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Daniela Ryf pendelt an der Ironman-WM Hawaii zwischen Mut und Demut

Die bisherige Bilanz von Daniela Ryf an der legendären Ironman-WM auf Hawaii könnte perfekter fast nicht sein.

Auf einen famosen 2. Rang im Jahre 2014 als Rookie liess die Solothurnerin drei Siege in Serie folgen.

In der Nacht auf Sonntag Schweizer Zeit kann die 31-jährige Ausnahme-Triathletin auf Big Island den vierten Triumph über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen realisieren.

Im Exklusiv-Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA schildert Streckenrekordhalterin Ryf weshalb im "Dreikampf der Schmerzen" auf der Vulkan-Insel sowohl Mut als auch Demut gefragt sind. Ausserdem erzählt sie, welches Erfolgsrezept sich seit ihrem Debüt auf Hawaii bewährt hat.

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Neben 40 Jahre Ironman-WM steht auch für Sie persönlich mit dem fünften Start auf Big Island ein Jubiläum bevor.

Daniela Ryf: "Am Renntag ist es für mich ein Wettkampf wie immer. Bei den 40 Jahren Ironman Hawaii dagegen steht natürlich eine Riesengeschichte dahinter. Mit all diesen Legenden, die hier gestartet sind und gewonnen haben. Das ist sicher speziell. Von daher ist es sehr schön zu realisieren, dass man ein kleiner Teil davon ist."

Wenn Sie sich an Ihre eigene Geschichte erinnern. Was machen Sie bei Ihrem fünften Start auf Hawaii noch genauso wie bei ihrem Debüt 2014?

"Ich habe meine Leidenschaft behalten, schnell zu schwimmen, Velo zu fahren und zu laufen. Das treibt mich auch jetzt wieder an. Ich ging damals raus und gab Vollgas. Das möchte ich auch jetzt wieder tun. Man muss auf sich aufpassen. Gleichzeitig aber auch den Mut haben, Risiken einzugehen und keine Angst haben, Fehler zu machen. Das heisst auch, dass man das Rennen durchaus auch schnell angehen kann."

Wie schaffen Sie den Balanceakt am Limit?

"Meine Renn-Erfahrung war bislang zumeist gut hier auf der Insel. Ich komme mit der Hitze klar. Und ich habe bislang zumeist die richtigen Entscheide gefällt. Doch der Respekt bleibt. Man darf dieses extrem harte Rennen nicht unterschätzen. Das muss man sich immer bewusst sein. Man muss aufmerksam bleiben und sich wirklich gut verpflegen, gerade auch auf der Laufstrecke. Dies hatte ich beispielsweise beim ersten Mal nicht ausreichend getan. Ich war zu euphorisch und rannte zu schnell durch die Verpflegungs-Posten. Dafür bezahlte ich hinten hinaus beim Laufen. Schliesslich ist die Vorbereitung extrem wichtig. Ich bin bei jedem Start hier noch ein wenig fitter als beim vorherigen Mal. Das braucht es auch, weil das Rennen hier so hart ist."

Was genau macht die Ironman-WM auf Hawaii anspruchsvoller als einen "gewöhnlichen" Ironman?

"Es hat viele Aspekte, die einem hier viel abfordern und einen noch ein wenig mehr leiden lassen als anderswo. Im Radfahren beispielsweise die letzten 40 Kilometer im Gegenwind, wenn man das Gefühl hat, nicht mehr vom Fleck zu kommen. Dann im Laufen, wenn man auf dem hügeligen Highway sehr alleine und ohne Zuschauer ist und dort negative Gedanken aufkommen. Dass man dann positiv bleibt und nicht in negative Gedanken verfällt. Die Hitze ist dabei nur eine Sache. Dazu ist es auch noch extrem feucht. Das kann einem schon zum Verhängnis werden. Deshalb braucht man nochmals ein Stückchen mehr Fitness als bei einem anderen Ironman."

Von der Verpflegung her setzen Sie auf Hawaii immer noch auf Militär-Schokolade als einzige Festverpflegung im Wettkampf?

"Das ist so. Auf dem Velo schmilzt sie nicht. Ich nehme da rund 40 Gramm zu mir. Die anderen Kalorien führe ich per Gel und Getränke zu."

Mit einem vierten WM-Titelgewinn auf Hawaii würden Sie zur nicht mehr aktiven Engländerin Chrissie Wellington aufschliessen, die in Ihrer Ära vor rund zehn Jahren als ähnlich unbesiegbar galt wie Sie jetzt...

"Die Anzahl Titel sind für mich nicht unbedingt entscheidend. Es ist für mich wichtiger, auf welche Art man die Titel gewinnt. Darauf fokussiere ich mich. Ich möchte eine tolle Leistung zeigen. Das treibt mich an. Ich möchte eine Leistung zeigen, an die sich die Leute gerne erinnern können. Respekt haben und dennoch Vollgas geben - einfach ein richtig cooles Rennen zeigen. Ich weiss, dass es möglich ist. Ich bin mir aber auch bewusst, dass am Tag X Vieles passieren kann. Deshalb versuche ich möglichst locker zu bleiben."

Die überragende Schwimmerin und starke Radfahrerin Lucy Charles ragt aus dem Kreis Ihrer Herausforderinnen heraus. Wie lautet Ihre Einschätzung?

"Es gibt noch einige andere. Es wäre falsch, sich nur auf eine Konkurrentin zu fokussieren. Es ist aber ein Vorteil für mich, dass Lucy Charles da ist. Sie macht das Rennen auch für mich schneller und wird mich pushen. Die schnellen Läuferinnen, die nicht so gut Rad fahren, werden dadurch auch Mühe bekommen."

Welche letzten Ratschläge haben Sie von Ihrem Trainer Brett Sutton erhalten?

"Prinzipiell ist er der Meinung, dass wir bereit sind. Nach der 70.3-Ironman-WM von Anfang September in Südafrika habe ich in den letzten Wochen auf Maui nochmals Fortschritte erzielt. Ratschläge können noch so gut sein, am Ende gibt es keine Zauberei. Ich weiss, dass ich schwimmen, Rad fahren und laufen muss. Körper und Kopf wissen es. Und gewisse Situationen im Rennen kann man nicht planen, da muss man auch situativ handeln."

Sie sind ein Vorbild für viele Triathleten und Dreikampf-Fans auf der ganzen Welt. Inwiefern liefert Ihnen dieser Support Energie, wann wird diese Rolle zur Belastung?

"Ich spüre vor Ort oder auch über soziale Medien einen grossen Support meiner Fans, vorab in den letzten vier Jahren. Ich kann aber natürlich beispielsweise nicht den ganzen Tag in der Hitze an der Ausstellung in Kona für Triathlon-Artikel herumlaufen, wie das vielleicht einige gerne hätten oder sähen. Aber dann würden die Beine für das Rennen schwer und müde. Deshalb verstecke ich mich also hier in Kona eher."

Im letzten Jahr versuchten Sie, zum zweiten Mal nach 2015 die Triple Crown zu gewinnen und den Millionen-Dollar-Jackpot zu knacken. Doch im letzten Rennen in Bahrain im Dezember wurden sie im Laufen als Leaderin abgefangen und mussten sich mit dem 3. Rang begnügen. Folgte die längere Saisonpause, weil Sie einsahen, dass man eine Topform nicht zehn oder elf Monate lang halten beziehungsweise diese mehr als dreimal im Jahr aufbauen kann?

"Die längere Pause war notwendig und tat mir gut, vor allem auch für den Kopf. Ich hatte dann in diesem Jahr schon im ersten Wettkampf Anfang Juni am 70.3 Ironman Switzerland in Rapperswil-Jona eine gute Form. Und diese Form habe ich nun ausgebaut. Die Triple Crown war nach der letzten Saison nicht mehr mein bevorzugtes Ziel. Ich musste mich entscheiden zwischen Hawaii und der Triple Crown. Ich entschied mich für Hawaii. Ich möchte in Hawaii das beste Rennen der Saison zeigen."

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