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Auf das Navigationssystem im Auto sollte man manchmal besser nicht blind vertrauen. Am Sonntagabend wurden RTS-Journalisten an den Rand einer Favela in Rio de Janeiro geführt. (Symbolbild)

KEYSTONE/EPA AAP/DEAN LEWINS

(sda-ats)

Schrecksekunden für einen RTS-Sportjournalisten und seinen Kameramann in Rio: Nachdem sie das Navi irrtümlich zu einer Favela geleitet hatte, wurde ihr Auto beschossen. Vor einer Woche war ein "Blick"-Journalist Opfer eines dreisten Diebstahls geworden.

Die Medienstelle des Westschweizer Fernsehens RTS bestätigte am Dienstag Berichte der Freiburger Tageszeitung "La Liberté" und des Lokalsenders "Radio Freiburg". Demnach wollte der Journalist Marc-André Berset, der aus Rio de Janeiro für RTS über die Olympischen Spiele berichtet, am frühen Sonntagabend mit seinem brasilianischen Kameramann zu einem Stadion fahren.

Um den Stau zu vermeiden, benutzte ihr Chauffeur ein Navigationsgerät. Statt zur Sportarena führte dieses die Journalisten aber an den Rand eines Elendsquartiers der Grossstadt.

Dort wurden sie von einem bewaffneten Mann auf der Strasse bedroht. Anstatt anzuhalten trat der Chauffeur geistesgegenwärtig aufs Gaspedal. Der Mann schoss danach zwar noch in die Richtung des fliehenden Autos, verletzte aber niemanden.

Ein Sportjournalist der sda, der Berset im Anschluss traf, beschreibt den Westschweizer Kollegen als "erschüttert". Er habe sichtlich geschockt gewirkt von dem Vorfall. Berset selber wollte sich auf Anfrage nicht äussern.

Die Codes der Favelas

Obwohl das Sicherheitsaufgebot in Rio während der Spiele drastisch aufgestockt wurde und Militär und Polizei in den Strassen omnipräsent sind, bleibt die Kriminalitätsrate in der Metropole hoch. Viele der Favelas, der Armenviertel, sind inzwischen sogenannt befriedet: Es gibt keine Bandenkriege mehr - oder wenigstens deutlich weniger -, seit eine Sondereinheit der Polizei präsent ist und für Ruhe sorgt.

Grundsätzlich ist es auch für Ausländer möglich, Favelas zu besuchen. Die Begleitung eines Einheimischen mit Kontakten zu Bewohnern ist jedoch Voraussetzung - er kennt die ungeschriebenen Gesetze der Viertel und die Verhaltensregeln.

Reifen von Uber-Taxi aufgeschlitzt

Kriminalität gibt es jedoch nicht nur in den Armenvierteln, sondern auch an den nobleren Orten wie der Copacabana. Täglich jagen sich die Nachrichten über Diebstähle und Überfälle. Mehreren Kameraleuten aus verschiedenen Ländern wurde bereits ihre Ausrüstung gestohlen.

Zu den Opfern gehört auch "Blick"-Journalist Fabio Back. Unter dem Titel "So dreist wurde ich bestohlen" berichtete er gleich selbst über den Vorfall, den eine Überwachungskamera aufgezeichnet hat: Zwei Kriminelle haben einen Reifen seines Uber-Taxis aufgeschlitzt. Als der Fahrer anhalten und das Rad wechseln muss, wird er von den Männern abgelenkt. Danach sind sein Video-Equipment und der Laptop im Wert von 10'000 Franken weg.

Auch vor den Athleten machen die Banden nicht Halt - und auch vor Waffengebrauch nicht. US-Schwimm-Olympiasieger Ryan Lochte und drei Teamkollegen sind in der Nacht auf Sonntag auf der Heimfahrt von einer Party überfallen worden. Ihr Taxi wurde von als Polizisten verkleideten Verbrechern aufgehalten; die Männer bedrohten die Schwimmer mit Schusswaffen. Die Amerikaner blieben ebenfalls unverletzt.

sda-ats

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