Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

Zwei Schwinger haben am Sonntag am Unspunnenfest die Chance, Ausserordentliches zu leisten. Daniel Bösch kann Unspunnen als Erster zweimal gewinnen, und Matthias Sempach strebt den Grand Slam an.

Wer für den Unspunnen-Schwinget in Interlaken seine persönlichen Favoriten bestimmen will, kommt am Namen Christian Stucki nicht vorbei. Er war der Erfolgreichste in einer Saison, in der die meisten Spitzenschwinger Hochs und Tiefs erlebt haben.

Stucki, der beliebte und beleibte Koloss aus dem Seeland, hat in der zu Ende gehenden Saison so viele überzeugende Siege errungen wie kein anderer. Nach dem Gewinn des Kilchberger Schwingets 2008 könnte er am Sonntag den zweiten Teil des dreiteiligen Grand Slam der Schwinger bewältigen. Den Grand Slam erringt man mit Siegen an allen drei Anlässen mit eidgenössischem Charakter: Eidgenössisches Fest, Kilchberger, Unspunnen. Stucki müsste danach auch noch das Eidgenössische gewinnen. Hierfür bekäme er im August 2019 in Zug seine letzte Chance.

Stucki wie eine Walze

Stucki gewann in diesem Sommer nicht nur am meisten Feste, sondern auch auf die überzeugendste Art. Bei drei seiner fünf Festsiege entschied er alle sechs Gänge für sich - und 16 dieser 18 Gänge mit der Maximalnote 10. Indem er zuletzt auf die Teilnahme am Schwägalp-Schwinget verzichtete, gönnte er sich vor dem Saisonhöhepunkt im Berner Oberland ein paar Tage mehr Ruhe.

Auf dem Weg zum Grand Slam, den bis anhin nur Jörg Abderhalden innehat, ist Matthias Sempach einen Schritt weiter als Stucki. Der Emmentaler triumphierte am Eidgenössischen 2013 in Burgdorf und am Kilchberger Schwinget 2014. Er war heuer drauf und dran, eine bemerkenswert gute Saison hinzulegen. Er siegte am Oberaargauischen und am Schwarzsee, bevor er im 2. Gang des Berner Kantonalfests in Affoltern von einer Knieverletzung gestoppt wurde. Noch im Gang davor war ihm gegen Samuel Giger ein vielbeachteter Plattwurf geglückt.

Sempach, das Fragezeichen

Sempach ist nebst Stucki der vermutlich bekannteste aktive Schwinger. Aber wenn es am Sonntagmorgen losgeht, ist er für einmal der grosse Unbekannte. Seit jenem 9. Juli in Affoltern hat er nicht mehr geschwungen. Er hätte vor zwei Wochen am Nordwestschweizerischen in Therwil starten wollen, aber dieses Fest kam für ihn noch zu früh. So weiss Sempach nicht, wozu er beim Comeback fähig ist. Und seine Gegner wissen noch weniger, woran sie sind. Das Anschwingen, in dem Sempach auf den Bündner Mitfavoriten Armon Orlik trifft, könnte die ersten Aufschlüsse geben.

Kilian Wenger, der zweite in Interlaken antretende Schwingerkönig, ist nach verschiedenen Saisons mit oftmals mässigen Ergebnissen wieder im Kommen. Am Berner Kantonalfest bodigte er Stucki im Schlussgang und teilte sich mit ihm den Sieg. Davor hatte er in seiner engsten Heimat das Berner Oberländer Fest gewonnen. An den Eidgenössischen 2013 und 2016 fiel Wenger schon nach jeweils zwei Gängen aus der Entscheidung. Wenn er an Unspunnen gut in den Wettkampf findet - mit einem Sieg im Anschwingen gegen Joel Wicki -, könnte Wenger durchaus der erste Berner Unspunnensieger seit 1987 (Niklaus Gasser) werden.

Wicki als junger Leader

Auf Joel Wicki wiederum lasten hohe Erwartungen. Der Sörenberger ist trotz seiner erst 20 Jahre der unumstrittene Leader in der von Verletzungen und Ausfällen schwer heimgesuchten Innerschweizer Mannschaft. Drei Saisonsiege und der 2. Platz am Nordwestschweizer Fest nach einer fünfwöchigen Verletzungspause sind für den Entlebucher eine hervorragende Referenz.

Die Nordostschweizer stellen drei und nach der bedauerlichen Absage von Samuel Giger am Freitag noch zwei Schwinger, die in jedem Toto vorkommen. Der Bündner Armon Orlik kamen schon letzte Saison auf der Höhe der bösesten Berner an. Dort hat sich zuletzt mit dem Triumph auf der Schwägalp auch wieder der routiniertere Daniel Bösch hingebracht, der Unspunnensieger von 2011. Der St. Galler hat die Chance auf das Double. Er kann der erste Schwinger werden, der das Unspunnenfest zweimal gewinnt.

Starke Berner Phalanx

In den vom eidgenössischen Technischen Leiter Samuel Feller zusammengestellten 15 Spitzenpaarungen für den 1. Gang des Unspunnenfests sind 13 Berner Schwinger vertreten, zwei weniger als theoretisch möglich. In den ersten grossen Duellen werden auch acht Innerschweizer, fünf Nordostschweizer, drei Nordwestschweizer und der junge Steven Moser als einziger Südwestschweizer zu sehen sein.

Feller, selber ein früherer Berner Eidgenosse, konnte nicht umhin, derart viele Berner ins Schaufenster zu stellen. Als Mannschaft waren die Schwinger des BKSV auch in dieser Saison klar am stärksten. Der zum Zuschauen genötigte verletzte Schwingerkönig Matthias Glarner sagt, in seinem Verband gebe es acht bis zehn Schwinger, die die Fähigkeiten hätten, ein Fest mit eidgenössischer Prägung zu gewinnen. Es ist nicht einmal schwierig, so viele starke Berner aufzuzählen. Hinter den drei Gesetzten Matthias Sempach, Kilian Wenger und Christian Stucki folgen nahtlos Remo Käser, Matthias Aeschbacher, Bernhard Kämpf, Thomas Sempach, Simon Anderegg, Willy Graber und Florian Gnägi. Niklaus Zenger und der zugewanderte Curdin Orlik sind immer noch so stark, dass sie in jeder anderen Mannschaft an vorderer Position marschieren würden. Bei allem muss man noch beachten, dass wie Glarner auch Matthias Siegenthaler eine Verletzung auskuriert.

Die Dichte an Spitzenschwingern ist bei den Bernern so ausgeprägt, dass es für die andern Verbände schwer werden wird, alle Berner vom Schlussgang fernzuhalten. Trotz ihres Verletzungspechs sind die Innerschweizer immerhin recht breit aufgestellt. Breiter jedenfalls als die Nordostschweizer, deren Siegesanwärter Samuel Giger, Armon Orlik und Daniel Bösch nicht viele wertvolle Helfer im Gefolge haben.

Der Unspunnensieg wird indessen nicht nur über die Mannschaftsleistung vergeben. Jeder Einzelne hat die theoretische Möglichkeit, alle sechs Gegner auf den Rücken zu legen. Dann nützt den Gegnern jede Teamstärke nichts.

Die Leistungen der Mannschaften werden am Sonntag nicht objektiv zu messen sein. Denn wie am Kilchberger Schwinget geht es am Unspunnenfest einzig um den Sieg. Kränze werden nicht abgegeben.

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

SDA-ATS