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In Ägypten hat die entscheidende zweite Runde der Präsidentenwahl begonnen. Zur Wahl stehen der religiös-konservative Kandidat Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft und Ahmed Schafik, der letzte Regierungschef des gestürzten Machthabers Husni Mubarak.

Die beiden Bewerber waren aus der ersten Runde der Präsidentenwahl im Mai als Sieger hervorgegangen, bei der keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hatte. Viele Ägypter sehen die zweite Runde als Entscheidung zwischen zwei Übeln.

Am Samstag bildeten sich in Kairo noch vor der Öffnung der Wahllokale lange Schlangen. Die Wahl endet am Sonntagabend. Mit ersten inoffiziellen Ergebnissen wird in der Nacht zum Montag gerechnet, das offizielle Ergebnis soll am 21. Juni bekanntgegeben werden.

Das Militär mobilisierte rund 400'000 Soldaten, um die Sicherheit zu gewährleisten. Eine ägyptische Beobachtergruppe erklärte am Samstag, die Abstimmung verlaufe bisher reibungslos. Auch internationale Wahlbeobachter hatten keine Hinweise auf Unregelmässigkeiten.

Keine Verfassung und kein Parlament

Die Wahl findet in einer turbulenten politischen Situation statt. Der neue Präsident wird sein Amt antreten, ohne dass es eine Verfassung gibt, die seine Aufgaben und seine Rolle im Staat definiert.

Ausserdem existiert kein Parlament, denn vergangene Woche annullierte das Verfassungsgericht das Ergebnis der Parlamentswahl und ordnete die Auflösung der Volksvertretung an. Die Muslimbrüder, die als Sieger aus den Wahlen hervorgegangen waren, werteten den Richterspruch als Staatsstreich.

Mursi gab sich bei der Stimmabgabe in seiner Heimatstadt Sagasig im Nil-Delta nördlich von Kairo betont fromm. "Wenn Gott es so will, werde ich Euch in ein neues Ägypten führen", sagte er vor den Fernsehkameras.

Schafik vermied bei seinem Votum jede Öffentlichkeit. Ein mächtiges Aufgebot von Sicherheitskräften begleitete den Ex-General und sperrte das Wahllokal in Kairo ab, als er seine Stimme abgab. Den Schauplatz verliess er durch eine Hintertür, wie ägyptische Medien berichteten.

Militär wird Einfluss behalten

Mit der Entscheidung zur Auflösung des Parlaments stellte das Gericht den gesamten Zeitplan zur Übergabe der Macht vom Militärrat an eine demokratisch gewählte Regierung in Frage. Für die 82 Millionen Ägypter liegt die Zukunft ihres Landes damit im Nebel.

Nur eins ist klar: Wer auch immer die Präsidentenwahl gewinnt, das Militär, das das Land seit Mubaraks Sturz führt und die Macht eigentlich in zivile Hände abgeben soll, behält seinen entscheidenden Einfluss.

SDA-ATS