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Die Müllkrise in Neapel spitzt sich weiter zu. In der Nacht zum Freitag mussten Feuerwehrleute über 50 Mal ausrücken, nachdem verärgerte Anwohner Abfallberge und Mülltonnen in Brand gesetzt hatten.

Der neue Bürgermeister Luigi de Magistris kündigte an, dass künftig bewaffnete Wachleute die Müllwagen in der süditalienischen Millionenstadt am Vesuv eskortieren werden.

Dies sei nötig, weil organisierte Banden die Müllkrise weiter anheizen würden, sagte De Magistris am Donnerstag bei der Unterzeichnung einer entsprechenden Verordnung. Diese gilt für einen Monat.

"Die sanitäre und Umweltsituation ist ernst", fügte der erst seit wenigen Tagen amtierende Bürgermeister hinzu. "Es gibt ein wahres Risiko für die Gesundheit der Bürger."

In einem Interview mit der italienischen Zeitung "La Repubblica" sagte De Magistris, verschiedene Kreise wünschten, dass Neapel "unter Müll begraben" bleibe - sei es aus politischen, sei es aus illegalen Interessen. Eine funktionierende Abfallbeseitigung würde Arbeitsplätze schaffen und der Wirtschaft helfen. Dies gefalle einigen nicht.

De Magistris hatte der Mafiaorganisation Camorra zuvor vorgeworfen, die von ihm angestrebte "Umweltrevolution" zu bekämpfen, weil die geplanten Gesetze zur Entsorgung und zum Recycling von Abfällen der Mafia eine Geschäftsgrundlage entziehen. Das Müll-Geschäft ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der neapolitanischen Camorra.

Napolitano fordert Regierung zum Handeln auf

Der italienische Präsident Giorgio Napolitano hatte angesichts drohender Epidemien in Neapel ein dringendes Einschreiten der Regierung gefordert. Die Stadt bekommt ihre Müllentsorgung seit Jahren nicht in den Griff, Deponien und Wiederaufbereitungsanlagen sind überlastet.

Zudem wehren sich zahlreiche Anwohner gegen die weitere Nutzung oder Vergrösserung der überfüllten Deponien. In den vergangenen Wochen hatten sich wieder hohe, in der Sommerhitze übelriechende Müllberge aufgetürmt. Im Mai rückte gar die Armee aus, um der Situation Herr zu werden.

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SDA-ATS