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Polizisten bei der Moschee im Viertel Sainte-Foy, wo sechs Menschen getötet wurden.

Keystone/EPA/ANDRE PICHETTE

(sda-ats)

Ein bewaffneter Angriff auf eine Moschee der kanadischen Stadt Québec mit sechs Toten hat weltweit für Entsetzen gesorgt. Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach am Montag von einem "Terroranschlag", nachdem das Gotteshaus am Vorabend gestürmt worden war.

Wie Augenzeugen berichteten, wurde das Kulturzentrum im Viertel Sainte-Foy am Sonntag zum Ende des Abendgebets angegriffen. Etwa 50 Menschen hielten sich zu diesem Zeitpunkt in der Einrichtung auf, die auch Grosse Moschee genannt wird. Sechs Menschen wurden getötet und rund 20 weitere verletzt.

"Es ist entsetzlich", sagte der Moschee-Leiter Mohammed Yangui der Nachrichtenagentur dpa. "Diese Menschen kommen jeden Tag friedlich zum Beten, aber jetzt werden einige von ihnen nie wieder vom Gebet nach Hause zurückkehren. Ich bin schockiert, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich fühle."

Nur ein Festgenommener verdächtigt

Die Polizei nahm kurz nach der Tat einen kanadischen Studenten marokkanischer Herkunft beim Verlassen der Moschee fest. Sie liess ihn später aber wieder auf freien Fuss, wie einer seiner Nachbarn der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Bei einem später festgenommenen Verdächtigen handelte es sich Medienberichten zufolge um einen Politikstudenten der Universität Laval, der sich 20 Kilometer ausserhalb der Stadt selbst der Polizei stellte. Der Campus der Hochschule ist nur einige hundert Meter von der Moschee entfernt.

Die Sicherheitsbehörden teilten mit, nur einer der beiden Festgenommenen werde "als Verdächtiger" angesehen. Der andere wurde als Zeuge vernommen und dann wieder freigelassen.

Bei allen sechs Opfern handelte es sich nach Angaben des Kulturzentrums um Kanadier mit ausländischen Wurzeln, darunter aus Marokko und Algerien.

Trudeau: "Vielfalt ist Stärke Kanadas"

Premierminister Justin Trudeau verurteilte das "terroristische Attentat auf Muslime in einem Gotteshaus". Muslimische Kanadier seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Die Vielfalt sei eine Stärke Kanadas.

Québec lehne "diese barbarische Gewalt" ab, erklärte auch der Regierungschef der Provinz Québec, Philippe Couillard. Er rief zur Solidarität mit "allen Einwohnern Québecs muslimischen Glaubens" auf. Vor der Moschee gab es eine spontane Kundgebung.

Nationalistische und islamfeindliche Organisationen, die zuvor Trudeaus tolerante Einwanderungspolitik immer wieder kritisiert hatten, distanzierten sich vom Anschlag

Internationale Reaktionen

Auch international sorgte die Attacke für Entsetzen. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel nannte die Attacke eine "verachtenswerte Tat". Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem Anschlag auf "den Geist des Friedens und der Offenheit" in Québec. US-Präsident Donald Trump sprach Premier Trudeau und dem kanadischen Volk in einem Anruf sein Beileid aus.

Im Vatikan verurteilte Papst Franziskus das Attentat. "Mit dieser unsinnigen Tat sind die Heiligkeit des menschlichen Lebens und der gebührende Respekt gegenüber einer Gemeinschaft im Gebet (...) verletzt worden", hiess es in einem Telegramm des Vatikans am Montag.

Auch die ägyptische Regierung und das Nachbarland Jordanien zeigten sich entsetzt. In den Niederlanden trafen vier der grössten Moscheen neue Sicherheitsvorkehrungen und entschieden, ab sofort während der Gebete die Türen zu schliessen.

Zahl muslimischer Einwanderer wächst

In Kanada wächst die Zahl muslimischer Einwanderer insbesondere aus den Ländern Nordafrikas. Dies führte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten und islamfeindliche Vorfällen im säkularen Land.

So wurde 2015 in Ontario einen Tag nach den Anschlägen in Paris eine Moschee in Brand gesetzt. Andere Moscheen im Land wurden mit rassistischen Graffiti bemalt. Die Attacke in Québec war nun der erste tödliche Anschlag auf eine Moschee in Kanada.

SDA-ATS

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