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Die Digitalisierung verlangt nach neuen Regeln für die Arbeitswelt. Nach Meinung der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Avenir Suisse sind beispielsweise die Vorschriften zur Zeiterfassung veraltet. (Archivbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

(sda-ats)

Avenir Suisse sieht in der Digitalisierung Chancen für den Schweizer Arbeitsmarkt. Die liberale Denkfabrik sieht - wie die Gewerkschaften - Bedarf für neue Vorschriften. Im Vergleich zu den Gewerkschaften will Avenir Suisse losere Leitplanken setzen.

Mit der Digitalisierung verschwimmen Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, wie Avenir Suisse in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt. Darum seien die Vorschriften zur Zeiterfassung veraltet. Es brauche neue Regeln, wodurch die Arbeitszeiten flexibel und zeitgemäss ausgestaltet werden könnten. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit etwa sollte nur noch im Jahresdurchschnitt erfüllt werden müssen.

Für sogenanntes Crowdworking, bei dem Mitarbeiter extern sitzen und über Plattformen arbeiten, brauche es die Einführung des Status eines "selbstständigen Angestellten", sofern die Zahl der Plattform-Arbeiter grösser werde. Noch sei Plattform-Arbeit allerdings volumenmässig unbedeutend, schreibt Avenir Suisse.

Keine "Robokalypse"

Sowieso sei die Digitalisierung in der Schweiz keine digitale Revolution und keine "Robokalypse", sondern ein langsamer, kontinuierlicher Prozess. Den Beweis dafür sieht Avenir Suisse in der tiefen Erwerbslosenquoten.

Auch Telearbeit stagniere mit 5,1 Prozent, ebenso die Quote der Selbständigen (7,6 Prozent). Der Anteil der unbefristeten Arbeitsverhältnisse betrug 2016 dagegen hohe 91,1 Prozent. Auch die befürchtete Polarisierung des Arbeitsmarkts, die Verdrängung der Arbeitskräfte mit mittlerer Qualifikation, sei ausgeblieben.

Informatik ab 5. Klasse

Für den langfristigen Wandel sei eine solide Allgemeinbildung die beste Versicherung, schreiben die Experten von Avenir Suisse weiter. Sie sehen deshalb in der Bildungspolitik Reformbedarf.

Die Berufsbilder in der dualen Berufsbildung müssten breiter gefasst werden, die Berufsmaturität sollte gefördert werden. Auf Hochschulstufe sollten die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) gestärkt werden. Zudem sollte der Informatikunterricht schon ab der 5. Klasse einsetzen.

Beschränkungen für digitale Geschäftsmodelle seien falsche Anstösse, betont die wirtschaftsliberale Institution Avenir Suisse. Dies sei die grösste Gefahr für die Volkswirtschaft. Die Schweiz brauche mehr Digitalisierung, nicht weniger.

Anfang Woche stellte auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund unter der Etikette der Digitalisierung zahlreiche Forderungen. Im Hinblick auf vermehrtes Homeoffice solle etwa entweder das Heimarbeitsgesetz angepasst werden oder das Arbeitsgesetz müsste dahingehend revidiert werden, dass es spezifische Regelungen zum Homeoffice beinhalte.

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SDA-ATS