Alle News in Kürze

Ernst Thomke 2003 als Chef der Goldraffinerie Metalor. (Archiv)

Keystone/SANDRO CAMPARDO

(sda-ats)

Die Schweizer Uhrenindustrie hat nach Ansicht von Swatch-Mitbegründer Ernst Thomke den Trend zur Smartwatch verschlafen oder verpasst. Die Branche sehen darin eine blosse Spielerei.

Ausnahme sei Tag Heuer, die ein interessantes Produkt auf den Markt gebracht habe, sagt Thomke in einem Interview mit der "Schweiz am Sonntag". Smartwatches würden nicht erst noch zum Erfolg, sie seien schon heute einer. "Vor fünf Jahren habe ich eine Prognose zu den Verkaufszahlen gewagt - diese ist bei weitem übertroffen", zeigte sich der Uhrenmanager überzeugt.

"Wichtigste Funktionen am Handgelenk"

"Die wichtigsten Funktionen, die wir tagtäglich Dutzende Male brauchen, lassen sich am Handgelenk schneller und einfacher erledigen, erklärt der ehemalige Chef des Uhrenkonzerns SMH, der heutigen Swatch Group. "Deshalb glaube ich, dass einige Funktionen ans Handgelenk wandern werden. Ähnlich wie die Uhr mehr als Taschenuhr im Hosensack getragen wird."

Mit der Weigerung der Branche, in den Markt für intelligente Uhren zu drängen, würden zwar die industrielle Basis und auch die Führungsposition im elektronischen Bereich geschwächt. An eine Krise der Schweizer Uhrenindustrie wie in den Achtzigerjahren glaubt Thomke deswegen jedoch nicht. Im Luxussegment habe die Schweiz eine ausserordentlich starke Position und werde diese auch behalten.

Im Luxussegment hätten sich die hiesigen Hersteller eine Stellung aufgebaut, die man schon fast als monopolistisch bezeichnen könne. "Ihr Marketing und ihr weltweites Netzwerk an eigenen Verkaufsstellen macht es für Konkurrenten sehr schwierig. In die Luxuskanäle kommen sie oft gar nicht hinein", sagte Thomke, der 1991 bei der SMH ausschied, nachdem Nicolas Hayek als Verwaltungsratspräsident bestimmende Kraft des Konzerns geworden war.

Fehlende Innovation

Auch der Umsatzrückgang in China macht dem früheren Industriesanierer keine Sorgen. "Sobald die Konjunktur wieder anzieht, werden Schweizer Uhren dort wieder sehr gefragt sein", sagt der 77-Jährige.

Für bedenklich hält der Manager hingegen, dass die Profitabilität durch Preissteigerungen erhöht, aber kaum noch in die industrielle Basis investiert wird. Die hiesige Branche habe den Massenmarkt und die Innovation mehr oder weniger aufgegeben.

"Man verkauft fast die gleichen Uhrwerke wie vor dreissig, vierzig Jahren", konstatiert Thomke. "Dabei wurden etwa die ersten digitalen Uhren hierzulande gebaut; Speicher, die Daten auch ohne Stromversorgung erhalten konnten; und wir waren in der automatischen Spracherkennung vorne dabei."

sda-ats

 Alle News in Kürze