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AKTIEN FRANKFURT/Gewinne - Möglicher Bieterkampf belastet Deutsche Börse

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag dank guter Daten vom US-Arbeitsmarkt seine Gewinne ausgebaut. Die herausragende Unternehmensmeldung an einem nachrichtenarmen Tag war der mögliche Bieterkampf um den US-Börsenbetreiber NYSE Euronext, der die Titel der Deutschen Börse belastete. Bis zum Nachmittag stieg der Dax um 1,42 Prozent auf 7.141,21 Punkte. Am Vortag hatte der Leitindex zwar wegen einiger Unsicherheiten auch aus dem Bankensektor mit dem Stresstest in Irland moderat tiefer geschlossen. Das turbulente erste Quartal ging aber mit einem Plus von knapp zwei Prozent halbwegs versöhnlich zu Ende. Der MDax der mittelgrossen Werte rückte am Freitag um 1,47 Prozent auf 10.461,63 Punkte vor, und für den TecDax ging es um 0,74 Prozent auf 937,45 Punkte hoch.
Chefhändler Oliver Roth von Close Brothers Seydler sprach von einer "überraschend optimistischen" Stimmung. "Viele Anleger, die sich wegen der Ereignisse in Japan aus dem Aktienmarkt zurückgezogen hatten, kehren jetzt wieder zurück." Auch charttechnisch sieht es für den Dax nach Einschätzung des Experten sehr gut aus: "Selbst wenn wir heute die 7.100-Punkte-Marke nicht halten können, wird er in den kommenden Wochen wahrscheinlich auf 7.300 bis 7.400 Punkte steigen." Hauptgrund dafür sei die weiter üppig vorhandene Liquidität, die in den Markt dränge.
MÖGLICHER BIETERSTREIT DRÜCKT DEUTSCHE BÖRSE KNAPP INS MINUS
Die Aktien der Deutschen Börse rutschten mit 0,09 Prozent auf 53,50 Euro knapp ins Minus, nachdem der Börsenbetreiber Nasdaq OMX nun ebenfalls ein Gebot für die NYSE Euronext vorgelegt hat. Dieses liegt über dem Angebot der Frankfurter, die so ausgestochen werden sollen. Am Markt gingen die Beurteilungen zu den Erfolgschancen der beiden Kontrahenten auseinander. "Es ist fraglich, ob die Deutsche Börse ihr Angebot nachbessern wird", sagte ein Händler. Vor einigen Wochen habe der Finanzvorstand dies noch ausgeschlossen. Dazu kämen die anhaltenden Vorbehalte bei der NYSE über eine kontrollierende Stellung der Deutschen und kartellrechtliche Probleme. Ein anderer Börsianer geht aber davon aus, dass die Deutsche Börse nachziehen wird. Deren Chef Reto Francioni habe bei einem Scheitern der Fusion "zu viel zu verlieren".
Für etwas Gesprächsstoff sorgte ansonsten der Energiekonzern RWE mit einer Klage gegen die vorübergehende Abschaltung des Atomkraftwerks Biblis A in Hessen. Nach Einschätzung von Experten hat RWE gute Chancen, da die Begründung für die zwangsweise Abschaltung von sieben alten Meilern rechtlich umstritten ist. Die RWE-Titel gewannen 1,00 Prozent auf 45,395 Euro. Für die Aktien des Konkurrenten Eon, der diesem Beispiel nicht folgen will, ging es um 1,25 Prozent auf 21,820 Euro hoch.
"Die Klage war keine Überraschung mehr, nachdem RWE gestern schon mitgeteilt hatte, darüber nachzudenken", kommentierte ein Händler die unspektakuläre Kursentwicklung. Nach Einschätzung eines Analysten begeht RWE mit dem Gang vor Gericht aber einen "wahrscheinlich sehr grossen Fehler". Zwar vertraue der Konzern möglicherweise zu Recht auf einen juristischen Sieg. Doch wegen der besonders hohen Sensibilität der deutschen Bevölkerung beim Thema Atomkraft habe die Bundesregierung keine Alternative zum Moratorium gehabt. Mit seiner Klage riskiere RWE deshalb sowohl einen Imageschaden als auch eine dauerhaft gestörte Beziehung zur Politik, was auf den Konzern zurückfallen könnte.
FINANZWERTE LEGEN ZU
Die Finanzwerte entwickelten sich mehrheitlich positiv. Von Händlern hiess es, der Ausgang der irischen Stresstests für das irische Bankensystem wirke auf den zweiten Blick positiv. Die Titel der Deutschen Bank gewannen 2,37 Prozent auf 42,470 Euro. Auch Versicherungswerte waren vorne mit dabei: Allianz verteuerten sich um 1,38 Prozent auf 100,40 Euro und Munich Re stiegen um 1,98 Prozent auf 113,20 Euro. Zu den schwächsten Dax-Werten gehörten indes die der Commerzbank mit einem bescheidenen Plus von 0,36 Prozent auf 5,519 Euro. Sie hatten schon am Vortag unter anhaltenden Sorgen um eine Kapitalerhöhung gelitten.
Im MDax profitierten die Symrise-Aktien mit Gewinnen von 5,12 Prozent auf 21,750 Euro von einem Analystenkommentar. Die Anteilsscheine von Heidelberger Druck gewannen unterdurchschnittliche 0,84 Prozent auf 3,367 Euro. Börsianer zeigten sich enttäuscht, dass der Druckmaschinenhersteller anders als erhofft bei der Ablösung einer bisherigen durch eine neue Anleihe keine wesentlich besseren Konditionen herausschlagen konnte./gl/la

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