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Ein Bild des Grauens vom August 2010 am Grenzacher Horn bei Basel, wo Raupen des Buchsbaumzünslers (Diaphania perspectalis) ein Waldstück nahezu kahlgefressen hatten - betroffen war dort auch der grösste zusammenhängende natürliche Buchswald von Deutschland, geschützte hundert Hektaren Buchs.

Keystone/DAPD/WINFRIED ROTHERMEL

(sda-ats)

Seit der Buchsbaumzünsler vor rund zehn Jahren in Weil am Rhein (D) bei Basel erstmals auftauchte, breitet er sich in Gärten und Wäldern Europas aus. Im Herbst zeichnete sich eine neue Welle ab, wie Basler Forscher feststellten.

Waren die ersten Zünsler, die wohl mit Importpflanzen den Weg nach Europa gefunden hatten, der breiten Öffentlichkeit noch entgangen, so war deren erste grosse Frass-Welle 2010 unübersehbar. Mancherorts waren sonst satt immergrüne Hänge plötzlich kahl, wie am Grenzacher Horn bei Basel. Auch in vielen Gärten war Buchs keine Zierde mehr.

Das Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU) der Universität Basel beobachtet den Buchsbaumzünsler seit dessen Auftauchen in Europa mit einer Langzeitstudie. Ergebnisse sollen auch der Bekämpfung helfen: Insektizid-Einsätze in Gärten und Parks - im Wald ist Spritzen verboten - müssen gut getimt sein.

Volatiler Flug

Je nach Wetter und Temperaturen entwickeln sich Zünslerraupen, die überwintert haben, unterschiedlich. Aktiv werden die Tiere ab konstanten etwa sieben Grad. Wenn's ihnen gut geht, können diese Insekten bis zu vier Generationen im Jahr entwickeln.

Im letzten Herbst wurden nun in den Lichtfallen der Basler Forscher viermal soviele Falter registriert als in den fünf Jahren davor. Nach der ersten Welle 2009 und 2010 waren die Zahlen stark gesunken - der Schädling hatte sich teils selber die Lebensgrundlage weggefressen.

Werden Blätter rar, geht der Zünsler auch an die Rinde, und dann können die Büsche absterben. Bei einer Untersuchung von 31 Buchsbeständen in der Nordwestschweiz im letzten Mai hatten die Basler Forscher bis zur Hälfte der Büsche komplett entlaubt vorgefunden. In Stadtnähe waren die Schäden deutlich grösser.

Für Vögel ein Brechmittel

Potenzielle Fressfeinde tun sich schwer am Insekt, welches das im Buchs enthaltene Gift im eigenen Körper unbeschadet speichert. So sei etwa eine ganze Versuchsreihe mit Schlupfwespen ergebnislos verlaufen, sagt NLU-Professor Bruno Baur.

Bei Vögeln habe man derweil beobachtet, dass sie Buchsbaumzünsler als Futter zwar gemischt mit anderen Insekten vertragen, aber bei einem zu hohen Anteil wieder herauswürgten. Junge Vögel seien am Buchsgift im Insekt teils sogar gestorben.

Bis sich ein Ökosystem anpasst und heimische Organismen Neozoen für sich entdecken, kann es dauern, sagt Baur - Evolution braucht Zeit. Zudem gibt es laufend Zünsler-Nachschub via Pflanzenhandel. Dort fehlt teils das Knowhow, teils aber auch das kommerzielle Interesse - Zünsler-Schäden bringen Nachfrage nach Gift und Ersatzpflanzen.

Buchs ist seit der Eiszeit in der heutigen Schweiz heimisch. Als immergrüne Blattpflanze ist er wie die Stechpalme im Ökosystem eine Spezialität. Schützen kann man ihn statt mit Gift auch von Hand: Im richtigen Moment Abklopfen, mit ausreichendem Wasserdruck Abspritzen oder ein feines Netz dicht darüber helfen gegen den Zünsler.

SDA-ATS