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800'000 Kühe, Schafe und Ziegen weiden jeden Sommer auf den Alpen - doch die genutzte Fläche nimmt ab. Die einen Weiden werden übernutzt, andere verbuschen. Dies bedroht die besonders reichhaltige Alpenflora, zeigt das nun abgeschlossene Forschungsprojekt "AlpFUTUR" auf.

Jeden Sommer ziehen rund 17'000 Älplerinnen und Älpler mit ihren Tieren auf die Alpen, schrieb die Projektleitung anlässlich der Schlusstagung in Schüpfheim LU vom Dienstag. Die bewirtschafteten Alpweiden zeichneten sich durch hohe Biodiversität, die traditionelle Bewirtschaftungsweise und hochwertige Produkte aus.

Doch das Idyll bröckelt: Zwar verbringen immer noch annähernd gleich viele Tiere den Sommer auf der Alp, nämlich rund 800'000 - doch zeigen sich grosse regionale Unterschiede. Vielerorts geben Bauern das Sömmern ganz auf, während andernorts die Nutzung guter Weiden intensiviert oder der Alpsommer verlängert wird.

"Diese bipolare Entwicklung ist das Hauptproblem für die Artenvielfalt in den Sömmerungsgebieten", sagte Ko-Projektleiter Stefan Lauber von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Denn sowohl stark genutzte wie auch völlig von Gebüsch überwachsene Flächen beherbergen deutlich weniger Arten.

Für die Pflanzenvielfalt in der Schweiz sind die Alpweiden absolut zentral: Das Biodiversitätsmonitoring hat gezeigt, dass sie mit durchschnittlich 42 Pflanzenarten pro zehn Quadratmeter die höchsten Artenzahlen aller Landschaften der Schweiz aufweisen. Zudem befinden sich drei Viertel der geschützten Moore und Trockenwiesen im Sömmerungsgebiet.

Doch der Wald, in dem deutlich weniger Arten gedeihen, rückt vor. Gemäss dem 4. Schweizerischen Landesforstinventar wuchs die Waldfläche von 2006 bis 2011 um rund 320 Quadratkilometer. Etwa 40 Prozent davon waren zuvor als Sömmerungsweiden genutzt worden.

Artenreiches Mosaik

Den Forschern zufolge gedeihen am meisten Arten auf einem Mosaik aus offener Vegetation und Gebüsch: Flächen, die zu 30 bis 70 Prozent mit Zwergsträuchern bedeckt sind, wiesen eine höhere Artenvielfalt auf als jene mit mehr oder weniger Büschen. "Es wird eine Kunst sein, so ein abwechslungsreiches Mosaik zu erhalten", sagte Thomas Walter von der Forschungsanstalt Agroscope.

Schwierig dürfte es laut den Forschern nicht nur sein, besonders schützenswerte Flächen zu bestimmen, sondern auch die Bauern dazu zu bewegen, sie entsprechend zu bewirtschaften. Bewirtschaftungsverträge könnten dies steuern, schlagen sie vor. Diese sollten die Qualität der Fläche festhalten und für eine attraktive Abgeltung sorgen.

Ökoleistungen im Berggebiet

Der grösste Feind der Artenvielfalt in den Alpen ist jedoch der Milchpreis: Seit die Milchkontingente abgeschafft wurden, sei die Milchproduktion in den Alpen nicht mehr konkurrenzfähig, warnen Walter und Kollegen in einer neuen Facharbeit in "Environmental Science & Policy". Dies führe dazu, dass die Zahl der gesömmerten Tiere abnimmt.

Die Agrarpolitik 2014-2017 soll Gegensteuer geben: Sie sieht unter anderem vor, dass Bauern ab 2014 auch in den Sömmerungsgebieten Beiträge für ökologische Leistungen erhalten - etwa indem sie artenreiche Flächen schützen, Büsche roden oder traditionelle Alpgebäude erhalten.

SDA-ATS