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Stacheldraht in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea. (Symbolbild)

KEYSTONE/EPA/JEON HEON-KYUN

(sda-ats)

Olympia ist immer auch mit supranationaler Symbolik verbunden. Der Sport zur Entschärfung einer jahrzehntelangen Krise? In Südkorea haben sich zwei Schweizer Experten mit dem ostasiatischen Sonderfall befasst und glauben an eine politische Klimaerwärmung im Norden.

Jean-Jacques Joss überwachte während fünf Jahren die nach dem Koreakrieg geschaffene demilitarisierte Zone, die Korea in den demokratischen Süden und den kommunistischen Norden trennt. Der Schweizer Divisionär kennt die politische Situation im geteilten Land. An einen nachhaltigen Impact der Winterspiele glaubt er nicht: "Ich habe Zweifel, dass sich wirklich etwas verändert. Aber die Hoffnung stirbt bekanntermassen zuletzt."

Kim Jong Un habe mit seiner Botschaft zum letzten Jahreswechsel, das Hockey-Team der Gastgeber personell zu unterstützen und eine rund 600-köpfige Olympia-Delegation abzustellen, strategisch klug gehandelt. "Der Zeitpunkt war perfekt. Er hat mit seiner Geste eine gewisse Unsicherheit beseitigt und zeigte, dass er in der Lage ist, ohne die Schutzmacht USA einen direkten Kontakt aufzunehmen."

Gunst der olympischen Stunde genutzt

Angesichts der nun anziehenden Sanktionen gegen den Norden habe der Machthaber Kim Jong Un die Gunst der olympischen Stunde genutzt, so Joss. Die Erwärmung des politischen Klimas sei generell zu relativieren. Der Zweisterne-General hat auch schon andere Wortmeldungen des Regimes empfangen: "Einmal drohten sie, aus Seoul ein Feuermeer zu machen." Man gewöhne sich an die Rhetorik des Nordens: "Ernst nimmt sie im Süden kaum jemand."

Skepsis ausgelöst hat gemäss Joss die Ankunft der Jubel- und Sportkolonne der früheren Kriegspartei. Konservative Kräfte demonstrierten in der Hauptstadt. Der überaus moderate Umgang mit dem Thema an der Eröffnungszeremonie entschärfte die Debatte umgehend. Pyeongchang stand im Mittelpunkt, nicht die suspekten Gäste aus Pjöngjang. "Es war erfreulicherweise keine Propaganda - für keinen der beiden Staaten."

Mit der politischen Entwicklung in Ostasien befassen sich selbstredend nicht nur militärische Beobachter, sondern auch andere Interessenvertreter. André Lüthi beispielsweise gilt als profunder Kenner der nordkoreanischen Situation. Der Berner Reiseunternehmer organisiert seit Jahren geführte Touren in einem Land, das international nahezu isoliert ist.

"Früher wurde wir Schritt für Schritt begleitet", erinnert sich Lüthi an seine ersten Trips. "Es gab kaum Läden oder Reklame. In jedem Winkel war die Angst zu spüren, dass die fremden Besucher Böses im Sinn haben könnten." So verschlossen wie früher seien die Menschen nicht mehr. Auf der Strasse rollen Autos der Marke Eigenbau, Shops bieten Produkte an. "In den letzten Jahren hat sich sehr viel verändert."

Internet ist verbotenes Terrain

Dem im Westen vorzugsweise verbreiteten Bild des kollektiven Anachronismus hält Lüthi seine Erfahrungswerte entgegen: "In Pjöngjang besitzen 30 Prozent ein Smartphone. Die Analphabetenrate beträgt kaum vier Prozent, die Ausbildung ist generell sehr gut." Nur: Der Informationsfluss wird von der Regierung gesteuert und kontrolliert, ein Teil der Bevölkerung surft im Intranet, das Internet ist verbotenes Terrain.

"In Nordkorea geht es immer um das Bild des Helden", sagt Lüthi. Probleme werden kaschiert, die Selbstwahrnehmung ist erheblich verzerrt. "Das gilt aber für beide Seiten." Der frühere Unternehmer des Jahres lotst pro Jahr rund 30 bis 50 Schweizer in die Diktatur und stellt im gleichen Atemzug klar: "Menschenrechtsverletzungen verurteile ich aufs Schärfste. Doch einmal sehen ist besser als tausendmal hören."

Das Geschäft seines Lebens wittert er kaum, aber die Chance, auf mikrokosmopolitischer Ebene etwas Positives zu bewegen: "Reisen ist ein Beitrag zur Öffnung - genauso wie der Sport mit den Winterspielen." Die olympische Annäherung wertet der Globetrotter-CEO als untrügliches Zeichen: "Das System bricht auf. Die Frage wird sein, wie ist eine fundamentale Veränderung möglich, ohne dass jemand das Gesicht verliert?"

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SDA-ATS