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Tennis - 2:12 lautet das Head-to-Head aus der Sicht von Stanislas Wawrinka gegen Novak Djokovic. Trotzdem ist der Waadtländer im heutigen Halbfinal des US Open nicht ohne Chance.
Andy Murray stürmte unmittelbar nach Matchende in die Pressekonferenz, noch während Stanislas Wawrinka das Platzinterview gab. Der Schotte brach damit wohl den inoffiziellen Temporekord von Andre Agassi (am French Open nach dem Spiel gegen Sébastien Grosjean), den auch Roger Federer nach Niederlagen schon im Visier hatte. Der Olympiasieger, Titelverteidiger, Wimbledon-Champion und Australian-Open-Finalist analysierte besser als er gespielt hatte: "Schade, habe ich heute einen schlechten Tag erwischte. Stan hat aber grossartig gespielt und dies war das Hauptproblem. Ich kam zu keinem Breakball, er servierte sehr gut. Er traf oft die Linien, riskierte viel und spielte einfach zu gut."
Als Murray mit seinem Clan wohl schon lange wieder in Manhattan war, trat auch sein Bezwinger vor die Medien. Es versteht sich von selbst, dass Wawrinka strahlte, mit Stolz über eine grossartige Leistung. "Dieser Erfolg figuriert ganz oben in meiner Karriere." Auf die Frage, ob er auch wichtiger sei, als das Olympia-Gold in Peking, verneinte er aber: "Das ist wohl unmöglich. Da habe ich nicht nur für mich gespielt, sondern für die Schweiz und konnte die Freude auf dem Platz mit einem Freund teilen." Dieser Freund, Roger Federer, zählte gestern im Übrigen zu den ersten Gratulanten per SMS.
Ewig und in dieser Ausprägung zu Unrecht im Schatten des Überspielers, erhält Wawrinka nun dieser Tage mehr von jener Aufmerksamkeit, die ihm als einem der besten 10 Berufsleute in einer von 60 Millionen Leuten betriebenen Sportart a priori gebühren würde. Der als Junior mässig begabte Romand, dessen Werdegang die Tennisvariante des klassischen amerikanischen Traums verkörpert, wurde nach absolviertem Medienparcours in die Live-Übertragung von Djokovic gegen Juschni eingeladen, wo er mit John McEnroe sogar in respektablem Englisch kleine Witze machte und seinen Humor bewies. In "Sportscenter", der Sportzusammenfassung auf ESPN, wurde er gestern Vormittag in einem zweiminütigen Bericht mindestens sechsmal als "Iron Stan" bezeichnet.
Und der eiserne Welsche ist heute trotz der eindeutigen Bilanz alles andere als chancenlos. Dies anerkannte auch sein Widersacher, nachdem er mit dem Viersatzsieg gegen Michail Juschni zum siebten Mal in Serie das US-Open-Halbfinalticket gelöst hatte: "Es gibt keinen klaren Favoriten für den Halbfinal. Stan hat heute den Titelverteidiger ohne Satzverlust bezwungen, glaubt an seine Chance und hat nichts zu verlieren."
Rein zahlenmässig betrachtet könnte diese Aussage als die übliche Höflichkeitsbezeugung vor einem Direktduell bezeichnet werden. Schliesslich hat der Serbe, sechsfacher Major-Champion und zum 14. Mal in Serie im Halbfinal, die letzten elf Vergleiche mit einem Satzverhältnis von 26:5 entschieden. Der bislang zweite und letzte Sieg des Halbfinal-Debütanten aus der Romandie datiert vom Oktober 2006 in Wien, als Djokovic zarte 19 Jahre alt war und liegt damit satte 82 Monate zurück.
Es ist aber mehr ehrliche Wertschätzung, denn Djokovic wird sich hüten, Wawrinka auch nur ansatzweise zu unterschätzen. Zu gut in Erinnerung ist ihm der 20. Januar 2013. Im Achtelfinal am Australian Open führte ihn Wawrinka in der ersten Stunde vor und forderte ihn dann in einem epischen Duell aufs Letzte. 1:6, 7:5, 6:4, 6:7 (5:7), 12:10 lautete das Verdikt nach 302 Spielminuten, die wohl jeden Tennisfan vom Sitz rissen. Djokovic gewann dabei nur gerade neun Punkte mehr (209:200). "Es war einer der aufregendsten Matches, die ich in meiner Karriere auf diesem Belag bestritten habe."
Wawrinka verdiente sich in jener Partie höchsten Respekt: Einerseits durch sein fast perfektes Spiel in den ersten beiden Sätzen, aber auch durch sein Powertennis, die positive Einstellung bis zuletzt und das würdevolle Verhalten in der Niederlage. Djokovic gewann drei Runden später seinen sechsten und bislang letzten Major-Titel, aber auch Wawrinka verliess Melbourne als Sieger.

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SDA-ATS