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Der Selbstmordanschlag richtete sich gegen einen Buskonvoi, der tausende Menschen aus zwei belagerten Ortschaften im Nordwesten Syriens herausgebracht hatte.

KEYSTONE/EPA SANA/SANA HANDOUT

(sda-ats)

Über die Hälfte der mehr als 100 Opfer eines verheerenden Bombenanschlags auf Busse im Norden Syriens waren Aktivisten zufolge Kinder. Die Zahl der Toten sei auf mindestens 126 gestiegen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag.

Davon seien 68 Kinder und 13 Frauen gewesen. Es gebe zudem viele Verletzte. Eine Bombe war am Samstag westlich der Stadt Aleppo explodiert, wo die Busse auf ihre Weiterfahrt warteten.

Zunächst war unklar, wer für das Attentat in dem von Rebellen kontrollierten Ort Al-Raschidin verantwortlich war. Niemand bekannte sich zu der Tat. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sprach von einem Anschlag von "Terroristen". Oppositionsaktivsten beschuldigten hingegen Regierungsanhänger, hinter der Bombe zu stecken.

Der Selbstmordanschlag hatte sich gegen einen Buskonvoi gerichtet, der tausende Menschen aus zwei belagerten Ortschaften im Nordwesten Syriens herausgebracht hatte. Der Attentäter sprengte sich neben dutzenden Bussen in die Luft. In den Fahrzeugen sassen Bewohner der beiden von Rebellen belagerten Ortschaften Fua und Kafraja im Nordwesten Syriens.

Die Evakuierung aus den beiden Orten war zuvor im Zuge eines Abkommens vereinbart worden. Sie war am Freitag nach mehrfachen Verzögerungen angelaufen, jedoch bald ins Stocken geraten.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist in Grossbritannien ansässig und stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen, sie haben sich jedoch als zuverlässig erwiesen.

Evakuierung nach zweijähriger Belagerung

Die Einwohner von Fua und Kafraja in der nordwestlichen Provinz Idlib waren mehr als zwei Jahre lang von Aufständischen belagert worden. Sie sollen nun nach Aleppo, in die Hafenstadt Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus gebracht werden. Ihre Weiterreise wurde schliesslich am Samstagabend nach schwierigen Verhandlungen ermöglicht.

Die Einigung sieht vor, dass im Gegenzug etwa 2220 Menschen die von Regierungskräften eingeschlossenen Orte Madaja und Sabadani verlassen. Der Iran als Verbündeter der Regierung und Katar als Unterstützer der Rebellen hatten das Abkommen zwischen den Kriegsparteien vermittelt.

Kritiker verurteilen die Einigung über den Abzug von Tausenden Menschen aus den vier Orten als Zwangsbevölkerungsaustausch. In den vergangenen Monaten waren nach Abkommen zwischen Regierung und Rebellen bereits mehrere von der Regierung belagerte Orte evakuiert worden. Die Opposition wirft den Regierungskräften vor, diese Gebiete durch Aushungern und Bombardierungen zur Aufgabe gezwungen zu haben.

Der UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien zeigte sich "entsetzt" über den Anschlag. Den Attentätern seien Menschenleben völlig gleichgültig. Papst Franziskus sprach am Ostersonntag in Rom von einem "schändlichen Angriff". Der Krieg in Syrien höre nicht auf, "Tod und Schrecken" zu verbreiten.

SDA-ATS

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