Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

Am Freitag ist Fabers Debütalbum "Sei ein Faber im Wind" erschienen. Nach viel Vorschusslorbeeren unterzieht er sich nun der Nagelprobe. (Bild Coverausschnitt)

Coverausschnitt

(sda-ats)

Nach zwei kleineren Veröffentlichungen hat der Zürcher Faber am Freitag mit "Sei ein Faber im Wind" sein Debütalbum herausgebracht. Auf dem Plattencover liegt er ausgestreckt vor einem stocksteifen Schützenverein. "Ich find's halt megalustig", sagt er dazu.

Seit Wochen erhält der 24-jährige Julian Pollina, wie Faber eigentlich heisst, viele Lorbeeren. Vergleiche werden gezogen zu Nick Cave und Hildegard Knef, Leonard Cohen oder Pete Doherty. Recht haben sie irgendwie alle, denn seinen Songs wohnt genau diese leicht melancholische Härte inne. Er mäandert zwischen Polka, italienischen und französischen Chansons, Folk und Pop. Und was für eine Stimme! Sie klingt nach warmem Rauch und Asphaltflechte.

Auf seinem Album hat Faber einen beinahe zynischen Blick auf die Welt. "Wenn es mir schlecht geht, seh' ich gern, dass es euch schlechter geht", singt er in "Wer nicht schwimmen kann, der taucht" - seiner Deutung eines Strandurlaubs am All-Inclusive-Buffet im Lichte der Flüchtlingspolitik. "Ich schaue euren Schlauchbooten beim Kentern zu / Im Liegestuhl am Swimmingpool am Mittelmeer / Kratz mich am Bart, kratz mich am Bauch / Wer nicht schwimmen kann, der taucht."

Seinen Liedern liegt meist etwas Todtrauriges zugrunde. Im Interview umreisst Faber selbst das Dreigestirn seiner Songs: Liebe, Drama und Politik. "Wenn du dann am Boden bist, weisst du, wo du hingehörst", zitiert er im Gespräch einen Song - und wirft schelmisch hinterher: "Das versprüht doch ordentlich Optimismus. Das ist doch aufgestellte Musik!"

Die "Nutten"-Kontroverse

Ein Blatt vor den Mund nimmt er nicht: "Jeder Jäger träumt von einem Reh, / Jeder Winter träumt vom Schnee, / Jede Theke träumt von einem Bier. / Warum, du Nutte, träumst du nicht von mir?", singt er etwa im Trennungssong "Sei ein Faber im Wind" - und gerät damit mitten hinein in die Debatte um Sexismus im Pop.

"Wenn du nur 'du Nutte' liest, ist das natürlich sehr fraglich, was das jetzt soll", sagt er dann. Doch im Kontext des Songs solle es ja gerade auch verletzend sein. Der Umschlag von Enttäuschung in Gemeinheit.

Dass das vermeintlich Subversive stellenweise in pubertierende Plattheiten umschlägt - sei's drum. Witzig ist es schon, wenn er in "Wem du's heute kannst besorgen" erst singt: "Ich glaub ich spinn', wenn ich dich heute Nacht nicht ...", um dann nach dem abgebrochenen Satz lüstern die Luft durch die Zähne zu ziehen. Fabers Sound ist ein Kontrapunkt. Oder wie er es selbst formuliert: "Ich mach ja keine Biergartenmusik."

SDA-ATS