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Eine Utopie ist die Champions League für die Young Boys nicht, aber nur sehr schwer zu erreichen. Unter normalen Umständen besitzt der Playoff-Gegner Borussia Mönchengladbach deutlich mehr Format.

Seit ein paar Jahrzehnten haftet YB das unrühmliche Image an, in grossen Momenten regelmässig die Nerven zu verlieren. Nur schon deshalb ist der Coup gegen Schachtar Donezk als aussergewöhnliche Berner Performance zu taxieren. Gegen das ukrainische Starensemble haben in den letzten Jahren nur wenige europäische Teams gut ausgesehen.

Davon zu träumen, erstmals überhaupt in der Klubgeschichte in die Champions League vorzustossen, ist legitim. YB kann in der aktuellen Besetzung auch gegen einen Kontrahenten des oberen deutschen Segments die Grenzen verschieben. Diese Erkenntnis wertet Sportchef Fredy Bickel als "unheimlich wertvoll". Zum einen für die Spieler, "um einmal zu sehen, was sie eigentlich abrufen könnten, andererseits mit Blick auf die UEFA-Setzlisten der kommenden Jahre. Da zählt jeder einzelne Punkt."

Aber der Grat ist schmal, zumal angesichts der verletzungsbedingt ausgedünnten Reihen. Eine Serie von namhaften Absenzen zur Unzeit schränkt die Zuversicht ein. Bickel bedauert die medizinische Komponente: "Wir stehen unmittelbar vor einem ganz grossen Ziel des Klubs und können nicht aus dem Vollen schöpfen, das bedrückt uns alle."

Bitter und ärgerlich sei auch der Absprung von Stammspieler Florent Hadergjonaj vor knapp einer Woche - der Rechtsverteidiger zog eine Offerte von Ingolstadt der europäischen Plattform mit YB vor. "Das ist sehr frustrierend."

Der Wechsel des Schweizer U21-Nationalspielers relativiert selbstredend die (internationale) Reichweite der Berner. "Wir sind eine Ausbildungsliga. Für den FC Basel gilt das vielleicht nicht, aber für alle anderen", redet Bickel Klartext. Anders als die Bebbi kann YB keine (europäischen) Garantien anbieten. Und auch der wirtschaftliche Spielraum ist offenbar kleiner als auch schon.

Ein zweiter geschichtsträchtiger YB-Auftritt würde die Lage vereinfachen. Eine Überraschung gegen den Bundesligisten liesse sich an allen Fronten gut verkaufen. YB könnte vorübergehend aus dem Schatten Basels treten. "Wenn wir uns einmal länger in einem grelleren Licht präsentieren könnten, wäre das gut und wichtig für das Ansehen des Vereins", ist Bickel überzeugt.

Sechs Tage nach der Desillusionierung im St.-Jakob-Park (0:3) käme ein positive Zwischenmeldung gelegen. Der bereits deutliche Rückstand im Alltag ist derzeit nur mit Europacup-Highlights zu kompensieren. Ein zweites Playoff-Out innerhalb von sechs Jahren würde durch die Fortsetzung in der Europa-League-Gruppenphase abgefedert werden. "Das nimmt einen gewissen Druck", versichert Bickel.

Die starke Elf vom Niederrhein

Nicht alle Experten rieben nach dem imposanten Berner Umschwung gegen Schachtar verwundert die Augen. Mönchengladbachs Sportchef Max Eberl hatte YB schon im Vorfeld des Duells mit dem Europa-League-Halbfinalisten für gut genug gehalten, eine Runde weiterzukommen. Der smarte Manager hinter dem Aufschwung der Fohlenelf kann den Schweizer Markt ausgezeichnet einschätzen.

Immer wieder lotst Eberl relativ preisgünstige Exponenten aus der Super League zum aufstrebenden Klub an den Niederrhein. Yann Sommer beispielsweise ist eines der bekanntesten Gesichter des Klubs, Nico Elvedi war der Schweizer Verteidiger-Aufsteiger des letzten Jahres; mit Djibril Sow steht ein nächstes Talent aus der SFV-Schule bereit.

Ihren Basler Patron haben die Gladbacher indes verloren. Granit Xhaka ist zu Arsenal nach London weitergezogen. Der Verkauf des forschen Spielgestalters ist im defensiven Mittelfeld taktisch aufzufangen, aber seine Leadership wird fehlen.

Einen hohen Prozentsatz der Rekordablösesumme von 45 Millionen Euro für den Captain hat die Borussia indes umgehend reinvestiert. Der Weltmeister Christoph Kramer, unter dem früheren Coach Lucien Favre der wichtigste Partner Xhakas, kehrte zurück. Mit dem teuren Engagement des begehrten dänischen Innenverteidigers Jannik Vestergaard hob der Klub das Niveau der Defensive weiter an.

André Schubert besitzt anders als Berns Taktgeber Adi Hütter ein umfangreiches personelles Spektrum. Langjährige Beobachter der Borussia sprechen von einer Vielfalt von Optionen, die seit dem Ende der goldenen Fohlenepoche in den Siebzigerjahren nie mehr grösser gewesen sei. Unabschätzbar ist allerdings der fehlende Wettkampfrhythmus; die Borussia startet erst am letzten August-Wochenende zur Meisterschaft.

sda-ats

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