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Philippinische Soldaten am Montag im Süden des Landes bei einer Strassenkontrolle.

Keystone/EPA/BEN HAJAN

(sda-ats)

Auf den Philippinen hat die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung einer deutschen Geisel zeigt. Die deutsche und die philippinische Regierung bestätigten den Tod des im November entführten 70-jährigen.

Die Aufnahme von Abu Sayyaf zeigt nach Angaben der auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierten US-Expertengruppe SITE, wie ein Extremist den Mann mit einer Machete tötet.

Zuerst hatte die philippinische Regierung die Tat bestätigt. Ein Berater von Präsident Rodrigo Duterte verurteilte am Montag in Manila die "barbarische Enthauptung".

Die deutschen Sicherheitsbehörden prüften das Video eingehend, bevor das Auswärtige Amt das Video ebenfalls für authentisch erklärte. Der Deutsche sei "von terroristischen Entführern auf den Philippinen barbarisch ermordet worden", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Nach "Wochen der Sorge" bestehe nun "traurige Gewissheit".

Merkel: "Abscheuliche Tat"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "abscheulichen Tat". Diese zeige, "wie gewissenlos und unmenschlich diese Terroristen vorgehen", erklärte Merkel. "Wir alle müssen zusammenstehen und den Kampf gegen sie führen."

Der Deutsche war vor mehr als drei Monaten auf einer Segeltour zusammen mit seiner Lebensgefährtin überfallen und verschleppt worden. Die 59 Jahre alte Frau wurde damals bereits getötet.

Um Hilfe gefleht

Der Mann war auf der Insel Jolo im Südwesten des Inselstaats gefangen gehalten worden, die als Hochburg der Terrorgruppe gilt. Das letzte Lebenszeichen stammte von Mitte Februar, als er in einer Videobotschaft um Hilfe flehte.

Abu Sayyaf hatte mit seiner Ermordung gedroht, falls nicht bis Sonntag 08.00 Uhr MEZ ein Lösegeld von 30 Millionen philippinischen Pesos (rund 610'000 Franken bezahlt werde. Die philippinische Regierung selbst bezahlt in der Regel keine Lösegelder.

Das Paar war im Juni 2008 schon einmal überfallen worden. Damals hatten schwerbewaffnete Piraten vor Somalia das deutsche Paar verschleppt. Erst nach annähernd zwei Monaten kamen die beiden damals frei. Nach Medienberichten wurden damals 600'000 US-Dollar Lösegeld gezahlt. Offiziell gab es dafür aber nie eine Bestätigung.

Zwei Dutzend weitere Geiseln

Abu Sayyaf hat nach Schätzungen etwa zwei Dutzend weitere Geiseln in ihrer Gewalt. Kurz vor Ablauf der Frist hatte die philippinische Luftwaffe trotz der Gefahr für die Geisel Verstecke der Terrorgruppe angegriffen. In der Region werden etwa 60 Kämpfer vermutet. Wie ein Militärsprecher mitteilte, bereiteten sich Bodentruppen auch eine Offensive auf Jolo vor.

Im Süden der mehrheitlich katholischen Philippinen kämpfen muslimische Separatisten seit den 1960er Jahren für Autonomie. Unter dem Einfluss von Al-Kaida entstand 1991 die Organisation Abu Sayyaf ("Schwertträger"), die die Bevölkerung mit Anschlägen terrorisiert und ihren Kampf mit der Entführung von Ausländern und Lösegeld-Erpressungen finanziert. 2014 schwor sie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue.

Die Gruppe trat schon mehrfach mit brutalen Aktionen in Erscheinung. In diesem Jahr wurden zwei Kanadier entführt und enthauptet - angeblich, weil kein Lösegeld gezahlt wurde.

SDA-ATS

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