Macheten-Attacke nahe Pariser Louvre schürt neue Terrorängste


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Beamte durchsuchten die Wohnung nahe des Pariser Prachtboulevards Champs-Elysées, in der der Angreifer sich eingemietet hatte.

Keystone/EPA/IAN LANGSDON

(sda-ats)

Eine Macheten-Attacke nahe des Pariser Louvre-Museums hat in Frankreich neue Terrorängste geschürt. Ein mutmasslicher Islamist griff am Freitag patrouillierende Soldaten an und schrie dabei "Allahu Akbar" (Gott ist gross).

Ein Soldat wurde leicht verletzt. Ein anderer Soldat eröffnete das Feuer und verletzte den Angreifer - vermutlich ein 29-jähriger Ägypter - lebensgefährlich.

Der Angriff ereignete sich gegen 9.50 Uhr in der Einkaufsgalerie Carrousel du Louvre, in der es auch einen Zugang zum Museum gibt. Der mit zwei Macheten bewaffnete Angreifer rannte auf vier patrouillierende Soldaten zu und schrie dabei "Allahu Akbar", wie der Pariser Staatsanwalt François Molins am Abend vor den Medien sagte.

Er traf einen Soldaten am Kopf und stürzte sich dann auf einen zweiten Soldaten. Dieser fiel zu Boden, wehrte den Angreifer zunächst mit Fusstritten ab und eröffnete dann mit seinem Sturmgewehr das Feuer. Der Angreifer wurde unter anderem durch einen Bauchschuss schwer verletzt. Er wurde in ein Spital gebracht und schwebte in "höchster Lebensgefahr", wie Molins sagte.

"Terroristische Aktion"

Die Soldaten hätten eine "terroristische Aktion" eines "sehr entschlossenen" Angreifers gestoppt, sagte der Staatsanwalt. Der Mann wurde zunächst nicht "formell" identifiziert. Vermutlich handelt es sich aber um einen 29-jährigen Ägypter, der am 26. Januar von Dubai aus nach Paris geflogen war.

Der Mann, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten wohnhaft ist, hatte bereits im vergangenen Oktober einen Antrag auf ein Touristenvisum für Frankreich gestellt. Die Ermittlungen müssten nun zeigen, ob der Angreifer allein gehandelt habe oder womöglich einen Auftrag ausführte, sagte Staatsanwalt Molins.

Beamte durchsuchten die Wohnung nahe des Pariser Prachtboulevards Champs-Elysées, in der der Mann sich eingemietet hatte. Dort fanden sie unter anderem seinen Reisepass. Die beiden Macheten kaufte der Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Tage nach seiner Ankunft in Paris für zusammen 680 Euro in einem Waffenladen.

"Kaum Zweifel"

Zuvor hatte Staatschef François Hollande am Rande des EU-Gipfels in Malta gesagt, es gebe "kaum Zweifel" am "terroristischen Charakter" der Attacke. Ähnlich äusserte sich Premierminister Bernard Cazeneuve. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Unterfangen.

Der Louvre wurde nach dem Angriff weiträumig abgesperrt. Rund 250 Besucher, die sich zum Zeitpunkt der Attacke in dem Museum aufhielten, mussten zunächst an einem sicheren Ort ausharren und wurden dann aus dem Museum gebracht. Der Louvre blieb geschlossen. Er soll am Samstag wieder öffnen.

Trump: "Islamistischer Terrorist"

US-Präsident Donald Trump sprach auf Twitter von einem "radikalen islamistischen Terroristen", der den Louvre attackiert habe. Worauf er diese Formulierung stützte, blieb unklar. Die USA müssten "schlau" werden - offenbar ein Verweis auf seine Einreiseverbote für Bewohner von sieben mehrheitlich muslimischen Staaten.

Ein US-Regierungsvertreter hat diese Einreiseverbote unter anderem damit begründet, dass die USA keine Situation wie "in Teilen Frankreichs, Deutschlands, Belgiens" wollten, wo es eine "grosse und dauerhafte inländische Terrorbedrohung" gebe.

Ausnahmezustand seit November 2015

Frankreich wurde seit Anfang 2015 von einer Reihe islamistischer Anschläge getroffen, bei denen insgesamt 238 Menschen getötet wurden. Immer wieder werden auch Soldaten oder Polizisten zum Ziel von Islamisten.

Wegen der Anschlagsgefahr patrouillieren in der französischen Hauptstadt an vielen Orten Soldaten, unter anderem an Touristenattraktionen wie dem Louvre und dem Eiffelturm. Seit den Anschlägen vom 13. November 2015 gilt in Frankreich zudem der Ausnahmezustand.

In der Hauptstadtregion sind im Rahmen der Anti-Terror-Mission "Sentinelle" (Wächter) 3500 Soldaten im Einsatz. Unter den Folgen der Attacken hatte gerade in Paris auch die Tourismusbranche gelitten. Der Louvre verzeichnete im vergangenen Jahr 15 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr.

SDA-ATS

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