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Ein frühes Tor von Fabian Schär und eine späte Parade von Yann Sommer tragen der Schweiz den Startsieg gegen Albanien ein. Vor allem für Schär eine Genugtuung nach einer schwierigen Saison.

Dieses "Euro-Derby" zwischen der Schweiz und Albanien war am Ende eben doch sehr speziell gewesen für die Beteiligten. "Der Druck war riesig. Grösser als sonst in einem Startspiel", sagte Xherdan Shaqiri. Der Offensivspieler mit Wurzeln im Kosovo wurde von den albanischen Zuschauern, die in Lens eine frappante Mehrheit bildeten, bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. "Solche Pfiffe sind eigentlich normal, wir haben das in anderen Spielen gegen Albanien auch schon erlebt." Doch Shaqiri gab auch zu, dass ihn die Pfiffe enttäuscht haben. "Es ist nicht schön, und es gibt keinen Grund für die albanischen Fans, mich auszupfeifen."

Siegtorschütze Fabian Schär war einer derjenigen Schweizer, die sich vor diesem Spiel nicht mit der Frage der Herkunft, mit Wurzeln und Symbolen hatten beschäftigen müssen. Er konnte die Stimmung im Stadion deshalb eher geniessen. "Man spürte, dass Feuer in diesem Spiel war. Aber es war eine schöne Ambiance. Das Duell war aggressiv, aber fair." Für ihn selbst bekam die Partie dank des entscheidenden Tores ohnehin eine wunderbare Note. "Das ist in jeder Hinsicht ein Super-Start. Ich hatte es in letzter Zeit nicht immer einfach und habe auch viel auf den Deckel bekommen."

Schär erlebte eine schwierige erste Saison bei Hoffenheim in der 1. Bundesliga. Das Team kämpfte lange gegen den Abstieg, und Schär verlor zwischenzeitlich den Stammplatz. Nur in 20 von 34 Spielen stand er in der Startformation. Ob mit oder ohne Schär: Hoffenheim kassierte (zu) viele Gegentore, mit Kritik wurde auch am Schweizer nicht gespart.

Diese Kritik schwappte bisweilen bis in die Schweiz über. Schärs Platz im Nationalteam wurde hinterfragt. Die Kritik zielt(e) vor allem auf seine riskante Spielart. Es ging und geht dabei aber vergessen, wie wertvoll Schär in der Offensive ist. Er hat nun in 21 Länderspielen sechs Tore erzielt. Aus dem Schweizer EM-Kader weist nur Shaqiri (54 Länderspiele, 17 Tore) eine bessere Trefferquote auf.

Der effektive Offensivdrang von Schär hat der Schweiz schon oft wichtige Punkte eingebracht. Als vor drei Jahren die SFV-Auswahl in der WM-Qualifikation 2014 in einer heiklen Phase steckte, schoss Schär die beiden Tore zum wegweisenden 2:0-Auswärtssieg in Norwegen. In der EM-Qualifikation erzwang er im letzten Herbst gegen Slowenien mit einem energischen Vorstoss in der Nachspielzeit das 3:2-Siegestor durch Josip Drmic.

Neben Schär hatte Yann Sommer entscheidenden Anteil am Schweizer Sieg. Der Keeper verhinderte noch vor der Pause den Ausgleich mit einer brillanten Fussabwehr gegen Armando Sadiku. Und zwei Minuten vor dem Ende rettete er den Sieg mit einer ebenso tollen Parade gegen Shkelzen Gashi. "Am Ende ist wichtig, dass wir die drei Punkte holen konnten. Das Startspiel ist immer mühsam, das hat man auch bei den Franzosen gesehen", so Sommer. Der Zürcher Torhüter sprach von einem "wichtigen Schritt nach vorne".

Dass er mit Gashi einen früheren Teamkollegen beim FC Basel stoppen konnte, mochte Sommer nicht überbewerten. "Das hat mir in dieser Situation nicht genützt. So lange habe ich nicht mit ihm zusammengespielt, dass ich ihn in- und auswendig kennen würde." Dieser Startsieg würde "viel Energie freisetzen", so Sommer. "Wir hatten in diesen Wochen wirklich eine gute Stimmung im Team. Es gab nicht viel, das wir hätten besser machen können in der Vorbereitung. Dann kommt aber das erste Spiel und es ist normal, dass noch nicht alles perfekt klappt. Aber wenn das Resultat am Ende nicht stimmt, wird vieles wieder in Frage gestellt." So ist es nun bei den Schweizern nicht. Weil Schär früh traf und Sommer spät parierte.

sda-ats

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