Wendy Holdener überzeugt auch im WM-Slalom


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Auf Wendy Holdener ist in St. Moritz auch im Slalom Verlass. Die Schwyzerin belegt hinter der Amerikanerin Mikaela Shiffrin Platz 2 und beschert Swiss-Ski die siebente Medaille an dieser WM.

Sie hatte schon Gold gewonnen. Weltmeisterin in der Kombination war sie eine gute Woche zuvor geworden. Selbstverständlich eine grossartige Sache. Doch das ganz grosse Ziel hatte Wendy Holdener nach dem Exploit noch vor Augen: die Medaille im Slalom.

Die Kombination war sozusagen die Kür, die Pflicht wartete acht Tage später. Eine lange Zeit zwischen dem Dürfen und dem Müssen, lang genug, um sich Gedanken zu machen und immer wieder mit diesem Slalom konfrontiert zu werden. Daran änderte auch der Einsatz im Team-Wettkampf am Dienstag nichts. Der Druck war immer und überall. Wendy Holdener selber hatte diese Medaille erwartet, die Trainer ebenso - und natürlich auch die Öffentlichkeit. Wer in sieben Weltcup-Slaloms sechsmal unter den ersten drei klassiert ist, der soll bitteschön auch beim Saisonhöhepunkt aufs Podest fahren.

Wendy Holdener benötigte den vergangenen Mittwoch als freien Tag, um mit sich wieder im Reinen zu sein. "Ich fühlte mich schon Anfang Woche gut. Aber im Team-Wettkampf hatten Kopf und Körper noch nicht zusammengepasst. Nach dem einen Tag Pause hatte ich aber wieder alles im Griff." Das hat ihr womöglich geholfen, mit dem immensen Druck besser umgehen zu können. Die Gewissheit, dass die Form stimmt und die wichtigen Faktoren ineinandergreifen, hat beruhigend gewirkt.

Zweite trotz Fehlern

Mit der Ruhe war es spätestens am Samstag wieder vorbei. Nervös sei sie gewesen, erzählte Wendy Holdener. Trotzdem hatte sie schon nach dem ersten Durchgang an zweiter Stelle gelegen. Die 38 Hundertstel Rückstand auf Mikaela Shiffrin liessen sogar Platz für Hoffnungen auf den ganz grossen Coup. Die zweite Fahrt glückte allerdings nicht wunschgemäss. "Ich habe Fehler gemacht. Möglich, dass es an den Nerven lag." Wer mochte es ihr verargen an diesem Tag, an dem sie weder sich selber noch die vielen tausend Zuschauer am Streckenrand und im Zielraum auf Salastrains enttäuschen wollte.

Gross war die Erleichterung, als Wendy Holdener nach der Zieldurchfahrt im Klassement auf der Anzeigetafel ihren Namen ganz oben stehen sah. Oben im Starthaus stand nur noch Mikaela Shiffrin. Die Medaille war gesichert. "Da fiel die ganze Anspannung weg." Zwei schwierige Wochen hatten mit dem erhofften Ergebnis ihr Ende gefunden. "Diese WM hat viel Energie gekostet, auch vom Kopf her." Wendy Holdener meisterte die Herausforderung mit Bravour. "Ich darf zurecht stolz auf mich sein." Nach 20 Jahren und Rang 3 von Karin Roten in Sestriere hat die Schweiz wieder eine WM-Medaillengewinnerin im Slalom.

Saisonauftakt und Detailarbeit

Zweimal Zweite und viermal Dritte in den bisherigen sieben Weltcup-Slaloms dieses Winters, nun auch Zweite an der WM, vor der Schwedin Frida Hansdotter, die nach Problemen in der ersten Saisonphase immer besser in Schwung gekommen ist: Wendy Holdeners Konstanz beeindruckt. Sie nennt den gelungenen Auftakt in Levi als Grund dafür. "Ich war noch nie so gut in eine Saison gestartet. Der zweite Rang in Finnland gab mir Sicherheit und zusätzliches Selbstvertrauen."

Hans Flatscher, der Chefcoach der Schweizer Frauen-Equipe, sieht den Grund für das anhaltend hohe Leistungsniveau der Innerschweizerin in der Kontinuität der Trainingsarbeit, in der mittlerweile die Details im Vordergrund stehen. Abgeschlossen sei dieser Prozess bei Wendy Holdener noch lange nicht. "Sie hat überall noch Steigerungspotenzial."

Flatscher ist deshalb überzeugt, dass die Unteribergerin eines Tages auch Mikaela Shiffrin zu bezwingen vermag. Der Rückstand von 1,64 Sekunden auf die Amerikanerin am Samstag ändert an seiner Einschätzung nichts. "Der zweite Lauf von Wendy ist kein Massstab. Da hat einiges nicht gepasst."

Eine Überraschung und ein Rückfall

Zweitbeste Schweizerin war Denise Feierabend. Sie überraschte mit Rang 9, ihrer zweitbesten Klassierung im Slalom auf diesem Niveau. Weniger gut lief es der zweiten Starterin aus Engelberg, Michelle Gisin. Die WM-Zweite in der Kombination hatte nach halbem Pensum als Sechste Richtung Podium schielen dürfen, fiel in der Entscheidung wegen eines groben Patzers aber aus den Traktanden und auf Platz 21 zurück.

SDA-ATS

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