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Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als älteste konkrete Abbildung des Kosmos. (Archivbild)

KEYSTONE/EPA/ROLAND WITTEK

(sda-ats)

Ein bronzezeitlicher Fürst ist nach Ansicht von Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit der Auftraggeber der berühmten Himmelsscheibe von Nebra. Die kreisförmige Bronzeplatte gilt als einer der wichtigsten Funde aus der frühen Bronzezeit Mitteleuropas.

Der Herrscher, der vor 3800 Jahren in der als "Bornhöck" bekannten Begräbnisstätte im heutigen Zentrum Deutschlands bestattet wurde, habe die Fertigung der Scheibe wahrscheinlich in Auftrag gegeben, sagte Landesarchäologe Harald Meller am Mittwoch an der Grabungsstelle. Das hätten die neuesten Forschungen ergeben - "weitere Untersuchungen laufen noch."

Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als älteste konkrete Sternenabbildung der Welt und wurde vor 3600 Jahren zusammen mit anderen bronzenen Gegenständen auf dem Mittelberg bei Nebra vergraben. Zuvor war die Scheibe etwa 300 Jahre in Benutzung.

Grösstes Hügelgrab Mitteleuropas

Das Bornhöck-Grab befindet sich nahe dem Ort Dieskau im Bundesland Sachsen-Anhalt. "Mit einem Durchmesser von rund 70 Metern und einer Höhe von 15 Metern war die Begräbnisstätte das grösste Hügelgrab Mitteleuropas", sagte Meller.

Im Zuge des Braunkohleabbaus wurde das Fürstengrab im 19. Jahrhundert fast vollständig abgetragen. Dennoch haben die Archäologen seit 2014 in drei Grabungskampagnen tausende Knochen- und Keramikfunde gemacht. Zudem wurde nachgewiesen, dass der Grabhügel in der Bronzezeit weiss gekalkt und bunt bemalt war.

"Der Fürst war aufgrund der enormen Goldbeigaben ein gottgleicher Herrscher über die Region, vergleichbar mit den Pharaonen im alten Ägypten", sagte der Landesarchäologe. "Nur der Herrscher hatte das geheime astronomische Wissen und er liess es auf der Himmelsscheibe verewigen."

Mehrfach geplündert

Der Reichtum des Herrschers resultierte aus der Kontrolle des Fernhandels zwischen Süd und Nord in der mitteleuropäischen Gegend. Während Raubgräber im Mittelalter einen Stollen in die Mitte des Hügels trieben und die Hauptgrabkammer trafen, wurde 1874 eine Nebenkammer ausgeraubt.

Von dem über einen Kilogramm schweren Goldschatz aus dem 19. Jahrhundert sind fünf Stücke, vier Armringe und ein Beil, erhalten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges lagen diese Funde in den Staatlichen Museen in Berlin, jetzt im Puschkin-Museum Moskau.

"In der Nähe des Herrschergrabes wurden jetzt aus der Luft weitere Gräber der bronzezeitlichen Oberschicht entdeckt, wir können deshalb von einer Herrschaftslandschaft sprechen", sagte Meller. "Möglicherweise lag bei Dieskau ein zentraler Bestattungsort einer Dynastie von Fürsten", sagte der Archäologe. Die Grabungen werden im nächsten Jahr fortgesetzt.

sda-ats

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