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Uli Hoeness wird heute Abend wieder zum Präsidenten von Bayern München gewählt - 270 Tage nach seiner Haftentlassung. In seiner zweiten Amtszeit geht es für ihn um entscheidende Weichenstellungen.

"Das wars noch nicht!" Mit diesen Worten kündigte Uli Hoeness am 2. Mai 2014 anlässlich einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern München implizit das an, was am Freitag an gleicher Stätte Tatsache wird. Der 64-Jährige kehrt an die Spitze des mit rund 280'000 Mitgliedern grössten Sportklubs der Welt zurück.

Einen Monat nach der emotionalen Abschiedsrede vor der Bayern-Familie hatte Hoeness seine Gefängnisstrafe angetreten. Wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern war er Mitte März 2014 vom Landgericht München zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Seit Ende Februar diesen Jahres ist der ehemalige deutsche Internationale auf Bewährung wieder frei.

"Uli"-Sprechchöre und stehende Ovationen: Diese gab es an der Mitgliederversammlung vor zweieinhalb Jahren, und diese sind dem Bayern-Patriarchen erst recht an diesem Freitag gewiss. Seine Re-Inthronisierung wird emotional und triumphal. Hoeness geniesst bei den Mitarbeitern und an der Basis des Klubs, den Fans und Mitgliedern, grosses Ansehen.

520 Millionen Euro Umsatz

Unter seiner Führung stieg Bayern München zu einem der sportlich und wirtschaftlich stärksten Klubs der Welt auf. Als Hoeness 1979, mit damals 27 Jahren, an die Spitze des Managements wechselte, drückten den Klub sieben Millionen Mark Schulden - bei einem Umsatz von zwölf Millionen. Vor einem Jahr präsentierte der FC Bayern einen Umsatz von über 520 Millionen Euro. Das Eigenkapital der AG wurde mit 411,5 Millionen Euro angegeben, die Allianz Arena ist abbezahlt.

Hoeness' hohes Standing bei den Fans gründet jedoch nicht ausschliesslich in diesen imposanten wirtschaftlichen Kennzahlen. Er ist quasi der Herzschlag des Klubs. Hoeness eckt an, er provoziert, er hilft - alles zum Wohle des Klubs.

Applaus erhielt Hoeness bei seiner Ankündigung im August, wieder als Präsident kandidieren zu wollen, selbstredend nicht uneingeschränkt. Kritiker merkten an, dass er noch immer unter Bewährung steht und als Vorbestrafter in eine Vorbildfunktion gewählt wird.

Kaum kritische Worte waren derweil von der Fussball-Konkurrenz zu vernehmen. So stark sie sich einst gegen Hoeness auf sportlicher und wirtschaftlicher Ebene gewehrt haben, so sehr begrüssen sie nun seine Rückkehr in die Bundesliga. Mit Willi Lemke, einst ein erbitterter Widersacher, söhnte sich Hoeness aus. Der alte, neue Bayern-Präsident rechnete es dem ehemaligen Manager von Werder Bremen hoch an, während des Prozesses nicht verbal über ihn hergefallen zu sein. Gemeinsam planen sie nun karitative Projekte in Afrika.

Herbeigesehnt wird Hoeness' Rückkehr von der überwiegenden Mehrheit der Bayern-Anhänger auch deshalb, weil er wie kein anderer für die familiären Werte des Klubs einsteht. Niemand schafft es besser, den Spagat zu bewältigen zwischen Internationalisierung mit Büros in New York und Schanghai auf der einen und bayrischer Bodenständigkeit und Tradition auf der anderen Seite.

Hoeness' Wiedereintritt in den Münchner Machtzirkel wird auch ausserhalb der Klubzentrale mit grossem Interesse verfolgt. CEO Karl-Heinz Rummenigge meisterte die Zeit ohne seinen Freund an der Spitze exzellent, der FC Bayern legte weiter an Wirtschaftskraft und Einfluss zu.

Noch stärkerer Einsatz für die Kleinen

Nun ist Hoeness, die selbsternannte "Abteilung Attacke", wieder da. "Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein", kündigte er im Fachmagazin "kicker" an. "Ich werde mich noch viel stärker für die Kleinen einsetzen. Darin wird die entscheidende Veränderung des Uli Hoeness bestehen."

Mit der Wiederwahl zum Präsidenten sitzt Hoeness am Schalthebel für wichtige Weichenstellungen. Einerseits gilt es, den Generationenwechsel im Team weiter zu forcieren. Ein Unterfangen, mit dem sich Bayern München nach der Ära um Philipp Lahm, Franck Ribéry und Arjen Robben schwerer tun dürfte als gedacht. Andererseits muss er gemeinsam mit Rummenigge eine neue starke Führungscrew aufbauen. Einig sind sich beide, dass der heutige Captain Lahm mit einer zentralen Rolle dereinst in die Klubführung eingebunden werden soll.

sda-ats

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