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Für Spanien bedeutet der EM-Achtelfinal schon Endstation. Der Titelverteidiger scheitert in Saint-Denis an Italien mit 0:2.

Italien verdiente sich den Sieg. Eine gute Stunde stellten die "Azzurri" die klar bessere Mannschaft. Das 1:0 in der 33. Minute war zu jenem Zeitpunkt überfällig. Wie es zustande kam, sagt viel über die Partie aus. Nach einem Freistoss von Eder, den Spaniens Goalie David de Gea nur nach vorne abwehren konnte, standen vier italienische Spieler für den Nachschuss bereit, während nur ein Spanier die Situation antizipierte. Es war schliesslich Innenverteidiger Giorgio Chiellini, der den Ball über die Linie bugsierte. Das 2:0 fiel in der Nachspielzeit nach einem Konter, den der starke Graziano Pellè vollendet.

Spanien fand den Tritt lange Zeit überhaupt nicht. Kaum gelungene Ballstafetten, keine Torgefahr und vor allem ein miserables Zweikampf-Verhalten sorgten dafür, dass Italien eine gute Stunde lang erstaunlich leichtes Spiel hatte im Stade de France. Hätte De Gea nicht einige Male stark gehalten, wäre die "Squadra Azzurra" mit einem höheren Vorsprung in die Schlussphase gegangen. Der Keeper von Manchester United wehrte gefährliche Abschlüsse von Pellè (8.), Emanuele Giaccherini (45.) und Eder (55.) ab.

Spanien kam mit dem Defensivdispositiv der Italiener nicht zurecht. Der vierfache Weltmeister verteidigte hoch, im Idealfall etwa 30, 40 Meter vor dem Tor von Gianluigi Buffon und verunmöglichte damit das Kombinationsspiel der Spanier über weite Strecken der Partie. Buffon musste in der ersten Halbzeit nur einen harmlosen Schuss halten. Erst ab der 70. Minute kam die Spanier zu einigen viel versprechenden Torchancen, etwa jene von Andres Iniesta, der mit einem Volley an Buffon scheiterte. In der 90. Minute musste der italienische Goalie ein letztes Mal an diesem Abend sein Können unter Beweis stellen: Er wehrte noch vor dem erlösenden 2:0 den Schuss von Gerard Piqué ab.

Italien nun gegen Deutschland

Die Italiener müssen bei dieser EM auf die verletzten Marco Verratti und Claudio Marchisio verzichten, ihre wahrscheinlich derzeit besten kreativen Mittelfeldspieler. Doch Nationalcoach Antonio Conte hat dennoch ein Team zusammengestellt, das zu gefallen weiss. In der Defensive sorgen die drei Innenverteidiger von Juventus Turin, Chiellini, Andrea Barzagli und Leonardo Bonucci, für Stabilität und vorne wird schnörkellos der Weg vor das gegnerische Tor gesucht.

Einen Plan B gibt es bei den Spaniern nicht. Meistens ist das auch nicht nötig, meistens führt der Ballbesitz der Iberer zum Erfolg. Doch am frühen Montagabend in Saint-Denis reichte die Liebe zum schönen Spiel nicht. Verhältnismässig oft zirkulierte der Ball nämlich in den Reihen der Italiener. Kampfgeist wäre gefordert gewesen und diesen zeigte die Mannschaft von Vicente del Bosque erst in der zweiten Halbzeit, konnte aber nicht verbergen, dass es nicht zu ihrer Stärke gehört, dem Ball hinterher zu rennen.

Zum ersten Mal seit dem WM-Achtelfinal 2006 gegen Frankreich (1:3) verlor Spanien bei einem grossen Turnier ein Spiel der K.o.-Runde. Vor zwei Jahren bei der WM in Brasilien war der Europameister von 2008 und 2012 schon in der Vorrunde gescheitert. Die EM in Frankreich hätte beweisen sollen, dass dies nur ein Ausrutscher gewesen war. Diesen Beweis blieb Del Bosques Truppe aber schuldig. Für die Italiener steht am Samstag schon der nächste grosse Test an. In Bordeaux spielen sie im Viertelfinal gegen Weltmeister Deutschland.

Telegramm:

Italien - Spanien 2:0 (1:0). - Stade de France, Saint-Denis. - 76'165 Zuschauer. - SR Cakir (TUR). - Tore: 33. Chiellini (Giaccherini) 1:0. 91. Pellè (Darmian) 2:0.

Italien: Buffon; Barzagli, Bonucci, Chiellini; Florenzi (84. Darmian), Parolo, De Rossi (54. Thiago Motta), Giaccherini, De Sciglio; Eder (82. Insigne), Pellè.

Spanien: De Gea; Juanfran, Piqué, Ramos, Alba; Busquets; Fabregas, Iniesta; Silva, Morata (70. Vazquez), Nolito (46. Aduriz/81. Pedro).

Bemerkungen: Italien ohne Candreva (verletzt). Verwarnungen: 23. De Sciglio (Foul). 41. Nolito (Foul). 54. Pellè (Unsportlichkeit). 89. Thiago Motta (Unsportlichkeit/im Viertelfinal gesperrt). 89. Busquets (Reklamieren). 94. Silva (Foul).

sda-ats

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