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Auch das 13. Treffen zum Konflikt in der Ost-Ukraine hat in Minsk keinen Durchbruch gebracht. Von links die Aussenminister Frankreichs (Jean-Marc Ayrault), Deutschlands (Frank-Walter Steinmeier), der Ukraine (Pawel Klimkin) und Russlands (Sergej Lawrow).

KEYSTONE/AP/SERGEI GRITS

(sda-ats)

Ein weiteres Aussenministertreffen in Minsk zum Konflikt in der Ost-Ukraine hat nur winzige Fortschritte gebracht. Die Entflechtung der Truppenverbände an der Frontlinie soll fortgesetzt und bis Ende des Jahres ein Gefangenenaustausch organisiert werden.

Auf einen Fahrplan zur Umsetzung der Minsker Friedensvereinbarung vom Februar 2015 konnten sich die Aussenminister aus Russland, der Ukraine, Deutschland und Frankreich am Dienstag aber nicht verständigen. Auch eine bewaffnete Polizeimission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wird es nicht geben.

"Es war auch heute wieder sehr mühsam", sagte der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier nach dem vierstündigen Gespräch in der weissrussischen Hauptstadt. Es bleibe noch enorm viel zu tun, sagte der französische Aussenminister Jean-Marc Ayrault.

In der Ost-Ukraine kämpfen Kiewer Regierungstruppen seit 2014 gegen prorussische Separatisten, die von Moskau mit Soldaten und Waffen unterstützt werden. Trotz vieler Beweise leugnet Russland diese Hilfe aber.

Bis heute nicht umgesetzt

Das unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs 2015 in Minsk unterzeichnete Friedensabkommen ist bis heute nicht umgesetzt. Zwar haben die Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und den ukrainischen Regierungsgruppen an Intensität nachgelassen, beendet sind sie jedoch keineswegs. In dem seit April 2014 andauernden Konflikt wurden nach UNO-Schätzungen fast 10'000 Menschen getötet.

An einem Ukraine-Gipfel in Berlin war im Oktober ein neuer Versuch gestartet worden, wieder Bewegung in die festgefahrene Konfliktlösung zu bringen.

"Grosse Lippenbekenntnisse reichen nicht aus, um diesen Konflikt zu überwinden", sagte Steinmeier nach dem 13. Treffen mit den Amtskollegen. Nach seinen Angaben soll bei der Truppenentflechtung die Zahl der Pilotzonen an der Front von drei auf sieben erhöht werden.

Russland gibt Ukraine Schuld

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sprach nur davon, dass nach zwei funktionierenden Pilotzonen jetzt auch an der vereinbarten dritten Stelle bei Stanyzja Luhanska Soldaten abgezogen werden sollten. Die Schuld am bisherigen Scheitern gab er einseitig der Ukraine.

Das Internationale Rote Kreuz soll Zugang zu den Gefängnissen in der Konfliktzone erhalten und den Gefangenenaustausch mitorganisieren. Steinmeier hofft, dass noch vor Weihnachten eine "signifikante Zahl" von Gefangenen ausgetauscht werden kann. Kiew sei für alle Vorschläge offen, um den Gefangenenaustausch zu fördern, sagte der ukrainische Aussenminister Pawel Klimkin. Er beklagte, dass die Gespräche oberflächlich gewesen seien.

Beim Fahrplan zur Umsetzung des Minsker Abkommens seien dagegen "noch viele offene Fragen zu beantworten", sagte Steinmeier.

Die Idee einer bewaffneten Polizeimission in der Ost-Ukraine ist nach Angaben Lawrows vom Tisch. "Es gibt keinen Bedarf dafür." Die Ukraine hatte eine solche OSZE-Mission für das Kriegsgebiet gefordert. Bei dem Gipfel in Berlin war erstmals darüber beraten worden.

Steinmeier: Lage verschlechtert

Schon vor dem Abflug nach Minsk hatte Steinmeier gesagt, dass sich die Lage im Donbass, dem Kampfgebiet in der Ost-Ukraine, zuletzt eher verschlechtert habe. "Wir haben in den letzten Wochen eine steigende Zahl von Verletzungen des Waffenstillstands zu verzeichnen."

Ob der sogenannte Minsk-Prozess den Konflikt tatsächlich entschärfen kann, ist immer wieder umstritten. Immerhin sei es gelungen, den Konflikt einzudämmen und einen Flächenbrand zu verhindern, sagte Steinmeier und fügte hinzu: "Das Minsker Abkommen ist nicht die Lösung." Aber der "Eskalationsstatus" sei doch deutlich reduziert worden.

sda-ats

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