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Schwingerkönig Matthias Glarner sollte am Sonntag als Favorit das Unspunnenfest bestreiten. Der Sturz von der Gondel hält ihn davon ab. Dafür ist er in diesen Wochen ein aufmerksamer Beobachter.

Matthias Glarner, seit Ihrem Unfall sind es jetzt acht Wochen her. Wie geht es Ihnen heute? Ist die Genesung im Zeitplan?

"Es ist für mich jeden Tag vorwärts gegangen. Ich darf sagen, dass ich auf einem sehr guten Weg bin. Ich habe noch Krücken, bin aber schon ziemlich mobil und kann Velo fahren. Es sollte möglich sein, dass ich im November normal mit dem Wintertraining beginnen kann."

Wird man Sie am Sonntag in Interlaken sehen?

"Ja, zu 99 Prozent. Vorher habe ich aber noch einen Termin im Inselspital. Als Schwingerkönig habe ich das Privileg, zwei Tickets für Unspunnen kaufen zu können. Von diesem Privileg habe ich Gebrauch gemacht. Meine Freundin wird dort aber auch einiges zu tun haben, denn sie wurde noch in den Mediendienst eingespannt."

Wie stark wurmt es Sie, dass Sie nicht mitschwingen können?

"Je näher das Fest kommt, desto mehr enttäuscht bin ich, dass ich nicht dabei sein kann. Aber das muss sicher so sein. Wenn es mir gleichgültig wäre, müsste ich wohl mit dem Schwingen aufhören. Es wird für mich am Sonntag ganz sicher schwer sein, nicht schwingen zu können. Aber ich muss es akzeptieren. Als Zuschauer bin ich ja immerhin dabei."

Erste und zweite Garde?

Jetzt zum Schwingen. Die Berner traten am letzten Wochenende aus verschiedenen Gründen nicht mit den Allerbesten auf der Schwägalp an und waren den Nordostschweizern trotzdem nahezu ebenbürtig. Sie holten fast gleich viele Kränze und hatten mit Thomas Sempach einen Mann im Schlussgang. Wie werten Sie das?

"Was bei den Bernern von aussen, auch von den Medien, oft als die zweite Garde bezeichnet wird, sind in Wirklichkeit erstklassige Schwinger. Unter den besten acht oder zehn Bernern gibt es heute kaum ein Gefälle. Man spricht halt bei den Bernern rasch von der zweiten Garde, wenn einer nicht Schwingerkönig ist oder schon Unspunnen oder Kilchberg gewonnen hat. Diese zweite Garde würde in den andern Verbänden zur ersten Garde gehören. An der Spitze ist der Berner Verband etwa so stark, wie es die Nordostschweizer vor 10, 15 Jahren waren."

Das tönt so, als würde es am Sonntag für alle Nichtberner schwierig werden, an den Bernern vorbeizukommen.

"So ist es auch. Es wird hart für die andern, weil sie immer wieder starke Berner zugeteilt bekommen. Aber das heisst wieder nicht, dass kein Schwinger aus einem anderen Verband das Fest gewinnen kann. Wenn einer wie Armon Orlik über sich hinauswächst, ist alles offen. Auch andere sind dazu fähig."

Gehen wir die Verbände durch. Wie beurteilen Sie die Nordostschweizer?

Starkes NOS-Trio

"Sie haben ein sehr breites Mittelfeld und vorne weg die drei Spitzenschwinger Armon Orlik, Samuel Giger und Daniel Bösch. Bösch hat den Unspunnen schon gewonnen. Er weiss, wie das geht, und dies sollte man nicht unterschätzen. Als Verband sind die Nordostschweizer nebst den Bernern für mich die Favoriten."

Wie sehen Sie die Innerschweizer mit ihrem Verletzungspech in dieser Saison?

"Sie haben die grösste Breite, sie haben ja auch die meisten Schwinger. Die Verletzungen und die Ausfälle haben natürlich Substanz gekostet. Aber immer noch stellen sie starke Leute. Andreas Ulrich hat immer gut geschwungen, Andi Imhof war an eidgenössischen Anlässen immer stark, und Joel Wicki hat als Junger nichts zu verlieren. Sven Schurtenberger und Marcel Mathis haben in dieser Saison gezeigt, dass sie grosse Feste gewinnen können. Wenn du wie sie das Innerschweizer gewinnst oder den Rigi, gehörst du auch zu den Favoriten. Die Stärkeverhältnisse unter diesen Verbänden sind sicher nicht so klar, wie sie in den Medien dargestellt werden."

Die Trümpfe der Routiniers

In der Nordwestschweiz haben es in den letzten Jahren Bruno Gisler, Mario Thürig und Christoph Bieri gerichtet. Sie sind alle über 30, Gisler sogar deutlich. In dieser Saison kam keiner von ihnen auf die gewohnt guten Ergebnisse. In der Jahreswertung ist keiner von ihnen unter den besten 15 klassiert. Haben die drei den Zenit überschritten?

"Oder aber: Sie haben den Trainingsaufbau so festgelegt, dass sie an Unspunnen auf ihre beste Form kommen. Ich weiss selber, dass man als älterer Schwinger nicht mehr jeden Sonntag die beste Leistung erbringen kann. Solchen Routiniers wie den dreien wird es nichts ausmachen, wenn sie hier oder dort einmal einen Kranz verpassen. Dafür kennen sie sich und ihren Körper gut. Und sie wissen, wie sie die Form auf einen bestimmten Punkt aufbauen können. Gisler, Thürig und Bieri sind heute noch sehr gute Schwinger. Ich würde sie für den Sonntag auf keinen Fall abschreiben. Sie sind sehr zu beachten, sobald sie gut ins Fest hineinkommen."

Die Nordwestschweiz hat jetzt auch wieder gute Junge. Zwei von ihnen sind verletzt, aber Nick Alpiger hat heuer einen starken Eindruck gemacht.

"Ich traue Nick sehr viel zu. Ich konnte ihm in diesem Jahr zuschauen. Er ist sehr talentiert und sehr angriffig. Er ist für mich auf einer ähnlichen Stufe wie Joel Wicki. Er hat grossartig geschwungen in dieser Saison. Wenn er seinen Tag erwischt, kann er am Unspunnen sehr weit vorne platziert sein."

Die Südwestschweizer waren und sind als Verband das fünfte Rad am Wagen.

"Ihnen fehlt im Moment einfach der Leader. Aber es ist schön zu sehen, dass ein paar gute Junge nachstossen. Steven Moser und Lario Kramer darf man hier sicher erwähnen. Es wäre schön, wenn sich dort wieder etwas entwickeln würde - wie im Moment in der Nordwestschweiz."

Wer ist für Sie der erste Favorit in Interlaken?

"Es ist schwer, das festzulegen. Ich sage einfach, dass keiner gewinnen wird, der nicht schon grosse Feste gewonnen hat. Dazu rechne ich auch die Bergkranzfeste und die Teilverbandsfeste. Deshalb bin ich sicher, dass es keinen Überraschungssieger geben wird."

Das Eidgenössische, der Kilchberger Schwinget und das Unspunnenfest sind die drei grossen Anlässe im Schwingen. Wie werten Sie diese untereinander?

"Vom Niveau her ist Kilchberg das Grösste. Es ist unglaublich intensiv. Es sind nur die besten 60 dabei, deshalb hat man dort an einem Tag schier sechs Schlussgänge. Unspunnen hat doppelt so viele Schwinger, aber es ist ebenfalls intensiv, und das Niveau ist auch hoch. Am Eidgenössischen mit 280 Schwingern ist das Niveau automatisch tiefer. Aber das Fest geht über zwei Tage. Es sind in gewisser Weise zwei Feste direkt nacheinander. Gerade die älteren Schwinger haben dort etwas mehr Mühe, weil die Anforderungen an das Durchhaltevermögen über die zwei Tage sehr hoch sind."

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SDA-ATS