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Die Schweizer Nationalmannschaft startet mit einem Sieg in die EM-Endrunde in Frankreich. Das Team von Vladimir Petkovic gewinnt in Lens gegen Albanien dank eines frühen Treffers von Fabian Schär 1:0.

Die Erleichterung war spürbar, nicht nur von den Schultern jener Schweizer kosovo-albanischer Herkunft fiel womöglich erheblich Ballast ab. Am Tag nach dem 2:1 Frankreichs gegen Rumänien in der Gruppe A verschafften sich die Schweizer trotz einer schwierigen Schlussphase eine ausgezeichnete Ausgangslage, derweil Albanien am Mittwoch in Marseille gegen den Gastgeber wohl weiter unter Druck geraten dürfte.

Wenig fehlte indes und der Schweiz wäre ohne Not die Kontrolle spät entglitten. In der 88. Minute verhinderte Yann Sommer mit seiner zweiten Weltklasse-Parade die Rückkehr eines Widersachers, der schlecht gestartet war und sich im Prinzip nur der Schweizer Passivität wegen nochmals zurückmelden konnte.

Auf die finalen Turbulenzen deutete lange wenig hin. Als sie bereits in der 36. ihren feurigen Patron nach einem Hands verloren hatten, senkten einige Albaner ihre frühzeitig roten Köpfe erstmals. Ausgerechnet Lorik Cana, der laute Taktgeber, dank seiner Klasse und Ausstrahlung uneingeschränkter Chef der "Shqipëria", sah nach einem verlorenen Duell mit Haris Seferovic Gelb-Rot.

Die Szene akzentuierte prima vista vor allem einen Eindruck: Auf der grossen Bühne fehlten Albanien nicht die Kampfkraft und Entschlossenheit, aber der Schweizer Fundus von sechs EM- oder WM-Teilnahmen innerhalb von zwölf Jahren. Unmittelbar vor dem Ausschluss Canas war Armando Sadiku solo an Sommer gescheitert - wenig später standen sie nicht mit einem Remis da, sondern in Unterzahl mit dem Rücken zur Wand.

Schärs Akzent

Von der bemerkenswerten Atmosphäre der Albanien-Supporter, die ihre Equipe empfingen, als stünde das Stade Bollaert-Delelis in Tirana und nicht in Lens, liess sich der Favorit nicht einmal ansatzweise beeindrucken. All die im Vorfeld teilweise schwer berechenbaren Einflüsse, all die Debatten um das Derby der Schweizer Secondos perlten an den Schweizern ab.

Vladimir Petkovics Empfehlung, Ruhe zu bewahren und den auf diesem Niveau gänzlich unerfahrenen Kontrahenten zu Fehlern zu verleiten, setzten die Spieler zu Beginn nahezu perfekt um. Hektik kam praktisch keine auf, in ungemütliche Rencontres liessen sich die Schweizer kaum einmal verwickeln.

Und zum wunschgemässen Drehbuch passte natürlich Fabian Schärs früher und energischer Vorstoss. In der 5. Minute spielte der Hoffenheimer Offensiv-Verteidiger nach einem Cornerball Shaqiris sein Timing im Luftkampf im Nationalteam ein weiteres Mal aus. Etrit Berisha, bei Lazio Roma seit Januar nur noch zweite Wahl, zögerte, Schär skorte per Kopf.

Dass der Bundesliga-Professional der SFV-Auswahl zum kursweisenden Akzent verhalf, ist kein Zufall. Von ihm erhofft sich Petkovic mehr als nur die Verteidigung der eigenen Zone. Schär war bereits auf dem Weg an die EM-Endrunde mit sechs Skorerpunkten ein massgeblicher Faktor - und einen Output von sechs Toren in 21 Länderspielen hat nicht mancher Verteidiger zu bieten.

Ihrem Traumstart liess Petkovics Team weitere gute Szenen folgen. Seferovic schoss mehrfach in bester Lage, Mehmedi dribbelte, Shaqiri passte gut, Dzemaili beschäftigte die rasch einmal aus den Fugen geratene Defensive der Balkan-Elf ebenfalls.

Kurzum: Im sogenannten Euro-Derby sorgte vorwiegend die höher eingeschätzten Schweizer für Unterhaltung, Albanien hingegen, in den letzten zwei Jahren vereinzelt mit Coups gegen die Prominenz Europas aufgefallen und inzwischen zumindest als unbequeme Grösse bekannt, liess sich in der ersten Hälfte phasenweise zum Statisten degradieren.

Albaniens Nervosität

"Wir werden versuchen, unseren besten Fussball zu zeigen - mit Herz und Organisation", hatte Gianni de Biasi am Tag vor dem ersten EM-Auftritt der albanischen Verbandsgeschichte erklärt. Aus seiner Sicht blieb es beim Versuch. Daran ändert das Crescendo in den letzten Minuten wenig.

Ihre Nervosität streiften die südosteuropäischen Emporkömmlinge erst ab, als die Schweizer das Tempo zu sehr drosselten und angesichts ihrer anfänglichen Dominanz dem lange mediokren Gegner erstaunlich viel Raum zum optischen Comeback überliessen.

Albanien - Schweiz 0:1 (0:1)

Stade Bollaert-Delelis, Lens. - 33'805 Zuschauer. - SR Velasco Carballo (ESP). - Tor: 5. Schär (Shaqiri) 0:1.

Albanien: Berisha; Hysaj, Cana, Mavraj, Agolli; Kukeli; Roshi (74. Cikalleshi), Abrashi, Taulant Xhaka (61. Kaçe), Lenjani; Sadiku (82. Gashi).

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez; Behrami, Granit Xhaka; Shaqiri (88. Fernandes), Dzemaili (76. Frei), Mehmedi (61. Embolo); Seferovic.

Bemerkungen: Beide Teams komplett. 37. Gelb-Rote Karte gegen Cana wegen absichtlichem Handspiel. 38. Pfostenschuss von Dzemaili. Verwarnungen: 13. Schär (Foul). 23. Cana (Foul). 63. Kaçe (Foul). 66. Behrami (Foul). 89. Kukeli (Foul). 92. Mavraj (Foul).

sda-ats

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