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FRANKFURT (awp international) - Nach vier Verlusttagen in Folge hat der Dax am Freitag wieder den Weg nach oben gefunden. Bis zum Mittag stieg der deutsche Leitindex um 0,43 Prozent auf 7.161,13 Punkte und konnte damit zumindest einen kleinen Teil des Kursrutsches von über vier Prozent wieder wettmachen. Der MDax der mittelgrossen Werte gewann 1,15 Prozent auf 10.131,76 Punkte und der TecDax rückte um 2,00 Prozent auf 893,58 Punkte vor.
"Man kann noch nicht abschliessend sagen, ob die jüngste Korrektur schon abgeschlossen ist", kommentierte Analyst Christoph Schmidt vom Vermögensverwalter N.M.F. AG die Marktentwicklung. In den vergangenen zwei Tagen habe es viel Aufregung im Markt gegeben, was dafür spreche, dass der Tiefpunkt überschritten sei. Der Dax sehe aber immer noch etwas angeschlagen aus. Negative politische Entwicklungen und wieder steigende Ölpreise könnten seiner Einschätzung nach zu noch schwächeren Notierungen als zuletzt führen. Auch Analyst Ben Potter von IG Markets hält die Stimmung angesichts der geopolitischen Nachrichten ungeachtet der aktuellen Erholung für angeschlagen.
ÜBERRASCHENDER VERLUST DRÜCKT TELEKOM-AKTIE ANS DAX-ENDE
Seitens der Berichtssaison standen vor allem die Zahlen der Deutschen Telekom im Fokus. Deren Nettoverlust im vierten Quartal war für einige Händler eine negative Überraschung. Dies drückte die Aktien mit 1,67 Prozent auf 9,754 Euro ins Minus und damit ans Dax-Ende. Da dieser Verlust aber überwiegend aus einer Abschreibung in Griechenland resultiere, wollten sie dies zunächst nicht überbewerten. Sie warteten vielmehr auf Details zum Ausblick aus der am Nachmittag anberaumten Telefonkonferenz. Die Dividende von 70 Cent entspreche den Prognosen. Ein Börsianer rechnet indes mit einer fortwährend unterdurchschnittlichen Entwicklung der Aktien und sieht keinen Grund, diese aufgrund des Geschäftsberichts zu kaufen.
Die MAN-Aktien legten hingegen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) als Spitzenreiter um 3,53 Prozent auf 88,88 Euro zu. Demnach will Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piech ein Übernahmeangebot der VW-Lkw-Tochter Scania für MAN noch in diesem Frühjahr durchsetzen. Nach FTD-Informationen aus Finanz- und Unternehmenskreisen soll der schwedische Lkw-Bauer für den Münchner Rivalen im April, spätestens aber Anfang Mai die seit langem geplante Offerte vorlegen. Voraussetzung dafür sei aber, dass MAN zuvor den Streit mit dem arabischen Staatsfonds IPIC über die korruptionsgeplagte Ex-Tochter Ferrostaal beilegt. "Das sind zwar keine wirklichen Neuigkeiten mehr, ein Vorstoss scheint aber wirklich kurz bevor zu stehen", sagte ein Börsianer.
Eine zusätzliche Stütze kam für den Fahrzeugsektor von den aktuellen Absatzzahlen im Nutzfahrzeugmarkt. Nach Angaben des europäischen Branchenverbands ACEA beschleunigte sich der Absatz in der Europäischen Union zum Jahresauftakt. Entsprechend gewannen die VW-Vorzüge und Daimler ebenfalls deutlich hinzu. Für die Titel des Baustoffkonzerns HeidelbergCement ging es nach guten Zahlen des Konkurrenten Saint Gobain um 1,65 Prozent auf 50,500 Euro hoch.
GUTE DIVIDENDE STÜTZT FUCHS PETROLUB
Die Zahlen von Fuchs Petrolub für das vergangene Jahr fielen nach Einschätzung eines Händlers wie erwartet aus, und der Ausblick klinge wie gewohnt konservativ. "Die höher als erwartet ausgefallene Dividende stützt die Aktie aber, auch wenn sie für gewöhnlich nicht stark auf Zahlen reagiert", schrieb er in einer ersten Einschätzung. Die Titel des Schmierstoff-Herstellers gewannen 3,16 Prozent auf 99,26 Euro und gehörten damit zu den Favoriten der Anleger im MDax.
Der Einkaufscenter-Betreiber Deutsche Euroshop hat 2010 stärker zugelegt als angekündigt und rechnet 2011 mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebnisplus. Laut einem Börsianer lagen die Eckdaten am oberen Ende der Unternehmensziele und fielen "wie gewohnt sehr solide" aus. Da die Aktien aber schon über ihrem Net Asset Value (NAV - Nettoinventarwert) gehandelt würden, erscheine das Aufwärtspotenzial begrenzt. Zuletzt gewannen die Titel, die zudem von der WestLB hochgestuft wurden, 1,41 Prozent auf 27,250 Euro.
AUFTRAGSSCHLAPPE BELASTET EADS
Die Aktien von EADS verloren indes nach der Schlappe bei einem Grossauftrag am MDax-Ende 2,04 Prozent auf 20,430 Euro. Der US-Konkurrent Boeing hat sich den 35 Milliarden Dollar schweren "Jahrhundert-Auftrag" für 179 Tankflugzeuge gesichert. "Boeing war der klare Sieger", sagte der stellvertretende US-Verteidigungsminister William Lynn am späten Donnerstagabend im Pentagon. Wegen der starken politischen Unterstützung sei Boeing bei dem Auftrag zwar der klare Favorit gewesen, schrieb Analyst Frank Skodzik von der Commerzbank. Da die Europäer aber das bessere Flugzeug zu einem Kampfpreis angeboten hätten, habe es doch Spekulationen gegeben, dass sie eine faire Chance bekämen. Entsprechend reagiere die Aktie negativ auf die Nachricht.
gl/rum

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