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LafargeHolcim-Chef Eric Olsen - hier an der letztjährigen Generalversammlung - kommt bei seinem Verkaufsprogramm voran. Lafarge India wurde für 1,4 Milliarden Dollar veräussert.

KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

(sda-ats)

Der weltgrösste Zementkonzern LafargeHolcim verkauft das Indien-Geschäft von Lafarge als Gesamtpaket an den indischen Mischkonzern Nirma. Dieser übernimmt die drei Zement- und zwei Mahlwerke für rund 1,4 Milliarden Dollar.

LafargeHolcim musste in Indien Unternehmensteile veräussern. Dies war eine Bedingung der indischen Wettbewerbsbehörde für die Zustimmung zur Fusion der französischen Lafarge mit der Schweizer Holcim.

Ein erster Verkaufsversuch war vor einigen Monaten gescheitert. Damals hatte LafargeHolcim nur zwei der Zementwerke in Indien für rund 750 Millionen Franken verkaufen wollen. Eine Vereinbarung mit einem anderen indischen Mischkonzern, Birla, war bereits unterschrieben.

Doch dann zeigte sich, dass es nicht möglich ist, zusammen mit den Werken die Abbaurechte für die dazugehörigen Steinbrüche zu verkaufen. Diese hätten in separaten Bieterverfahren veräussert werden müssen.

Werde Lafarge India als Gesamtpaket verkauft, sei dies nicht der Fall, hatte ein Lafarge-Sprecher damals gesagt. Der schweizerisch-französische Konzern hat sich nun zu diesem Schritt entschieden, wie er am Montag mitteilte. Allerdings muss auch diesem Verkauf noch die indische Wettbewerbsbehörde zustimmen.

"Richtiger Partner"

Mit Nirma habe man den richtigen Partner gefunden, der in der Lage sei, das Geschäft im Interesse aller Anspruchsgruppen weiterzuentwickeln, wird LafargeHolcim-Chef Eric Olsen in der Mitteilung zitiert. Nirma ist äusserst breit aufgestellt: Der Konzern produziert neben Zement unter anderem Seifen, Waschmittel, Salz und Verpackungen.

Neben Nirma wurden laut früheren Medienberichten auch die indischen Unternehmen Piramal Enterprises und JSW Cement sowie Anhui Conch Cement aus China und der mexikanische Baustoffkonzern Cemex als Interessenten gehandelt.

Lafarge Indias Bewertung von 1,4 Milliarden Dollar liegt im Rahmen der von Analysten erwarteten Spanne. Vontobel hatte den Wert in früheren Schätzungen auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Franken veranschlagt.

Schulden reduzieren

Mit dem Erlös will LafargeHolcim die Schulden reduzieren. Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, die Nettoverschuldung bis Ende dieses Jahres auf 13 Milliarden Franken zu senken. Ende 2015 lag sie bei 17,3 Milliarden Franken.

In letzter Zeit hatte LafargeHolcim bereits andere Geschäftsbereiche abgestossen. So wurde der Verkauf des Südkorea-Geschäfts abgeschlossen und eine Vereinbarung zur Veräusserung der Minderheitsbeteiligung in Saudiarabien eingegangen.

LafargeHolcim sass nach der Fusion auf gewaltigen Überkapazitäten. Bis vor wenigen Monaten hatte der Konzern eine Produktionskapazität von 374 Millionen Tonnen Zement jährlich. Davon wurden im vergangenen Jahr lediglich 256 Millionen Tonnen genutzt.

Die nun verkauften Werke in Indien produzieren bis zu 11 Millionen Tonnen Zement pro Jahr. Lafarge India vertreibt zudem Zuschlagstoffe - Schotter, Kies und Sand - und ist einer der führenden Transportbetonhersteller Indiens. Transportbeton wird im Gegensatz zu Baustellenbeton nicht direkt auf der Baustelle hergestellt, sondern mit Mischfahrzeugen von einer Betonmischanlage angeliefert.

Umfangreiches Verkaufsprogramm

Bis Ende Jahr will LafargeHolcim wie seit längerem bekannt Unternehmensteile im Wert von 3,5 Milliarden Franken veräussern. Mit der nun abgeschlossenen Verkaufsvereinbarungen seien zwei Drittel dieses Programms gesichert, wird LafargeHolcim-Chef Olsen in der Mitteilung zitiert.

Eine gewisse Überkapazität wolle man allerdings behalten, hatte Olsen am Rande der Bilanzmedienkonferenz im März gesagt. Dies um profitieren zu können, wenn die Nachfrage wieder anziehe.

In Indien wird LafargeHolcim weiter präsent sein, über die indischen Töchter ACC und Ambuja. Die verbleibende Produktionskapazität für Zement in Indien liege bei mehr als 60 Millionen Tonnen jährlich, heisst es in der Mitteilung.

In Indien war das Geschäft zuletzt allerdings nicht gut gelaufen. Fehlende Infrastrukturprojekte und tiefere Zementpreise hatten die Einnahmen geschmälert.

sda-ats

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