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Einen Tag nach Beginn des Kriegsverbrecherprozesses gegen den früheren bosnisch-serbischen Militärführer Ratko Mladic hat das UNO-Tribunal in Den Haag die Beweisaufnahme auf unbestimmte Zeit vertagt. Die Anklagevertreter in Den Haag haben offenbar Fehler bei der Offenlegung von Beweisen für die Verteidigung gemacht.

Das sagte jedenfalls der Vorsitzende Richter Alphons Orie am Donnerstag zur Begründung. Mladic muss sich 20 Jahre nach dem Beginn des Bosnienkrieges in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verantworten.

Der ehemalige Oberkommandierende der bosnisch-serbischen Truppen wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica an rund 8000 muslimischen Jungen und Männern verantwortlich gemacht. Unter den Zuhörern im Saal in Den Haag waren auch Angehörige der Opfer von Srebrenica.

Selbstbewusster Angeklagter

Der gesundheitlich angeschlagene 70-jährige Mladic winkte am Mittwoch beim Betreten des Saals seinen Anhängern auf der Galerie zu und reckte die Daumen nach oben. Der Militärchef der bosnischen Serben in den 1990er Jahren verhöhnte während der Anklage immer wieder Opfer und Justiz.

Meistens hörte Mladic den Vorwürfen regungslos zu, dann quittierte er unvorstellbare Taten mit verneinendem Kopfschütteln oder abschätzigem Lächeln. Einmal richtete er während der Anklageverlesung seinen Blick auf Munira Subasic, eine der prominentesten Opfervertreterinnen. Mladic fuhr sich dann mit dem Zeigefinger über den Hals, als wolle er ihr die Kehle durchschneiden.

Die Anklage muss Mladics Anwälten Einsicht in alle ihre Beweise gewähren. Richter würden noch das Ausmass der Fehler prüfen, und er wolle sobald wie möglich einen neuen Termin ansetzen, sagte Orie.

Die Anklage hatte bereits Fehler eingeräumt und legte keinen Einspruch gegen die Vertagung ein. Mladics Anwälte forderten eine sechsmonatige Unterbrechung. Ursprünglich sollte die Beweisaufnahme am 29. Mai beginnen.

Videoaufnahmen aus Sarajevo

Zum Prozessauftakt am Mittwoch hatte Ankläger Dermot Groome seine Einleitung mit dem Schicksal eines 14-jährigen Jungen begonnen, dessen Vater und Onkel unter den 150 Männern gewesen seien, die im November 1992 von bosnisch-serbischen Soldaten ermordet worden seien.

Mladics Truppen hätten bis 1995 weiter getötet, bis zum Massaker von Srebrenica. "Als Mladic und seine Soldaten Tausende in Srebrenica ermordeten, waren sie im Handwerk des Mordens gut geübt", sagte Groome dem Gericht.

SDA-ATS