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Einen Tag nach der Rücktrittsankündigung des Direktors der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), Jürg Baumgartner, hat ihn der Verwaltungsrat (VR) per sofort entlassen wegen "inakzeptablen persönlichen Fehltritten": Er soll Mitarbeiterinnen mit anzüglichen MMS und SMS belästigt haben.

Baumgartners Abgang per Ende Januar war noch am Mittwochabend in einem BVB-Communiqué als freiwillig dargestellt worden: Er wolle den BVB einen Neuanfang ermöglichen. Hintergrund sind Verstösse gegen kantonales Recht sowie Sensibilitäts-Defizite, welche die kantonale Finanzkontrolle (Fiko) der BVB-Führung zur Last gelegt hatte.

Nachdem Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath am Montag deswegen zurückgetreten war, blieb Baumgartner im Fokus. Angesichts des zunehmenden Drucks habe dieser am Mittwochmittag ebenfalls seinen Abgang angeboten, sagte der designierte neue BVB-VR-Präsident Paul Blumenthal am Donnerstagnachmittag vor den Medien.

Menschliche Enttäuschung

Von Belästigungs-Vorwürfen gegen Baumgartner habe er erst am Vortag durch eine Anfrage der "Basler Zeitung" erfahren, sagte Blumenthal weiter. Am Mittwochabend habe Baumgartner nach Insistieren ihm die Bilder gezeigt und auch "eindeutig zweideutige" SMS nicht abgestritten. Der VR habe deswegen am Donnerstagmorgen die sofortige Trennung beschlossen.

Die Mobiltelefon-Fotos hätten den BVB-Chef mit entblösstem Oberkörper, Armen und Beinen, in Macho-Pose im Sessel fläzend gezeigt. Die MMS seien zwar "kein Porno", aber das sei ganz klar inakzeptabel, sagte Blumenthal weiter, erst recht für einen Chef. Für die betroffenen Frauen sei das eine schlimme Situation.

Schon nach dem Fiko-Bericht waren laut Blumenthal im VR die Meinungen zu Baumgartner geteilt gewesen. Er selber habe ihm aber noch eine Chance geben wollen. Er sei nun persönlich enttäuscht, "entsetzt und konsterniert". Vor Baumgartners Anstellung habe es bei den üblichen Referenzen und Assessments keine Hinweise auf so etwas gegeben.

Suche kann dauern

Als Interimschef hat der VR Michael Bont eingesetzt, bisher Leiter Infrastruktur der BVB. Die Suche nach einem neuen Direktor müsse sorgfältig erfolgen; das könne durchaus ein Jahr dauern. Selber sieht Blumenthal, der seit vier Jahren im BVB-VR sitzt, keinen Anlass, das Präsidium auszuschlagen: Es gebe "einiges aufzuräumen".

Blumenthal räumte ein, als VR-Mitglied bei Baumgartners Anstellung eine Vereinbarung mit unterzeichnet zu haben betreffend Dienstwagen und -wohnung, welche die Fiko nun als unzulässigt rügt. - Den bisher nicht öffentlichen Fiko-Bericht nimmt im Übrigen auch die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates unter die Lupe. Sie werde zu gegebener Zeit berichten, teilte Kommission am Donnerstag mit.

Die bei der Bevölkerung an sich beliebte BVB hatte sich zuletzt Sympathien verscherzt mit elektronischen Haltestellen-Anzeigetafeln, die seit vielen Monaten nicht richtig funktionieren. Zudem irritiert viele ein gehässiger Streit mit der Baselland-Transport (BLT) um den künftigen Betrieb von Tramlinien auf dem gemeinsamen Netz.

SDA-ATS