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Bundesrat Schneider-Ammann warnt vor Vergütungsexzessen wie bei der Credit Suisse: Es handle sich um "eine Rücksichtslosigkeit, die sich früher oder später bei den sozialpartnerschaftlichen Auseinandersetzungen rächen wird." (Archiv)

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

(sda-ats)

Bundesrat Johann Schneider-Ammann schaltet sich in die Diskussion um hohe Managerboni ein. In einem Interview warnt er an die Adresse der Credit-Suisse-Chefs, trotz Milliardenverlust hohe Boni zu beanspruchen.

Schneider-Ammann findet im Interview mit der "Zentralschweiz am Sonntag" ungewohnte Worte und nennt zu hohe Boni "eine Rücksichtslosigkeit, die sich früher oder später bei den sozialpartnerschaftlichen Auseinandersetzungen rächen wird".

"Ich habe in meiner Zeit als Industrieller und Swissmem-Präsident meinen Kollegen in der Economiesuisse beizubringen versucht, dass sie mit den Vergütungsexzessen eine Dummheit begehen, die nichts mit den Weltmarktverhältnissen zu tun hat", sagt der Wirtschaftsminister auf eine Frage, was er von den Boni der Spitzenleute der Credit Suisse denke.

Nachdem einflussreiche Stimmrechtsberater die Entschädigungen scharf kritisiert und den Aktionären die Ablehnung der Vergütungsanträge empfohlen hatten, krebste die Grossbank in der Nacht auf Karfreitag zurück und kündigte eine Boni-Reduktion von 40 Prozent an. Ob das genügt, will Schneider-Ammann den Aktionären überlassen: "Das werden wir in weniger als einer Woche wissen", sagte er auf eine entsprechende Frage. Die Generalversammlung findet am Freitag statt.

Sorgen um Frankenschock-Folgen

Schneider-Ammann äussert sich in dem Interview weiter auch zur Wirtschaftslage. "Wenn man die Zahlen anschaut, haben wir den Frankenschock erstaunlich gut überstanden", sagte er. Allerdings werde man erst in zwei oder drei Jahren sagen können, was der Wegfall der Wechselkurslimite letztlich bedeute. "Ich mache mir Sorgen, dass der Mittelstand möglicherweise stärker geschwächt wurde und dass die Folgen erst später sichtbar werden."

Von den besseren gesamtwirtschaftlichen Aussichten erhofft sich der Bundesrat Rückenwind für Massnahmen zur Verbesserung der Situation älterer Arbeitnehmer. In dieser Altersgruppe ist die Arbeitslosenquote zwar unterdurchschnittlich. Wenn jedoch über 50-Jährige ihren Job verlieren, ist es schwierig für sie, eine neue Stelle zu finden.

Am Dienstag findet zum dritten Mal ein nationales Treffen zum Thema ältere Arbeitgeber statt. Die beiden ersten Male hätten alle aus wirtschaftlichen Gründen Angst gehabt und sich entsprechend zurückhaltend gezeigt, sagt Schneider-Ammann. Da nun die gesamtwirtschaftlichen Aussichten nicht mehr so schlecht seien, finde vielleicht ein Umdenken statt.

Einen Kündigungsschutz will Schneider-Ammann jedoch nicht einführen. "Es gibt auf der ganzen Welt keinen sinnvollen Kündigungsschutz." So führe ein solcher in Frankreich, der ab 50 Jahren gilt, dazu, dass die Unternehmen die Leute mit 48 oder spätestens 49 Jahren entliessen.

SDA-ATS

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