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FRANKFURT (awp international) - Verhaltene Vorgaben und vorsichtige Anleger haben dem Dax am Montag eine klare Fortsetzung seiner jüngsten Rally verwehrt. Vor dem Beginn der US-Berichtssaison, die am Abend nach US-Handelsschluss traditionell der Aluminiumkonzern Alcoa einläutet, hielten sich die Investoren nach Aussage der Experten von Vontobel zurück. Postbank-Händler Stefan Söllner ergänzte: "Die Erwartungen an die Berichtssaison sind sehr hoch." Vor den Alcoa-Zahlen und angesichts nur weniger Unternehmensnachrichten sei der Handel recht lustlos. Auch angesichts fehlender Konjunkturdaten als Impulsgeber trete der Markt nach der starken Vorwoche auf der Stelle.
Nach einem moderat freundlichen Start schlug der deutsche Leitindex einen Zickzack-Kurs ein und stand gegen Mittag 0,11 Prozent höher bei 6.072,06 Punkten. Der MDax stieg um 0,08 Prozent auf 8.224,81 Punkte. Dagegen sank der TecDax um 0,13 Prozent auf 772,01 Punkte. In der vergangenen Woche war der Dax vier Tage in Folge gestiegen und hatte insgesamt knapp vier Prozent gewonnen.
VERSORGER UND VW IM DAX VORN
Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) gewannen an der Dax-Spitze 1,84 Prozent auf 73,45 Euro. Goldman Sachs hob das Kursziel für die VW-Vorzüge an und blieb beim Kaufvotum. Die Wolfsburger zählten zu den am besten aufgestellten Autobauern, um mit dem strukturellen Wandel in der Autobranche Schritt zu halten und Vorteile aus ihm zu ziehen, schrieb Analyst Stefan Burgstaller. Zudem will Konzernlenker Martin Winterkorn schnell einen neuen USA-Chef ernennen, und VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht grosse Vorteile durch eine bessere Kooperation im Lastwagengeschäft von VW, Scania und MAN . Ausserdem konnte VW in China im ersten Halbjahr 45,7 Prozent mehr Pkw absetzen als im Vorjahr.
Auch Versorgertitel legten nach Presseberichten zu. Eon verteuerten sich um 1,01 Prozent auf 22,965 Euro und RWE stiegen um bescheidenere 0,33 Prozent auf 55,10 Euro. Wie das Magazin "Focus" unter Berufung auf Aussagen von RWE-Chef Jürgen Grossmann berichtete, ist der Versorger gegen die von der Regierung geplante Brennelementesteuer. RWE favorisiere stattdessen Einzahlungen in einen Fonds für erneuerbare Energien, so das Magazin. "Es ist nicht überraschend, dass die deutschen Versorger gegen eine solche Steuer sind", kommentierte ein Händler. Zudem berichtetet das "Handelsblatt", der russische Gasriese Gazprom kämpfe mit allen Mitteln gegen die von mehreren europäischen Energiekonzernen initiierte Nabucco-Pipeline, die Europas Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren soll. Wie das Blatt unter Berufung auf Verhandlungskreise berichtet, hat Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew den Essener RWE-Konzern eingeladen, sich am Nabucco-Konkurrenzprojekt South Stream zu beteiligen.
FRAPORT PROFITIEREN VON VERKEHRSZAHLEN
Im MDax setzte sich Fraport-Aktien nach Verkehrszahlen mit plus 1,74 Prozent auf 37,400 Euro an die Spitze. Der Flughafenbetreiber hat im Juni bei Passagieren und Fracht neue Rekordmarken erreicht. Ein Händler lobte: "Die Zahlen zeigen überzeugend, dass die Krise überwunden und die Luftfahrtindustrie wieder auf dem Weg ist, die Resultate aus der Vorkrisenzeit zu erreichen oder sogar zu übertreffen." Allerdings könnte die Einführung einer Umweltsteuer die positive Branchenentwicklung schwächen. Merrill Lynch startete die Bewertung der Aktien unabhängig von den Verkehrszahlen mit "Buy".
Im TecDax stürzten indes die Anteilsscheine von Kontron um 16,78 Prozent auf 6,292 Euro ab. Der Minicomputer-Hersteller bildet wegen säumiger Kunden in Malaysia, Taiwan und Hongkong eine Risikovorsorge über 34 Millionen Euro. Der Vorstand sehe sich dazu gezwungen, da Bankgarantien nicht innerhalb der vereinbarten Frist (9. Juli) vorgelegt werden konnten, so das Unternehmen. Das sei überraschend, kommentierte ein Händler. Vor allem bedeute das nun einen Verlust sowohl im zweiten Quartal als auch im Gesamtjahr. Analysten hatten indes einen Jahresgewinn erwartet.
SOLARWERTE IM FOKUS: CENTROSOLAR VERSUS KÜRZUNGEN IN ITALIEN
Im Spannungsfeld unterschiedlicher Branchennachrichten entwickelten sich Solarwerte uneinheitlich. Einerseits konnte Centrosolar die Ergebnisprognose für 2010 nahezu verdoppeln, was den Aktien des in keinem wichtigen Index gelisteten Unternehmens Gewinne von 9,24 Prozent auf 5,298 Euro bescherte. Doch auf der anderen Seite verwies ein Händler auf geplante deutliche Subventionskürzungen im italienischen Solarsektor. Ein Branchenkenner sagte indes, dass deutliche Kürzungen bereits erwartet wurden. Ähnlich sah Analyst Sebastian Growe von Equinet nur begrenzte Auswirkungen der geplanten Senkung der Einspeisetarife. Manz Automation legten um 1,24 Prozent auf 49,66 Euro zu und Roth & Rau stiegen um 1,22 Prozent auf 24,980 Euro. Dagegen gaben Centrotherm Photovoltaics 0,66 Prozent auf 28,560 Euro ab und Q-Cells verloren 0,30 Prozent auf 5,975 Euro./gl/ag
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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