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Bei dem international scharf kritisierten Referendum auf der ukrainischen Halbinsel Krim hat die Bevölkerung nach Angaben der dortigen Behörden mit überwältigender Mehrheit für einen Beitritt zu Russland gestimmt.

Nach Auszählung der Hälfte der Stimmen votierten etwa 95,5 Prozent für einen Beitritt der Krim zu Russland. Dieses vorläufige Ergebnis teilte der Wahlleiter der prorussischen Führung, Michail Malyschew, am Sonntagabend in Simferopol mit. Die Wahlbeteiligung habe bei etwa 82 Prozent gelegen.

Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow sprach bereits nach Bekanntgabe der ersten Prognosen von einer historischen Entscheidung.

Auf der Krim waren seit dem Morgen rund 1,5 Millionen Bürger aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Da 63 Prozent der Bewohner russische Wurzeln haben, andere Bevölkerungsgruppen zum Boykott aufgerufen hatten und das russische Militär die Halbinsel faktisch längst kontrolliert, war mit einer klaren Mehrheit für die Angliederung an Russland gerechnet worden.

Die Wahlberechtigten hatten keine Möglichkeit, für einen Verbleib der autonomen Region in der Ukraine zu stimmen. Zur Abstimmung standen nur zwei Optionen: "Sind Sie für die Wiedervereinigung mit Russland?" Oder: "Sind Sie für die Wiederherstellung der Verfassung von 1992 und den Status der Krim als Teil der Ukraine?"

Diese alte Verfassung würde es der Krim erlauben, ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Da die pro-russische Regionalversammlung bereits beschlossen hat, Russland beizutreten, ist eine Eingliederung nur eine Frage der Zeit.

Die EU, die USA und die Regierung in Kiew bezeichneten die Abstimmung allerdings als völkerrechtswidrig. Auch vom Europarat wurde das Krim-Referendum als verfassungswidrig und undemokratisch eingestuft. Die USA kündigten der Regierung in Moskau am Sonntag weit reichende Folgen im Zuge eines möglichen Anschlusses der Krim an Russland an.

Moskau zeigte sich jedoch offen für die Aufnahme der Krim. Bereits am Freitag soll das russische Parlament über ein entsprechendes Gesetz abstimmen.

Tausende Menschen feiern

In Simferopol und Sewastopol, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, feierten am Abend tausende Menschen auf den Strassen. "Ich bin glücklich", sagte Alexander Sorokin in Sewastopol. "Ehrlich, ich bin 60 und hätte nie gedacht, dass ich diesen glücklichen Tag erleben würde."

Vielerorts war die Stimmung jedoch angespannt und es kam auch zu Unregelmässigkeiten. In einem Wahllokal in Sewastopol hatten schon vor dem Beginn der Abstimmung 65 Menschen ihre Stimmen abgegeben, wie ein AFP-Reporter beobachtete.

Für mehr OSZE-Beobachter

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel forderte in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, mehr Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) an Brennpunkte insbesondere in der Ostukraine zu entsenden. Putin bewerte die Initiative positiv, sagte ein Sprecher von Merkel.

Nachdem in der Ostukraine schon in der Nacht zum Samstag laut Polizeiangaben ein prorussischer Aktivist und ein Passant bei Krawallen in Charkow getötet worden waren, stürmten prorussische Demonstranten am Sonntag in der ebenfalls grenznah gelegenen Grossstadt Donezk örtliche Einrichtungen der Staatsanwaltschaft und der Spezialeinheiten.

Die Autonome Republik Krim ist bisher Teil der Ex-Sowjetrepublik Ukraine, der sie 1954 von Kremlchef Nikita Chruschtschow geschenkt worden war.

Moskau betont das Selbstbestimmungsrecht der mehrheitlich russischstämmigen Krim-Bevölkerung und will eine "Rückkehr" der Halbinsel zum Mutterland durchsetzen. Die Krim-Stadt Sewastopol ist seit mehr als 200 Jahren Sitz der russischen Schwarzmeerflotte.

SDA-ATS