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Der Fussball in Portugal gleicht einem Sonnensystem. Im Zentrum steht Cristiano Ronaldo, um den sich alles dreht.

Wie die Sonne ist der 32-jährige Superstar für die hellen Momente der Portugiesen besorgt. Doch alleine ist Ronaldo nicht. Um ihn herum gibt es neun Planeten, die nicht unterschätzt werden dürfen und die für das System im portugiesischen Fussball und ihre Sonne Cristiano Ronaldo nicht unwichtig sind.

Die Goldene Generation

Nachdem Portugal zwischen 1988 und 1998 fünf von sechs grossen Turnieren verpasst hatte, führte die Goldene Generation Portugal zurück in die Elite des Weltfussballs und begründete den Höhenflug, der bis heute anhält. Mit Spielern wie Rui Costa, Luis Figo oder Vitor Baia stand Portugal zwischen 2000 und 2006 drei Mal an einer WM oder EM mindestens im Halbfinal. Vor etwas mehr als zehn Jahren trat die Goldene Generation ab und übergab an ihre Nachfolger - an Cristiano Ronaldo und Co. Noch heute ist der Einfluss der Goldenen Generation gross: Rui Costa ist Sportdirektor von Benfica Lissabon, Luis Figo war 2015 Kandidat für das FIFA-Präsidentenamt und bekleidet nun Beratermandate für verschiedene Klubs und Verbände.

Nachwuchsarbeit

Portugal ist seit fast 30 Jahren eine führende Fussball-Nation in der Nachwuchsarbeit. Der Verband arbeitet eng mit den Klubs zusammen, die Akademien von Benfica, Sporting und FC Porto sind regelrechte Goldgruben. Im vergangenen Sommer erzielten die drei Top-Klubs aus Transfers von Spielern ins Ausland zusammen einen Erlös von über 250 Millionen Euro. Portugal schöpft Talente aus einem riesigen Reservoir. Das bringt auf Nachwuchsebene Erfolge. Seit Ende der Achtzigerjahre holte Portugal auf Juniorenstufe zehn Titel.

Fernando Santos

Die Spieler sehen in ihm eine Art Vaterfigur. Der studierte Ingenieur lässt nicht den spektakulären Fussball spielen, den Portugal mit der Goldenen Generation zelebrierte. Er setzt auf Pragmatismus: hinten gut organisiert, vorne Cristiano Ronaldo. Die Portugiesen lieben zwar das "Jogo bonito", aber sie kritisieren Santos nicht für seinen Stil. Der Zweck heiligt die Mittel. Santos, der an der Heim-EM 2004 als Radio-Experte tätig gewesen war, führte Portugal 2016 zum ersten Titel der A-Nationalmannschaft. Unter ihm wurde die "Selecção" in 23 Pflichtspielen nur einmal bezwungen - in Basel von der Schweiz.

José Mourinho

Nie hat er die Nationalmannschaft trainiert, seit 13 Jahren arbeitet er im Ausland und doch ist sein Einfluss auf Portugals Fussball nicht zu unterschätzen. Der berühmteste Portugiese nach Cristiano Ronaldo hat 2004 den FC Porto zum Champions-League-Triumph geführt und damit dem portugiesischen Fussball im Jahr der Heim-EM einen zusätzlichen Schub verliehen. Er ging danach zu Chelsea, seine Führungsspieler, die Internationalen Ricardo Carvalho, Deco und Paulo Ferreira, wechselten im gleichen Sommer nach Spanien oder England.

Infrastruktur

Am 12. Oktober 1999 erhielt Portugal überraschend den Zuschlag für die EM-Endrunde 2004. An diesem Dienstag in Aachen setzte sich die portugiesische Kandidatur ausgerechnet gegen die Konkurrenz aus dem unbeliebten grossen Nachbarland Spanien durch. Zehn neue Stadien wurden gebaut. Einige davon werden kaum mehr für Spitzenfussball gebraucht, aber den Grossklubs Benfica, Sporting und FC Porto boten die neuen Stadien eine Basis, um wenigstens auf dem Niveau von Europas "Sup-Topper" eine gute Rolle zu spielen. Seit März 2016 verfügt Portugals Verband zudem über ein hochmodernes Leistungszentrum. In Oeiras, westlich von Lissabon, wurde für rund 20 Millionen Euro ein Komplex erbaut, der 22 Auswahlen als Trainingsbasis dient.

Monopol

In Portugal wird nicht nur Fussball gespielt. Aber der Fussball dominiert alles - und begünstigt die Bewegung im Land. Die Wirtschaft unterstützt in Portugal fast ausschliesslich den Fussball, Randsportarten haben kaum Support. Teams aus anderen Sportarten überleben vor allem dann, wenn sie polysportiven Vereinen wie Benfica oder Sporting angehören, wo sie finanziell wiederum von der Fussballabteilung unterstützt werden. Zwei Vergleiche mit der Schweiz: Portugal hat rund 25 Prozent mehr Einwohner, aber mehr als 50 Prozent mehr Fussballklubs. Portugal hat im Fussball elf internationale Titel gewonnen, die Schweiz zwei. Aber an Olympischen Spielen gewann die Schweiz 330 Medaillen - Portugal bloss 24.

Jorge Mendes

Er ist der Mastermind hinter der Karriere von Cristiano Ronaldo. Der mächtige Agent vertritt auch die Interessen von José Mourinho sowie von Ronaldos Nationalteam-Kollegen Nani, Quaresma, André Silva und João Moutinho oder von den Kolumbianern James Rodriguez und Radamel Falcao. Im Norden Portugals gründete Mendes Mitte der Neunzigerjahre einen exklusiven Nachtklub, der von Fussballern oft besucht wurde. So entstand sein Netzwerk. 2003 machte er den Transfer von Cristiano Ronaldo zu Manchester United perfekt. Mittlerweile hat der 51-jährige Mendes auch grossen Einfluss auf die Klubs. Im letzten Sommer orchestrierte er den Transfer des 21-jährigen André Silva vom FC Porto zu Milan - für 20 Millionen Euro weniger als die im Vertrag festgeschriebene Ablösesumme.

José Fonte

Er durchlief die Junioren-Abteilung von Sporting Lissabon Seite an Seite mit Cristiano Ronaldo. Im Gegensatz zum Weltfussballer ist Abwehrchef José Fonte allerdings ein Spätberufener: Erst mit 24 Jahren wechselte er ins Ausland, sein Debüt im Nationalteam gab er mit knapp 30 Jahren. An der EM wurde er erst nach der Vorrunde Stammspieler - man munkelt auf Drängen von Ronaldo hin. In der WM-Qualifikation absolvierte José Fonte sieben von neun Spielen über die volle Distanz. Zuletzt sass er allerdings zweimal auf der Ersatzbank, weil er nach dem Transfer zu West Ham United im neuen Klub erst mit Verzögerung Fuss gefasst hat.

André Silva

Cristiano Ronaldo bezeichnete ihn vor einigen Monaten als seinen legitimen Nachfolger und wollte den 21-Jährigen schon im letzten Januar zu Real Madrid lotsen. Im Sommer wechselte André Silva dann für knapp 40 Millionen vom FC Porto zu Milan. In Italien tut er sich bislang schwer. In der Europa League traf er zwar schon fünf Mal, in der Serie A aber noch nicht. Im Nationalteam an der Seite von CR7 läuft es besser. André Silva ist mit acht Toren die Nummer 4 in Europas WM-Qualifikation. Er schoss das 1:0-Siegestor im September in Ungarn und war am letzten Samstag auch in Andorra erfolgreich.

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SDA-ATS