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Bonobos sind äusserst pflichtbewusste und treue Artgenossen

Ein Bonobo entlaust seinen Partner: Die Zwergschimpansen sind sich ihrer sozialen Verantwortung gegenüber Artgenossen durchaus bewusst. (Archivbild) KEYSTONE/EPA/BORIS ROESSLER sda-ats
Dieser Inhalt wurde am 18. Dezember 2020 - 20:00 publiziert
(Keystone-SDA)

Bonobos sind äusserst soziale Tieren und pflegen sich etwa gegenseitig ihr Fell. Dabei gehen sie sehr gewissenhaft vor: Sie lassen ihren Partner nicht im Stich, wenn sie kurzzeitig abgelenkt werden, sondern kehren umgehend zu ihm zurück.

Das Forschungsteam um die Biologin Raphaela Heesen von der Universität Neuenburg dokumentierte das Verhalten von Bonobos in einem französischen zoologischen Park, während sich die Tiere gegenseitig oder selbst das Fell pflegten. Dabei unterbrachen sie die Bonobos gelegentlich: Entweder riefen sie den Namen eines Tiers, um es mit einem Rüebli wegzulocken. Oder sie öffneten und schlossen geräuschvoll die Schiebetür des Geheges.

Demnach pflegten achtzig Prozent der Affen ihren Partner nur wenige Minuten nach der kurzen Futterpause oder nach dem ratternden Geräusch der Schiebetür weiter, wie die Forschenden im Fachmagazin "Science Advances" berichten. Hingegen kehrte nur die Hälfte respektive zwei Drittel der Affen nach den zwei Unterbrechungen zu ihrer eigenen Körperpflege zurück.

Kommunikation vor und nach der Pause

"Die Affen scheinen etwas über ihre soziale Rolle gegenüber Artgenossen zu verstehen", sagte Heesen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Demnach sind sich die Bonobos ihren Verpflichtungen durchaus bewusst - eine Eigenschaft, die bisher nur Menschen zugeschrieben wurde.

Die Forschenden beobachteten ebenfalls, dass die Bonobos mit Gesten, Lauten und Gesichtsausdrücken kommunizierten, als sie die Tätigkeit unterbrachen oder wiederaufnahmen.

Wer trägt Verantwortung?

Allerdings kommunizierten die Tiere vor der eingelegten Pause aufgrund des nicht selbstverschuldeten ratternden Tors stärker als wenn sie ihre Artgenossen wegen des lockenden Rüeblis warten liessen. Genau das Gegenteil beobachteten die Forschenden nach der Unterbrechung.

Was merkwürdig klingen mag, vergleicht Heesen mit dem Verhalten der Menschen: "Wenn wir beim Mittagessen mit einer Freundin sitzen und der Feueralarm losgeht, schreien wir. Aber wir entschuldigen uns danach nicht für die Umstände." Anders sei es, wenn die Schuld der Unterbrechung bei einem selbst liege: "Wenn ich durch einen Telefonanruf das Gespräch abrupt unterbreche, entschuldige ich mich danach eher", sagte sie.

Abhängig von Rangordnung

Ebenfalls beobachtete das Team, dass der Kommunikationsaufwand je nach Rangunterschied und den sozialen Bindungen zwischen den Partnern variierte. Auch hier zieht Heesen einen Vergleich zu menschlichem Verhalten: "Wenn man in einer Besprechung mit seinem Chef sitzt und das Telefon klingelt, entschuldigt man sich eher, als wenn das Gegenüber die eigene Schwester ist."

Welche Inhalte die Gesten der Bonobos genau bergen, wollen die Forschenden in weiteren Studien untersuchen. Sie vermuten aber, dass die Tiere ihre Partner mit ähnlichen Signalen wie "Entschuldigung, ich bin gleich wieder da" oder "Sorry, dass ich dich warten liess" um Verzeihung bitten.

https://advances.sciencemag.org/lookup/doi/10.1126/sciadv.abd1306

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