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Kein Trainer spricht an Medienkonferenzen so schnell und lang wie Belgiens Marc Wilmots. Er versteht es unter anderem, die Journalisten aus dem eigenen Land zurechtzuweisen, ohne ausfällig zu werden.

Belgiens Rote Teufel haben die Achtelfinals erreicht, aber die belgische Presse schwärmte nicht von den Spielen, im Gegenteil. Für Wilmots sind die Journalisten zu kritisch. Er verschaffte seinem Ärger vor den versammelten Medienleuten mit einem Bonmot Luft: "Die Journalisten hatten mich an der WM 1994 ein erstes Mal getötet" - Wilmots war da noch Spieler. "Wollt ihr mich jetzt zum zweiten Mal töten? Kein Problem. Zweimal sterben, das ändert nichts an meinem Leben."

In den vier Jahren als Belgiens Nationalcoach hat Marc Wilmots seine rhetorischen Fähigkeiten perfektioniert. Seine Ausführungen sind wohlformuliert und ziehen sich in die Länge, weil er immer viel zu sagen hat. Nach den Monologen pflegt er den Übersetzern, die die Fülle an Meinungen und Informationen in andere Sprachen übersetzen müssen: "Bonne chance!" - viel Glück. Wilmots soll bei den Übersetzungsteams nicht gerade beliebt sein.

Zu Wilmots' Running Gags gehört der Ausdruck "bon sens fermier", den er auf sich münzt und den man am besten mit Bauernschläue oder mit gutem Riecher übersetzt. Er lobt also sein eigenes Näschen, sein Gespür für den Fussball. Gleichzeitig macht er kein Geheimnis daraus, dass er in Belgien in einer bäuerlichen Gegend aufgewachsen ist.

Marc Wilmots kann auch liebenswürdig frech sein. "Was, der lebt immer noch? Tatsächlich, der lebt ja immer noch, der ist immer noch da, der Hund. Das nennt man eben Langlebigkeit", liess Wilmots in Richtung des 40-jährigen EM-Turnierveteranen Gabor Kiraly fallen. Kiraly wird als Ungarns Torhüter gleichsam Wilmots' Gegenspieler im Viertelfinal sein. Die beiden standen sich früher in den Bundesliga-Duellen von Schalke gegen Hertha Berlin oft gegenüber. "Es ist für mich sonderbar, ihn jetzt wiederzusehen. Ich bin nicht einmal sicher, ob ich gegen ihn jemals ein Tor gemacht habe."

sda-ats

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