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Labour-Politiker Sadiq Khan hält nach seinem Wahlsieg als Bürgermeister von London eine Rede.

KEYSTONE/AP/KIRSTY WIGGLESWORTH

(sda-ats)

London hat erstmals einen muslimischen Bürgermeister: Der Labour-Kandidat Sadiq Khan, Sohn eines Einwanderers aus Pakistan, wurde nach seinem klaren Sieg über den konservativen Kandidaten Zac Goldsmith am Samstag offiziell ins Amt eingeführt.

Khan hatte laut Endergebnis von Freitag rund 57 Prozent der Stimmen erhalten. Er kündigte an, "Bürgermeister für alle Londoner" zu sein.

Die feierliche Vereidigung Khans fand am Samstag in der Southwark Cathedral in der britischen Hauptstadt statt. Zuvor hatte Khan in seiner Dankesrede in der Nacht Bezug auf den mit harten Bandagen geführten Wahlkampf genommen, in dem die Konservativen ihm Sympathien für islamische Extremisten unterstellt hatten. "London hat für die Hoffnung und gegen die Furcht, für die Einheit und gegen die Spaltung gestimmt", sagte der 45-Jährige. Das mache ihn stolz.

"Furcht macht uns nicht sicherer, sie macht uns nur schwächer", sagte er. Khan versprach, ein "Bürgermeister für alle Londoner" zu sein. Bei Khans Siegesrede waren auch die Kandidaten der anderen Parteien auf der Bühne. Der Kandidat der rechtsgerichteten Partei Britain First, Paul Golding, drehte ihm demonstrativ den Rücken zu.

"Ich hätte es nicht im Traum für möglich gehalten, dass jemand wie ich zum Bürgermeister von London gewählt werden könnte", sagte Khan. Er bedankte sich bei allen Wählern, die "das Unmögliche heute möglich gemacht haben".

Aufsteigerbiographie

Khan hat eine klassische Aufsteigerbiographie: Geboren wurde er 1970 als Sohn eines aus Pakistan zugewanderten Busfahrers. Zusammen mit sieben Geschwistern wuchs Khan in einer Sozialwohnung auf.

Nach dem Studium arbeitete er drei Jahre als Rechtsanwalt für eine britische Menschenrechtsgruppe. 2005 zog er ins britische Unterhaus ein. Drei Jahre später wurde er Verkehrsminister - und war damit der erste Muslim in einer britischen Regierung.

Khan tritt nun die Nachfolge des populären Konservativen Boris Johnson an, dem Ambitionen auf das Amt des Premierministers nachgesagt werden. Khans Gegner im Wahlkampf war der Konservative Goldsmith: ein Multimillionär, der einer reichen Investorenfamilie entstammt. Dem Endergebnis zufolge erhielt Khan rund 1,31 Millionen Stimmen, auf Goldsmith entfielen rund 995.000 Stimmen.

Labour-Partei schneidet bei Regionalwahl schwach ab

Der umstrittene Labour-Chef Jeremy Corbyn gratulierte Khan bereits vor Bekanntgabe des Endergebnisses über Twitter. Während die London-Wahl ein Lichtblick für Labour war, schnitt die linke Partei in anderen Teilen Grossbritanniens bei den Kommunal- und Regionalwahlen allerdings schwächer ab.

Besonders schmerzhaft war das schwache Ergebnis in ihrer früheren Hochburg Schottland, wo sie hinter den schottischen Nationalisten und den Konservativen nur dritte Kraft wurde.

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon von der nationalistischen Partei SNP wird voraussichtlich ihr Amt behalten. Ein neuerliches Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands stellte sie in ihrer Siegesansprache nicht in Aussicht. Bei dem Referendum 2014 hatte es keine Mehrheit für die Unabhängigkeit gegeben.

Bei den Kommunalwahlen im englischen Landesteil zeichneten sich für Labour leichte Verluste ab. Kritiker des umstrittenen Parteichefs Corbyn verwiesen aber darauf, dass die Oppositionspartei in den Regionalwahlen zur Mitte der Legislaturperiode in der Regel zulegen kann. Ihre Stellung als stärkste Kraft behauptete die Labour-Partei im Landesteil Wales.

sda-ats

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