsforum habe wieder einmal ein Hauptziel gehabt: die kapitalistische Grundordnung aufrechtzuerhalten. Platz für effektive Massnahmen im Kampf gegen den Klimawandel gebe es in dieser "positiven Blase" nicht, lautete der Tenor der Klimaaktivistinnen.

Verfehlter Optimismus

"Der generelle Optimismus, der in Davos verbreitet wurde, ist nicht angebracht", sagte Greta Thunberg. Die wissenschaftlichen Fakten müssten endlich berücksichtigt werden. Es sei an der Zeit, die Komfortzone zu verlassen.

An die Organisatoren des WEF gab es daneben verhaltenes Lob. Zwar sei das Bestreben, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen mehr Gewicht zu geben, richtig. "Nach vielen Worten müssen jetzt aber Taten folgen", forderte Thunberg.

Nach der Medienkonferenz wurden die fünf Klimaaktivistinnen von einer Schar von Gleichgesinnten auf der Davoser Promenade in Empfang genommen. Mit rund dreissig Angehörigen der Bewegung "Fridays for future" demonstrierten sie dort für ihre Anliegen. Begleitet wurde der Demonstrationszug von rund hundert Medienleute aus der ganzen Welt.

Auf der anderthalb Kilometer langen Strecke zwischen dem Davoser Kongresszentrum und dem Rathausplatz verfolgten viele Schaulustige den Klimamarsch. Vereinzelt waren "Greta"-Rufe zu hören.

Taten gefordert

Auf dem Rathausplatz wurden die Marschierenden von rund fünfzig weiteren, meist jungen Umweltaktivisten in Empfang genommen. Auf Transparenten forderten sie von der Polit- und Wirtschaftselite "sofortige Taten", "ein Aufwachen" und einen "Systemwechsel".

Neben Parolen auf Englisch gab es auch Wortmeldungen von Schweizer Schülerinnen und Schülern: "Rauf mit dem Klimaziel, runter mit dem CO2", riefen sie. Eingekesselt waren die Demonstrierenden nicht etwa von Polizisten, sondern von einem Medienpulk.

Immer wieder hielten einzelne Aktivisten kleine Ansprachen und appellierten an die Weltgemeinschaft, endlich zu handeln. Diese Reden wurden jeweils mit einem kurzen Applaus und Johlen quittiert. Nach einer guten halben Stunde löste sich die Kundgebung kurz vor 12.30 Uhr auf. Sie war von den Behörden bewilligt.

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