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Der Versicherungskonzern Zurich wird auf eine harte Probe gestellt. VR-Präsident Josef Ackermann ist am Donnerstag per sofort zurückgetreten. Er reagierte damit offenbar auf Vorwürfe der Familie von Finanzchef Pierre Wauthier, der sich das Leben genommen hat.

"Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies auch sein mag", wird Ackermann im Communiqué der Zurich vom Donnerstag zitiert. Worauf die Annahme gründet, wurde nicht mitgeteilt.

Ackermann sieht aber eine weitere erfolgreiche Führung des Verwaltungsrates infrage gestellt. "Um jegliche Rufschädigung zu Lasten von Zurich zu vermeiden, habe ich beschlossen, von allen meinen Funktionen im Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung zurückzutreten."

Erschüttert über Wauthiers Tod

Der unerwartete Tod Pierre Wauthiers habe ihn zutiefst erschüttert, erklärte Ackermann. Wauthier war am Montag tot in seiner Wohnung im Kanton Zug aufgefunden worden. Er hat sich laut der Polizei mit grosser Wahrscheinlichkeit selbst getötet. Die Hintergründe des Suizids wurden nicht bekannt.

"Wir haben keine Konflikte festgestellt, die zu einem solchen Tod führen könnten oder sollten", sagte Konzernchef Martin Senn der "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens SRF. Ein Konzernsprecher ergänzte, Zurich plane keine interne Untersuchung, biete aber Unterstützung bei einer allfälligen Untersuchung durch die Behörden an und stehe den Hinterbliebenen zur Seite.

Wauthier hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Der Franzose, der auch einen britischen Pass besass, wurde 53 Jahre alt. Er war nach Tätigkeiten im französischen Aussenministerium und bei der Investmentbank JP Morgan 1996 zur Zurich gekommen. Nach verschiedenen Stationen etwa bei der US-Tochter Farmers wurde er im Oktober 2011 zum Finanzchef des ganzen Konzerns ernannt.

Mit Wauthier starb zum zweiten Mal in kurzer Zeit ein Top-Manager eines Schweizer Konzerns. Vor einem Monat wurde Swisscom-Chef Carsten Schloter tot in seiner Wohnung gefunden. Die Polizei ging ebenfalls von einem Suizid aus. Er hatte in Interviews von Überlastungs-Symptomen und auch von familiären Problemen durch seine Scheidung vor einigen Jahren gesprochen.

Lücken verunsichern

Ackermann war nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank seit März 2012 Verwaltungsratspräsident der Zurich. Sein Rücktrittsentscheid wird von den anderen Verwaltungsräten laut Communiqué respektiert und "mit grösstem Bedauern angenommen".

Die Anleger reagierten verunsichert. Der Aktienkurs des gemessen an der Marktkapitalisierung fünftgrössten europäischen Versicherers geriet zu Handelsbeginn unter starken Druck. Der Titel verlor bis zu 3,8 Prozent an Wert, erholte sich dann aber teilweise. Zum Schluss notierte er 2,5 Prozent unter dem Kurs des Vorabends.

Der Rücktritt Ackermanns komme unerwartet und abrupt, erklärten Analysten. Viele Fragen seien offen und es dürfte schwierig sein, die Führungsstruktur schnell zu stabilisieren, kommentierte die ZKB. Den Posten des Finanzchefs hat Vibhu Sharma, der das Gruppen-Controlling leitet, ad interim übernommen. Für Ackermann springt sein Stellvertreter Tom de Swaan ein.

De Swaan und CEO Senn wollen sich am Freitag den Fragen von Analysten und Investoren stellen. Das von Konzernchef Martin Senn operativ geführte Unternehmen hat zuletzt die Erwartungen verfehlt. Im ersten Halbjahr 2013 ist der Gewinn 17 Prozent auf 1,9 Mrd. Dollar gesunken, was aber vor allem an Kosten für die Überschwemmung in Mittel- und Osteuropa lag.

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SDA-ATS