Der scheidende Armeechef Philippe Rebord will Vorgaben überarbeiten lassen, damit ein für untauglich befundener Transmann Dienst in der Schweizer Armee leisten kann. Die Armee müsse sich anpassen und weiterentwickeln, sagte er in einem Interview.

Militärärzte haben den Transmann für untauglich befunden, obwohl er die medizinischen Tests bestanden hat und unbedingt Dienst leisten möchte. In der Folge legte der Aspirant Rekurs ein.

Rebord nahm am Freitag in einem Interview mit der Gratiszeitung "20 Minuten" Stellung. Eine Sonderkommission werde sich mit dem Fall befassen. Grundsätzlich ist Rebord der Ansicht, dass auch Transmenschen ein Anrecht haben, Dienst zu leisten, wenn sie alle Anforderungen erfüllen. "Das Handbuch werden wir überarbeiten."

Zahlenmässig sind die Fälle tief. Militärärzte sind aktuell durchschnittlich mit 18 Transsexualitätsdiagnosen pro Jahr konfrontiert. Streng nach Buchstabe gilt Transsexualität zwar nach wie vor als Grund, diese Menschen als dienstuntauglich zu erklären, in der Praxis passt sich die Armee jedoch den gesellschaftlichen Realitäten an.

Rebord verwies im Interview darauf, dass die Armeeführung schon länger viel Wert auf Diversity-Management lege, auch in der Ausbildung der Kompaniekommandanten. Entsprechende Kurse gibt es bereits seit den Neunzigerjahren. Seit Anfang April kümmert sich auch eine neue Dienststelle um die Integration von Transmenschen in die Armee.

"Einem Bürger eine Antwort geben"

Bezüglich Transsexualität das Eis gebrochen hatte ein Armeeangehöriger im Jahr 2013, der ursprünglich als Mann hundert Diensttage absolviert und sich nach einer Geschlechtsumwandlung erfolgreich für einen friedensfördernden Einsatz in der Swisscoy im Kosovo gemeldet hatte.

Im neusten Fall sieht Rebord eine Chance. Die Armee müsse erneut über die Bücher gehen und "einem Bürger eine Antwort geben, der seine Bürgerpflichten erfüllen will".

Einen weiteren Schritt in eine gendergerechte Zukunft will die Armee im kommenden Jahr machen. Die Eidgenössische Kommission für Jugend- und Rekrutenbefragung (ch-x), in der auch die Armee vertreten ist, plant ab 2020 eine umfassende Erhebung. Dabei soll auch eine Frage zum "gefühlten Geschlecht" integriert werden.

Neue Anreize schaffen für Frauen

Im Zusammenhang mit einer weiteren Minderheit in der Armee erklärte Rebord, er wünsche sich mehr Frauen im Heer. Mit neuen Anreizen und kreativen Ideen sollen junge Frauen frühzeitig für einen Dienst in der Armee sensibilisiert werden. Der heutige Orientierungstag finde mit 18 Jahren spät statt. "Wir müssen junge Frauen aber schon mit 15 bis 16 Jahren erreichen."

Frauen haben laut Rebord eine andere Art, auf die Bevölkerung zuzugehen. Das sehe er im Kosovo, wo der Frauenanteil bei der Swisscoy derzeit bei 22 Prozent liege. In der gesamten Schweizer Armee beträgt er gerade einmal 0,7 Prozent. Und falls die Dienstpflicht für Frauen dereinst an die Urne komme, "werde ich zustimmen".

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