Zürich (awp) - Kurt Rohrbach, Präsident des Verbands der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE) und Chef des Energiekonzerns BKW, hätte sich bei der politischen Diskussion um den Atomausstieg gerne eingebracht und hält entsprechend nicht mit Kritik an der neuen Energiestrategie des Bundes zurück. "Wir haben Erfahrungen, wir kennen die verschiedenen Modelle und Szenarien. Wir hätten uns gerne eingebracht. Uns geht es darum, die Zusammenhänge und Konsequenzen eines derart wichtigen Energieentscheids ehrlich und realistisch aufzuzeigen. Doch das geschieht im Moment noch nicht", sagte er der "Handelszeitung" (Vorabdruck, Ausgabe 8.9.).
Er gibt sich ausserdem "enttäuscht, dass man sich in einer derart wichtigen Frage nicht mehr Zeit nimmt". Es geht ja um "nichts weniger als die Zukunft der Schweiz". Laut Rohrbach geht der Bundesrat nun "von einem Szenario aus, das wir als Planungsgrundlage für die Zukunft nicht übernehmen können". Die Politik werde ihre Versprechen kaum einhalten können und stelle damit ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel.
Solle der Stromverbrauch so stark wie vorgegeben reduziert werden, müssten laut dem Verbandspräsidenten "völlig neue Rahmenbedingungen" geschaffen werden. Er glaubt auch nicht, dass der Stimmbürger allen energiepolitischen Massnahmen zustimmen werde, die aus dem Atomausstieg resultieren werden.
Auf die Frage, ob es als Alternative zur Atomenergie nun vermehrt Gaskombikraftwerke in der Schweiz geben werde, meinte er: "Realistischerweise steuern wir wohl darauf zu."
In seiner Funktion als BKW-Chef sagte er ausserdem zur schwachen Entwicklung des Aktienkurses seit Jahresbeginn (-38%): "Da kommen verschiedene Faktoren mit unterschiedlicher Gewichtung zusammen." Der schwache Euro und der starke Franken spielten eine Rolle. Weitere Elemente seien die Entwicklung der staatlichen Fonds für die Stilllegung der bestehenden KKW und für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle sowie die unsichere Zukunft der Kernenergie in der Schweiz. Nicht äussern wollte sich Rohrbach zum laufenden Geschäft. Die Halbjahreszahlen werden am 15. September veröffentlicht.
uh/gab

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