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Nach dem Angriff auf christliche Kopten in Ägypten wurden die ersten der 28 Toten beerdigt. Die ägyptische Luftwaffe griff derweil Ausbildungscamps von Dschihadisten im Nachbarland Libyen aus der Luft an.

Keystone/AP/AMR NABIL

(sda-ats)

Nach dem Angriff auf Christen in Ägypten hat die Luftwaffe des Landes Ausbildungslager von Dschihadisten im Nachbarland Libyen bombardiert. Präsident al-Sisi sagte in einer Fernsehansprache, Ägypten werde nicht zögern, weitere "Terroristencamps" anzugreifen.

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, die Luftwaffe habe sechs Ausbildungscamps von Extremisten in der libyschen Küstenstadt Derna angegriffen.

Ziel war nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena unter anderem das Hauptquartier des Schura-Rats der Mudschaheddin in der ostlibyschen Stadt Derna. Laut dem Sender Al-Arabiya gab es auch Todesopfer unter den Extremisten.

Bei dem Terrorangriff bewaffneter Männer auf den Bus mit Christen waren am Freitag im Zentrum Ägyptens mindestens 28 Menschen getötet und 22 weitere Menschen verletzt worden. Das Fernsehen zeigte Bilder des völlig zerstörten Busses der christlichen Reisegruppe. Er sollte die Kopten zu einem Kloster in der Provinz Minja südlich von Kairo bringen.

Die vermummten Angreifer beschossen das Fahrzeug nach Angaben des Innenministeriums mit Automatikwaffen und flohen anschliessend. Unter den Toten sind demnach auch zahlreiche Kinder. Zu dem Angriff bekannte sich zunächst niemand.

Die Terrormiliz Islamischer Staats (IS) hat der grössten christlichen Gemeinde im Nahen Osten jedoch den Kampf angesagt. Die Extremisten werfen den Kopten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben. Der koptischen Minderheit gehören rund zehn Prozent der 90 Millionen Ägypter an.

Opfer beerdigt

Die ersten der Opfer wurden in dem der Stadt Maghagha beerdigt. An der Trauerfeier nahmen tausende Menschen teil. Sie forderten von Präsident Abdel Fattah al-Sisi einen besseren Schutz für die Kopten.

US-Präsident Donald Trump verurteilte das Attentat. "Das Blutvergiessen der Christen muss ein Ende haben und alle, die ihren Mördern helfen, müssen bestraft werden", forderte er. Papst Franziskus äusserte sich "tief betrübt" über die "barbarische" Gewalttat.

Auch UNO-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff aufs Schärfste. "Es kann keine Rechtfertigung geben für solch furchtbare Gewalt", sagte er. Guterres sprach den Opfern und den Hinterbliebenen sowie Regierung und Volk Ägyptens sein Mitgefühl aus.

Gewalt gegen Christen

In den vergangenen Wochen waren bei mehreren Angriffen auf koptisch-orthodoxe Kirchen dutzende Menschen getötet worden. Anfang April wurden bei Anschlägen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo insgesamt 45 Menschen getötet. Zu der Tat bekannte sich der IS. Staatschef al-Sisi rief daraufhin einen dreimonatigen Ausnahmezustand aus.

Zuvor hatte sich im Dezember 2016 ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in einer koptischen Kirche in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden getötet und dutzende weitere verletzt. Auch diesen Anschlag reklamierte der IS für sich. Im Februar rief die Terrormiliz in einem Video zu Gewalt gegen Kopten auf, hunderte Angehörige der Minderheit flohen von der Sinai-Halbinsel.

Die ägyptische Luftwaffe hatte bereits im Februar 2015 Angriffe auf IS-Stellungen in Libyen geflogen. Zuvor hatten IS-Kämpfer ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung von 21 Christen zeigte.

SDA-ATS

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