Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus der Revolutionsgarden sind im unruhigen Südosten des Iran mindestens 27 der Soldaten getötet worden. Eine sunnitische Dschihadistengruppe bekannte sich zum Anschlag.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Mittwoch meldete, ereignete sich die Explosion auf einer Strasse zwischen den Städten Chasch und Sahedan in der Provinz Sistan und Belutschistan. Diese Provinz liegt nahe an der Grenze zu Pakistan.

Die Revolutionsgarden erklärten, die Grenzwächter der Garden seien auf dem Rückweg von der Grenze gewesen, als ein mit Sprengstoff beladenes Auto neben ihrem Bus explodierte.

Die Gruppe Dschaisch al-Adl (Armee der Gerechtigkeit) habe in einer Erklärung die Verantwortung für den Anschlag übernommen, meldete die halbamtliche iranische Nachrichtenagentur Fars. Die Gruppe fordert mehr Rechte für die ethnische Minderheit der Baluschi.

Für den iranischen Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif steht der Anschlag auch im Zusammenhang mit der Nahostkonferenz in Warschau, die vom Iran als ein Anti-Iran-Treffen bezeichnet wird. "Es ist kein Zufall, dass der Iran genau an dem Tag, an dem der Zirkus in Warschau beginnt, von einem Terroranschlag getroffen wird", twitterte Sarif am Abend.

Anschlag im "tödlichen Dreieck"

Dschaisch al-Adl gilt im Iran als eine salafistische Terrorgruppe. Sie wurde 2012 von Mitgliedern der militanten Dsundullah-Gruppe - Soldaten Gottes - gegründet. Diese führte bis 2010 einen blutigen Widerstandskampf gegen das Regime in Teheran.

Beide Seperatistengruppen haben in den vergangenen Jahren mehrmals Angriffe auf Zivilisten und Militärs verübt. Der Anführer der Dsundullah, Abdolmalek Rigi, wurde 2010 hingerichtet. Seitdem gibt es immer wieder Racheaktionen beider Gruppen.

Durch Sistan-Belutschistan an den Grenze zu Pakistan und Afghanistan läuft eine Drogenschmuggelroute. Immer wieder kommt es in diesem "tödlichen Dreieck" auch zu Zusammenstössen der Revolutionsgarden mit Drogenbanden.

Drei Anschläge in kurzer Zeit

Anfang Dezember waren in der südöstlichen Hafenstadt Tschabahar bei einem Anschlag auf die Polizei zwei Menschen getötet worden. Die Regierung machte damals "vom Ausland unterstützte Terroristen" verantwortlich. Teheran wirft Pakistan und Saudi-Arabien vor, die Dschihadisten in der Grenzregion zu unterstützen.

Ende September kamen in Ahwas 24 Menschen bei einer Parade der Revolutionsgarde ums Leben. Vier Männer in Militäruniform hatten das Feuer eröffnet. Sie wurden getötet.

Ahwas liegt in der Provinz Chusestan, wo mehrheitlich Araber leben. Mit dem Anschlag vom Mittwoch gab es im Iran demnach innert knapp secht Monaten drei Angriffe auf Sicherheitskräfte mit blutigem Ausgang.

Sunniten fühlen sich diskriminiert

Die Bevölkerung des Iran ist zu 90 Prozent schiitisch, doch gibt es eine starke sunnitische Minderheit, die seit langem über Diskriminierung klagt.

Die Revolutionsgarden bilden neben der regulären Armee die zweite ‎Säule der iranischen Streitkräfte. Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden ist der oberste Führer ‎Ajatollah Ali Chamenei, nach der Verfassung das iranische Staatsoberhaupt.

Der jüngste Anschlag ereignete sich zwei Tage nach dem 40. Jahrestag des Siegs der Islamischen Revolution 1979. Das Jubiläum war am Montag in Teheran und anderen Städten mit offiziellen Kundgebungen gefeiert worden.

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