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Im Prozess der Digitalisierung sollen die Risiken nicht einseitig den Mitarbeitenden aufgebürdet werden, fordert die Gewerkschaft Syndicom. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

(sda-ats)

Im Prozess der Digitalisierung will die Gewerkschaft Syndicom der Perspektive der Mitarbeitenden Nachdruck verleihen und legt ihr "Manifest für eine digitale Schweiz mit sozialer Verantwortung" vor. Damit antwortet sie auf den Digitalisierungsbericht des Bundesrats.

"In diesem Manifest fordern wir, dass auch in der digitalen Wirtschaft demokratische Prinzipien einzuhalten sind", brachte Giorgio Pardini, Mitglied der der Geschäftsleitung von Syndicom und Leiter Sektor ICT, die Forderung seiner Gewerkschaft an einer Medienveranstaltung vom Donnerstag in Bern auf den Punkt.

Konkret lassen sich die Forderungen der Gewerkschaft in vier Themengebiete gliedern: So soll es in der Fürsorgepflicht der Arbeitgeber bleiben, dass Mitarbeitende Ruhezeiten, Pausen und weitere Gesundheitsvorgaben einhalten. Die Aus- und Weiterbildung soll im Sinn eines Grundrechts systematisiert werden.

Unternehmen sollen die kollektive Intelligenz nutzen und die Mitwirkung sowie die Mitbestimmung der Arbeitenden ausbauen. Von den Unternehmen gesammelte Daten sollen zwar genutzt werden können, gleichzeitig soll jedoch das Menschenrecht auf Privatsphäre über ein Datenschutzsiegel garantiert werden.

Das sind denn auch die Eckpunkte für den neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) 2018, den Syndicom nun mit der Swisscom aushandelt. Unter dem Stichwort "Sozialpartnerschaft 4.0" soll dieser Gesamtarbeitsvertrag zum kollektiven Mustervertrag der digitalen Wirtschaft in der Schweiz werden.

Digitalisierung nicht gleich Deregulierung

Zudem ist das Manifest mit den genannten zentralen Forderungen eineAntwort an den Bundesrat, der seinen ersten Digitalisierungsbericht Mitte Januar vorgelegt hatte. Der Bundesrat setzt mit diesem Bericht auf Deregulierung. Aber: "Digitalisierung darf nicht gleich Deregulierung sein", sagt Pardini.

Zudem enthält der Bericht in erster Linie Ansätze für vertiefte Prüfungen und weniger Antworten auf anstehende Herausforderungen. "Die Politik muss das Phänomen der Digitalisierung erst einmal verstehen", sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann bei der Vorstellung des Berichts.

Dem hält der Gewerkschafter Pardini entgegen, dass beispielsweise Deutschland unter dem Stichwort "Industrie 4.0" bereits Milliarden investiert. Dem hinke die Schweiz hinterher. "Umso mehr sind wir erfreut darüber, dass uns der Bundesrat bei der Erarbeitung des zweiten Digitalisierungsberichts einbezieht, der voraussichtlich im November vorgelegt wird."

Bisher seien lediglich die Perspektiven der Forschung und der Wirtschaft in Form vom "Digitalen Manifest" des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse berücksichtigt worden. Pardini interpretiert die Haltung des "ideologisch geprägten Flügels der Arbeitgeber" so, als witterten sie "Morgenluft für die Deregulierung zulasten der Beschäftigten".

Sozial austarierte Arbeitswelt

Als Beispiel deregulierter Arbeitsmodelle führt Pardini die tendenziell prekären Arbeitsverhältnisse beim sogenannten Crowdworking an. Aufgaben werden, meist über einen offenen Aufruf im Internet, an eine undefinierte Masse vergeben. Das berge das Risiko von tiefen und unregelmässigen Einkommen, Ausbeutung durch Intermediäre, Entgrenzung der Arbeit, fehlender sozialer Absicherung sowie Schwarzarbeit. Dabei verdammt Pardini solche Modelle nicht grundsätzlich, vielmehr ruft er dazu auf, dass deren Risiken eingedämmt werden.

Deshalb setzt Syndicom auf "eine sozial austarierte Arbeitswelt", die "nicht nur Flexibilität bietet, sondern auch Sicherheit". "Die Digitalisierung erfordert Regulierungen, um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zu sichern", sagt Pardini.

Damit will die Gewerkschaft den Prozess der Digitalisierung nicht verhindern. Vielmehr sollen die Arbeitnehmenden mitbestimmen können. Und: Ihnen dürften nicht einseitig die Risiken aufgebürdet werden.

SDA-ATS