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Zur Neueinschätzung des Erdbebenrisikos für Schweizer Atomkraftwerke sind mehr gesicherte Daten nötig. Die AKW-Betreiber müssen deshalb mit Bohrungen die Bodenbeschaffenheit unter den Werken untersuchen lassen, wie ENSI-Direktor Hans Wanner in einem Interview mit dem "Sonntag" erklärt.

"Wir wollen wissen, ob der Untergrund bei einem Erdbeben dämpfend oder verstärkend wirkt", begründet der Chef des Eidgenössischen Nuklearinspektorats (ENSI) das Vorgehen. Diese Studie (genannt Pegasos Refinement) sei von zentraler Bedeutung für die neue Beurteilung der Erdbebengefährdung.

Nach heutiger Planung sollen die Resultate laut Wanner Ende 2012 vorliegen. Die Betreiber müssten ihre Anlagen dann den neuen Risikogrundlagen anpassen.

Zunächst müssen die AKW-Betreiber laut Wanner bis Ende März folgende Fragen beantworten: Verfügen die AKW über eine diversitäre Wasserversorgung, die auch im Fall einer Überschwemmung die Reaktorkühlung sicherstellen kann? Sind die Brennelementbecken erdbebensicher gebaut? Kann die Kühlung des Beckens über das erdbeben- und überschwemmungssichere Notstandssystem versorgt und gesteuert werden?

Risiko Brennelementbecken

"Vor dem Unfall in Japan ging man davon aus, dass die Becken kein Sicherheitsproblem sind", sagte Wanner. Jetzt habe sich in Fukushima gezeigt, dass auch diese Becken ein Problem werden könnten, wenn die Kühlung versagt. "Im Licht der Ereignisse in Japan müssen wir auch die Kombination von Erdbeben und Hochwasser genau anschauen."

Wanner geht nach heutigem Wissensstand jedoch davon aus, dass die Resultate der Sicherheitsüberprüfungen keine sofortige AKW-Abschaltung zur Folge haben werden - auch wenn Sicherheitsdefizite festgestellt werden. Denn alle sicherheitsrelevanten Systeme erfüllten die heutigen Anforderungen an die Erdbebensicherheit, auch unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse.

Wenn Sicherheitsdefizite festgestellt würden, müssten die AKW-Betreiber bis Ende August Massnahmen vorschlagen und danach "umgehend" umsetzen, sagte Wanner weiter.

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SDA-ATS