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Einige junge Personen demonstrierten am Nachmittag ohne Bewilligung auf dem Bärenplatz. Die Polizei stoppte die Aktion und führte die Protestierenden ab.

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

(sda-ats)

Rund 400 Exil-Tibeter und ihre Unterstützer haben am Sonntag anlässlich des Besuchs des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Bern lautstark demonstriert. Bei einer unbewilligten Demonstration am Nachmittag wurden 26 junge Aktivisten angehalten.

Die Teilnehmer der bewilligten Kundgebung vom Morgen forderten mehr Menschenrechte in Tibet und den Start eines Dialogs zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama. "Xi Jinping: Stopp Folter in Tibet" und "Bringen wir Schweizer Demokratie nach Tibet und China" stand unter anderem auf den Transparenten der Demonstranten auf dem Unteren Waisenhausplatz.

Mit ihrer Kundgebung wollte die Gemeinschaft der Exil-Tibeter auf das Schicksal ihrer Landsleute aufmerksam machen, von denen sich eine grosse Zahl in chinesischer Haft befinden. Die Gemeinschaft spricht von 2000 politischen Gefangenen in Tibet seit 1992. Zudem seien seit 2009 145 Fälle bekannt, in denen sich Tibeterinnen und Tibeter aus Verzweiflung und Protest selbst verbrannten.

Mann übergiesst sich mit Flüssigkeit

Gemäss der Kantonspolizei Bern übergoss sich am Rande der Veranstaltung ein Tibeter mit einer brennbaren Flüssigkeit. Der Mann sei von der Polizei festgehalten worden und nach bisherigen Kenntnissen unverletzt, sagte Mediensprecher Christoph Gnägi auf Anfrage. Der Mann sei zur Sicherheit ins Spital gebracht worden.

In einem Appell forderten die Tibeter und ihre Unterstützer Xi unter anderem auf, den Dialog mit dem Dalai Lama aufzunehmen und die Folter tibetischer Gefangener sofort einzustellen.

Unterstützer des Appells sind alle vier tibetischen Organisationen der Schweiz. "Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten hat uns versichert, dass sie den Appell an die chinesischen Behörden weiterleiten werden", sagte Thomas Büchli, Präsident der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft GSTF, der Nachrichtenagentur sda. Büchli erhofft sich, dass die Schweiz in einem allfälligen künftigen Dialog eine Art Mediatorenrolle einnehmen könnte.

Aktivisten angehalten

Ein anderes Schaubild zeigte sich am Nachmittag: Nach der offiziellen Demonstration protestierten einige junge Aktivisten unbewilligt auf dem Bärenplatz. Sie forderten die Unabhängigkeit Tibets und die Schweiz auf einem Transparent auf, nicht "mit Mördern zu verhandeln".

Die Demonstranten gehörten dem Verein Tibeter Jugend in Europa VTJE an. Sie wurden nach gut einer Dreiviertelstunde verhaftet und abgeführt. Laut der Kantonspolizei Bern waren das 26 Personen. Nach Angabe der Personalien konnten die Aktivisten die Räumlichkeiten der Polizei wieder verlassen.

Der VTJE schlug wesentlich radikalere Töne an als seine Landesgenossen am Morgen. Die Mitglieder warfen den Behörden vor, Tibeter in der Schweiz zu zensieren und undemokratisch zu handeln.

"Unsere politischen Ideen als schweizerische Nation werden an China verkauft für einen kurzfristigen wirtschaftlichen Handel, der es offensichtlich nicht wert ist", sagte Migmar Dhakyel, Mediensprecherin der Aktionsgruppe der Nachrichtenagentur sda.

Rytz: Sicherheitsvorkehrungen übertrieben

Der chinesische Präsident dürfte die Protestrufe kaum gehört haben. Dafür sorgten die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen der Stadt Bern, für die es im Vorfeld grossflächig Kritik hagelte. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International bemängelten, dass die Demonstration nur weit abseits des Bundeshauses und nur vor dem Eintreffen des Präsidenten erlaubt wurde.

Auch Grünen-Nationalrätin Regula Rytz bezeichnete die Sicherheitsvorkehrungen als übertrieben. Sie würde die Gepflogenheiten der Schweizer Demokratie unterschlagen, sagte sie gegenüber der sda.

Das wichtigste sei jedoch, dass die Argumente der Demonstranten gehört werden. Rytz ist Mitglied der parlamentarischen Gruppe Schweiz Tibet und war eine der Sprecherinnen an der Demonstration. Auch GSTF-Präsident Büchli ist überzeugt: "Die verlängerten Ohren Xi Jinpings hören uns bestimmt bis zum Waisenhausplatz."

Erneutes Debakel verhindern

Grund für die immense Polizeipräsenz: Die Behörden wollen ein Debakel wie jenes beim letzten chinesischen Staatsbesuch 1999 um jeden Preis verhindern wollten.

Damals haben Tibeter und ihre Demonstranten direkt vor dem Bundeshaus lautstark demonstriert. Der damalige chinesische Präsident Jiang Zemin geriet daraufhin so sehr in Rage, dass er den Empfang vor dem Bundeshaus platzen liess und den anwesenden Bundesräten eine Standpauke hielt.

Der einst selbstständige Staat Tibet wird von China als so genannte Autonome Region Tibet verwaltet. Seit der Besetzung 1950 wehrt sich das Volk gegen die chinesische Fremdherrschaft.

SDA-ATS