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Ausstellung "Blinde Passagiere" im Aargauer Kunsthaus in Aarau

Das Ölgemälde "Zelt I" (1969) von Hugo Suter ist in der Ausstellung "Blinde Passagiere" im Aargauer Kunsthaus in Aarau zu sehen. Die Schau dauert vom 27. Januar bis 15. April 2018.

Brigitt Lattmann, Aarau

(sda-ats)

Unter dem Motto "Blinde Passagiere. Eine Reise durch die Schweizer Malerei" macht das Aargauer Kunsthaus in Aarau mit lange verborgenen Schätzen bekannt. Es zeigt zahlreiche thematische Werkgruppen von Kunstschaffenden aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Mit mehr als 250 Exponaten von rund 130 Künstlerinnen und Künstlern erinnert die monumentale Aarauer Ausstellung sowohl an die "Armory Show" in New York als auch an den "Ersten Deutschen Herbstsalon" in Berlin.

Hatten jene legendären Ausstellungen 1913 einen repräsentativen Querschnitt durch die damalige Avantgarde vermittelt, so liefern die "Blinden Passagiere" jetzt ein verlässliches Bild der kaum in einem Museum zu sehenden Schweizer Kunst vor allem aus der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts.

Ausnahmen bilden ein paar wenige etablierte Künstler, die wie Leuchttürme aus dem Meer von heute unbekannten herausragen, allen voran Cuno Amiet, Arnold Böcklin, Rudolf Koller, Louis Soutter oder Félix Vallotton.

Verborgen im Zwischendeck

Wie die beiden Kuratoren Thomas Schmutz und Peter Suter im Katalog schreiben, verstehen sie unter den ausgestellten "Blinden Passagieren" lauter Kunstschaffende, "die sich auf Zwischendecks verbergen, im dunklen Bauch der Kunstgeschichte, ohne gültige Fahrkarte für die Unsterblichkeit, aber mit Qualitäten ausgestattet, die jenen ihrer berühmten Zeitgenossinnen und Zeitgenossen nicht nachstehen".

Aus den museumseigenen Beständen rekrutieren sich vorwiegend Grossformate, während die kleineren weitgehend aus der privaten Sammlung von Peter Suter stammen. Der Basler Sammler war schon Hauptleihgeber der Ausstellung "Stille Reserven. Schweizer Malerei 1850-1950" gewesen, die 2013 im Aargauer Kunsthaus für Aufsehen gesorgt hatte.

Originell konzipierte Themengruppen

Das riesige Angebot an Gemälden und Grafik gliedert sich in siebzehn thematische Gruppen, von denen jede einen Raum für sich beansprucht. Erzeugt das Thema "Zahm und wild" mit Werken unter anderem von Paul Camenisch, Jürg Kreienbühl, Joseph von Moos, Guido Nussbaum und der berühmten "Luna" (1920) von Wilhelm Schmid extreme Gegensätze, so machen etwa Hans Emmenegger, Mireille Gros, Robert Strübin und Oskar Tröndle in "Randabfallend" überraschende Berührungen von figurativer mit abstrakter Malerei sichtbar.

"Schweres Wasser" lastet auf Gemälden von Hans Berger, Numa Donzé und Otto Roos, "In der Luft" bewegen sich Kunstwerke von Maria La Roche, Theo Modespacher, Paul Wyss und weiteren Unbekannten. "Genau genommen" gilt für die malerische Präzision von Künstlern der Neuen Sachlichkeit, "Verzweigungen" beinhalten Baumstudien, die miteinander dialogisieren.

Weitere Themen wie "Treibhäuser", "Blicke", "Sanfte Hügel", "Sound" oder "Zum Stadtrand" laden ebenfalls zu abenteuerlichen Entdeckungen ein, die der verschwenderisch reichhaltigen Ausstellung Ereignischarakter verleihen.

Für Höhepunkte und besonders grosse Überraschungen sorgen der kubistische "Sackträger" (um 1913) des Basler Avantgardisten Fritz Baumann, der riesige Vierteiler "Die vier Jahreszeiten im Uerketal" von Giuseppe Canova und Jean-Pierre Viollier, der auf poetische Weise neusachliche mit surrealistischer Malerei verknüpft.

Verfasser: Walter Labhart, sfd

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